Siemens-Schmiergeldaffäre Aufsichtsräte prüfen Alternativen zu Kleinfeld

Im Skandal um schwarze Kassen bei Siemens gibt es nun auch Spekulationen über eine Ablösung des Vorstandschefs. Einem Zeitungsbericht zufolge hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Aufsichtsrat bei Siemens, persönlich bei möglichen Nachfolgern für Klaus Kleinfeld angeklopft.


Hamburg – Kleinfeld hat Anhänger, aber auch einflussreiche Gegner: Mehrere Aufsichtsräte sowohl auf der Kapital- als auch der Arbeitnehmerseite tendierten dazu, den Vorstandschef zu ersetzen, berichtet die "Financial Times Deutschland". Die Kontrolleure wollten so einen wirklichen Neuanfang bei Siemens Chart zeigen ermöglichen. Das Thema werde auch am Mittwoch bei der Aufsichtsratssitzung angesprochen, bei der es unter anderem um die Vertragsverlängerung für Kleinfeld gehen soll.

Kleinfeld (auf der Jahrespressekonferenz im April): Wäre Reitzle der Bessere?
DPA

Kleinfeld (auf der Jahrespressekonferenz im April): Wäre Reitzle der Bessere?

Aufsichtsrat Ackermann habe vorab schon Gespräche mit externen Kandidaten für eine mögliche Kleinfeld-Nachfolge geführt. Der künftige Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sei eingeweiht. Wunschkandidat sei der derzeitige Linde Chart zeigen-Chef Wolfgang Reitzle, der seinen Konzern forsch umgebaut und das Geschäft mit Industriegasen mit Macht gestärkt hat.

Eine Stellungnahme von Siemens, Ackermann oder Reitzle zu dem Bericht lag zunächst nicht vor.

Im Aufsichtsrat gebe es – trotz guter Geschäftszahlen und kräftiger Kursgewinne der Siemens-Aktie - heftige Diskussionen, ob Kleinfeld eine neue Amtszeit erhalten solle, so die "FTD". Der Vertrag des 49-Jährigen läuft Ende September aus. Laut Bericht gilt als wahrscheinlich, dass der Aufsichtsrat die Vertragsverlängerung erst einmal vertagt und die Frage bei der nächsten Sitzung in drei Monaten entscheidet. Offen sei aber, wie Kleinfeld reagiert, wenn sein Vertrag nicht schon diese Woche verlängert wird.

Laut "FTD" fürchtet Ackermann, dass Kleinfeld doch noch eine Verstrickung in die Schmiergeldaffäre nachgewiesen werden könnte. Bisher gibt es darauf aber keine Hinweise, die Untersuchung einer US-Kanzlei habe Kleinfeld entlastet, so der Bericht.

Dass der Aufsichtsrat über Alternativen zu Kleinfeld zumindest nachdenkt, ist angesichts der Schmiergeld-Krise nicht ungewöhnlich und plausibel. Auch Ackermann selbst hat in der Vergangenheit Ähnliches erlebt: Als der Deutschbanker wegen des Mannesmann-Verfahrens unter Druck stand, prüften Aufsichtsräte, wer als Ersatzmann in Frage kommen könnte.

itz



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