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Simonis-Nachfolge Zumwinkel sollte Unicef-Chef werden

Beinahe wäre er Deutschlands oberster Kinderhelfer geworden: Noch-Post-Chef Zumwinkel galt laut einem Zeitungsbericht als Favorit für den Vorstandsvorsitz bei Unicef. Wenige Stunden nach der entscheidenden Sitzung machte der Steuerskandal die Pläne zunichte.

Frankfurt am Main - Als ob das Kinderhilfswerk Unicef nicht genug Ärger hätte. Erst die Verdächtigungen wegen möglicher Veruntreuung von Spendengeldern, dann der Rücktritt der Vorsitzenden Heide Simonis - und jetzt das: Der scheidende Post-Chef Klaus Zumwinkel soll laut einem Medienbericht Favorit für die Simonis-Nachfolge gewesen sein.

Wie die "Frankfurter Rundschau" unter Berufung auf Vorstandskreise berichtete, wurde Zumwinkel in der Sitzung des Unicef-Vorstands am vergangenen Mittwoch an erster Stelle auf einer Liste von Personen genannt, die das Kinderhilfswerk für den neuen Vorsitz gewinnen wollte. Da Zumwinkels Pensionierung bevorstand und er schon länger als potentielles Komiteemitglied bei Unicef im Gespräch war, habe man beschlossen, den Post-Chef als Ersten anzufragen.

Wenige Stunden später - am Freitagmorgen - standen Fahnder vor Zumwinkels Privatvilla sowie vor der Post-Zentrale in Bonn. Sie nahmen den Manager kurzzeitig mit zu einer Vernehmung, durchsuchten seine Räume und beschlagnahmten kistenweise Unterlagen. Der Verdacht: Zumwinkel soll über eine Liechtensteiner Stiftung rund eine Million Euro Steuern hinterzogen haben. Für Unicef ist der Post-Chef, der gestern seinen Rücktritt anbot, damit untragbar.

Ob Reinhard Schlagintweit, der Interimsvorsitzende von Unicef, bei Zumwinkel bereits angefragt hatte, wollte das Kinderhilfswerk offiziell nicht beantworten. Insider sagten aber, dass der Kandidat nach dem Bekanntwerden des Steuerskandals als Favorit "weggebrochen" sei. Nun müsse man andere geeignete Personen ansprechen.

Für Zumwinkel ist dies aber wohl das kleinste Problem. Laut "Focus" soll der zurückgetretene Post-Chef rund vier Millionen Euro an das Finanzamt Köln zahlen - als Ausgleich für seine nicht versteuerten Zinserträge aus der zwölf Millionen Euro schweren Stiftung in Liechtenstein. Die Summe setze sich zusammen aus hinterzogenen Steuern, Zinsen und Geldstrafe.

Zumwinkel habe dem Haftbefehl zufolge fast 20 Jahre lang in "konspirativer Weise" versucht, seine Erträge aus der Anlage bei der Vaduzer LGT-Bank zu verschleiern. Die Bankbelege seien an die Adresse von Zumwinkels Feriensitz am Gardasee geschickt worden. Andere Bankdokumente habe sich der 64-Jährige "bis in den asiatischen Raum" nachsenden lassen. Um die drohende Untersuchungshaft abzuwenden, habe Zumwinkel eine Kaution von einer Million Euro hinterlegt und eine Vermögens-Abtretungserklärung für die Finanzbehörden abgegeben.

Wie das Magazin weiter berichtet, planen die Bochumer Staatsanwälte Anfang der Woche Durchsuchungen bei weiteren prominenten Millionären. Schwerpunkte der Aktion sollen in Köln und Düsseldorf sein. Mehr als 150 Ermittlungsverfahren seien bereits eingeleitet worden.

wal/AP/AFP/ddp