Ifo-Prognose So viele Unternehmen wie noch nie wollen Preise erhöhen

Jeden Monat fragt das Ifo bei Unternehmen, ob sie die Preise anheben wollen. Die Zahl erreicht nun einen Rekordwert. Die Forscher erwarten eine Inflation wie in der Ölkrise der Siebzigerjahre.
Brötchen in der Bäckereiauslage: Getreide als Preistriebmittel

Brötchen in der Bäckereiauslage: Getreide als Preistriebmittel

Foto: Martin Wagner / IMAGO

Immer mehr Firmen wollen in den kommenden drei Monaten ihre Preise erhöhen. Darauf weisen die Ifo-Preiserwartungen hin, die mit 54,6 Punkten einen Höchstwert erreichten. Im Vergleich zum Februar stieg der Index um 7 Punkte.

»Damit dürfte die Inflationsrate in diesem Jahr auf deutlich über 5 Prozent steigen«, sagte Ifo-Experte Timo Wollmershäuser. »Das gab es in Deutschland zuletzt vor über 40 Jahren, als die Inflationsrate nach der zweiten Ölpreiskrise im Jahr 1981 auf 6,3 Prozent kletterte.«

Nahrungsmittel treiben die Preise

Die Preissteigerungen sind laut Ifo insbesondere im konsumnahen Bereich zu erwarten. Im Nahrungsmitteleinzelhandel beispielsweise liegt der Wert bei 94. Das bedeutet, dass die allermeisten Befragungsteilnehmer aus dieser Branche Preiserhöhungen planen. Der Wert errechnet sich nämlich aus dem Anteil der Firmen, die Preise erhöhen wollen minus dem Anteil, der die Preise senken will. Er wird allerdings noch um Saisoneffekte bereinigt.

Im übrigen Einzelhandel stieg der Index auf 68,2 Punkte und bei den konsumnahen Dienstleistern auf 64,0 Punkte. Auch in den Wirtschaftszweigen, die dem privaten Konsum vorgelagert sind, nimmt der Preisdruck weiter spürbar zu. Im Großhandel legten die Preiserwartungen auf 78,1 Punkte zu, in der Industrie auf 66,3 Punkte, im Baugewerbe auf 48,9 Punkte und bei den Dienstleistern auf 42,7 Punkte.

»Der Angriff Russlands auf die Ukraine treibt nicht nur die Energiekosten in die Höhe, sondern auch die Preise vieler Agrarrohstoffe«, erklärte Wollmershäuser. Besonders viele Preissteigerungen sind laut Ifo zudem im sonstigen Einzelhandel, bei konsumnahen Dienstleistungen, im Großhandel und der Industrie zu erwarten. Wie hoch die Preissteigerungen ausfallen, das fragt das Ifo nicht ab.

mamk/dpa-AFX/Reuters
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