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Sir Freddie Laker

aus DER SPIEGEL 39/1980

gilt dem internationalen Luftfahrt-Establishment als übler Störenfried. Empfindlicher, als die Liniengesellschaften es zugeben möchten, hat der Londoner Luftreeder mit seinen Billigflügen über den Nordatlantik -- London-New York für 78 Pfund, 332 Mark -- das einst feste Tarifgefüge durcheinandergebracht. Der 58 Jahre alte Brite ist einer der farbigsten Unternehmer in dem Inselreich. Er scheint unbezähmbar beim Entwickeln immer neuer Geschäftsideen; er ist hemdsärmelig und publicitybewußt, ein schlauer, freundlicher, bulliger Typ, ein klassischer Selfmademan. Als Laker 1936 das Luftschiff Hindenburg am Himmel über Canterbury sah, stand für ihn fest, Luftfahrt sei das richtige für ihn. Der Seemanns-Sohn heuerte bei einem Flugbootbauer an -- als Laufbursche. Abends besuchte er Kurse über Flugzeugbau, Mathematik, Wirtschaft. Nach dem Krieg baute Laker sich mit gepumptem Geld seine erste Airline auf, machte Geld mit billig erstandenen Maschinen und Ersatzteilen der Royal Air Force und half, Britanniens erfolgreichsten Passagier-Jet, die BAC 111, zu entwickeln. Laker war Vorkämpfer für die Autofähren über den Kanal und betrieb selbst den ersten regelmäßigen Fährdienst mit einem Hovercraft-Luftkissenboot. In Großbritannien wurde der agile Unternehmer schon früh populär. Als einer der ersten ermöglichte Laker den Briten im Winter Billigflüge in den Süden. Heute kommandiert Laker, der selbst das Patent für Großraum-Jets hat, die größte private Fluggesellschaft Europas. Laker fliegt derzeit 16 Maschinen, davon elf Großraum-Jets DC-10. Zehn Maschinen vom Typ Airbus A 300 hat Laker bestellt. Der britische Luftreeder beschäftigt in seiner Airline und seiner Firma für Ferienreisen über 2000 Menschen.

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