Sixtinische Kapelle Willkommen in der Sixt-Arena!

Exklusiv-Konzerte für den Porsche-Club, Product Placement für LED-Leuchten: Die Sixtinische Kapelle sorgt mit neuen Vermarkungsstrategien für Befremden. Dabei ließe sich das vatikanische Gotteshaus für noch viel tollere PR-Aktionen nutzen.
Sixtinische Kapelle vor Beginn des Konklave 2013: Porsche-Jünger im Anmarsch

Sixtinische Kapelle vor Beginn des Konklave 2013: Porsche-Jünger im Anmarsch

Foto: AFP/ OSSERVATORE ROMANO

Die Sixtinische Kapelle durchläuft dieser Tage einen bemerkenswerten Wandel. Eine betuchte Reisegruppe des Porsche Travel Clubs mietete das weltberühmte Gotteshaus unlängst als exklusiven Konzertsaal. Und die Münchner Firma Osram nutzt es neuerdings als Showroom für 7000 LED-Lampen , die UV-frei, energiesparend und PR-trächtig das Tonnengewölbe des Heiligtums erleuchten. "Und Gott sprach, es werde Licht!", heißt es dazu in der Genesis.

Im kommenden Jahr wird in der altehrwürdigen Kapelle des Apostolischen Palastes dann auch noch das Augmented-Reality-Zeitalter anbrechen. Michelangelos Fresken lassen sich dann auch durch 3D-Brillen betrachten . Die intelligenten Gadgets sollen am Eingang ausgeteilt werden und den rund sechs Millionen Touristen, die Jahr für Jahr durch die Kapelle trampeln, eine noch intelligentere Sicht auf die Erschaffung Adams und das jüngste Gericht ermöglichen.

Man erkennt den Papst, der solche Modernisierungsmaßnahmen mitträgt, kaum wieder. Ist das noch derselbe Pontifex, der vergangenen Sommer predigte, der globale Kapitalismus sei "unerträglich ", weil für ihn "Kriege geführt" und weil in ihm "das Geld als Gott" angebetet werde?

Monsignore Paolo Nicolini, der Verwaltungsdirektor der Vatikanischen Museen, zumindest kann keine Wandlung vom Saulus zum Paulus erkennen. Firmen wie Porsche würden vor Nutzung der Sixtinischen Kapelle schließlich um eine Spende gebeten, sagte er dem "Daily Telegraph" . Das ganze sei eher als "Initiative zur Unterstützung der päpstlichen Wohltätigkeitsprojekte" gedacht.

Wieviel Porsche & Co gespendet haben und wie viel davon in wohltätige Projekte fließt, ist nicht überliefert. Klar ist dagegen schon jetzt: Die neue Vermarktungsstrategie des Vatikans hat Zukunft. Weitere Erlösquellen ließen sich rasch auftun.

Exklusiv-Taufen für Oligarchen-Babys kommen einem in den Sinn. Oder das Survival-Training-Seminar eines Outdoor-Ausstatters inklusive Kletterwand bis zur Kirchenkuppel, Bergpredigt von Rüdiger Nehberg und Wattwanderung durchs Rote Meer. Denkbar auch: die Umbenennung der Cappella Sistina in Sixt-Arena.

Gerüchten zufolge will ein großer deutscher Versicherungskonzern die Kapelle sogar für eine seiner legendären Vertriebspartys mieten - mit der einmaligen Option, die Ausschweifungen der Feier unmittelbar vor Ort zu beichten.

Signore Nicolini sagte übrigens noch, dass man neben all der göttlichen PR auch erwäge, die Zahl der Touristen in der Sixtinischen Kapelle zu begrenzen, weil ihr Schweiß und ihre saure Atemluft den Fresken schadeten. Hier könnten Pröbchen von Mundwasser- und Deoherstellern Abhilfe schaffen. Das würde, um noch einmal die Genesis zu zitieren, mindestens so gut zueinander passen, wie "die Schlange zum Weibe".

Und im Tonnengewölbe wäre neben all den Osram-Leuchten sicher noch Platz für eine Dunstabzugshaube von Whirlpool. Slogan: "Entfernt weißen Rauch - und schwarzen auch. Whirlpool, Ihr Partner für jede Konklave."

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