Siemens-Schmiergeldaffäre Kleinfeld glänzt mit Supergewinn

Siemens steckt in der Schmiergeldaffäre fest - aber das Geschäft läuft blendend: Deutschlands größter Elektrokonzern steigerte im vergangenen Quartal den Gewinn um 30 Prozent. Den Rückenwind braucht Vorstandschef Kleinfeld dringend.


München - Der Umsatz kletterte vom 1. Januar bis 31. März 2007 im Vergleich zum Vorjahresquartal um zehn Prozent auf 20,626 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Abend bekannt gab. Der Gewinn nach Steuern stieg um 36 Prozent auf 1,259 Milliarden Euro, der Gewinn je Aktie erhöhte sich von 0,98 Euro auf 1,28 Euro. Das Ergebnis der Bereiche (Operatives Geschäft) erhöhte sich um 49 Prozent auf 1,964 Milliarden Euro. Die Ergebnisse der einzelnen Bereiche will Siemens auf der Halbjahres-Pressekonferenz am Donnerstag bekannt geben.

Siemens-Aktionäre (auf dem Weg zur Hauptversammlung): Gute Zahlen
REUTERS

Siemens-Aktionäre (auf dem Weg zur Hauptversammlung): Gute Zahlen

Die guten Zahlen dürften allen voran dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld etwas Luft verschaffen, der zuletzt wegen der Schmiergeldaffäre in die Schusslinie geraten war.

Siemens legte die Zahlen überraschend zwei Tage vor der Pressekonferenz zum Halbjahr vor. Nach Worten eines Konzernsprechers hat die dies nichts mit der Personaldebatte um Siemens-Chef Klaus Kleinfeld zu tun und erfolgte ausschließlich aufgrund interner Abwägung rechtlicher Vorschriften. Zuvor hatte es aus dem Umfeld des Aufsichtsrats geheißen, Kapitalvertreter im Aufsichtsrat hätten Vorbehalte gegen eine Verlängerung von Kleinfelds Vertrag. Es bestehe die Gefahr, dass sich der Konzernchef doch noch im Korruptionsgestrüpp bei Siemens verfangen könnte. Bisher waren keine konkreten Vorwürfe gegen ihn laut geworden.

Medienberichten zufolge sind führende Aufsichtsratsvertreter bereits auf der Suche nach einem Nachfolger. Im Gespräch ist neben Linde-Chef Wolfgang Reitzle inzwischen auch der ehemalige Volkswagen-Manager Wolfgang Bernhard. Reitzle hatte seine Ambitionen dementieren lassen. Insider sagten, Kleinfeld wolle seinen Gegnern im Aufsichtsrat die Stirn bieten. Für den Fall, dass am Mittwoch keine Entscheidung über seine Zukunft bei Siemens fällt, könnte er den Job hinwerfen, hieß es.

Laut Siemens soll morgen wie geplant über eine Verlängerung von Kleinfelds Vertrag abgestimmt werden. "Am Zeitplan für die Vertragsverlängerung von Dr. Kleinfeld hat sich nichts geändert. Wie vorgesehen erfolgt die Entscheidung in der morgigen Sitzung des Aufsichtsrats", sagte ein Siemens-Sprecher heute in München.

Aktionärsschützer haben sich derweil gegen eine Ablösung von Kleinfeld ausgesprochen: "Man würde einen fähigen Konzernchef loswerden", sagte das Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Reinhild Keitel, der "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe). "Für eine Ablösung Kleinfelds wäre ich nur, wenn neue Erkenntnisse, die gegen ihn sprechen, vorliegen." Wenn der Aufsichtsrat nun erwäge Kleinfeld durch jemanden anderen zu ersetzen, müsse man aber befürchten, dass Kleinfeld auch tatsächlich belastet sei.

Kleinfelds Vertrag läuft im Herbst aus. In Branchenkreisen wurde aber spekuliert, dass Siemens möglicherweise als Konzession an die mächtige US-Börsenaufsicht SEC auf einen kompletten Neuanfang setzen könnte. Schließlich seien mögliche Schmiergeldzahlungen auch noch zu Beginn von Kleinfelds Amtszeit als Vorstandsvorsitzender weiter gelaufen.

Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer hatte in der Nacht zum Freitag die Konsequenzen aus der Schmiergeldaffäre bei Deutschlands größtem Elektrokonzern gezogen und seinen Rücktritt erklärt. Morgen soll ThyssenKrupp- Aufsichtsratschef Gerhard Cromme zu seinem Nachfolger gewählt werden.

pav/reuters/dpa/AP



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