Zum Inhalt springen

Euro-Transfers Sofortüberweisungen sollen EU-weit bald kostenfrei sein

Bei Überweisungen werden nur eine Handvoll Daten von Bank zu Bank übertragen – trotzdem dauert das oft Tage. Die EU will sekundenschnellen Zahlungen nun einen Schub geben, über Ländergrenzen hinweg.
Überweisungsformular: Am liebsten schriftlich in den Filialbriefkasten

Überweisungsformular: Am liebsten schriftlich in den Filialbriefkasten

Foto: Fabian Sommer / dpa

Verbraucherinnen und Verbraucher sollen nach Willen der EU-Länder künftig unionsweit binnen Sekunden Geld in Euro überweisen können – ohne Mehrkosten. Den von ihnen angestrebten Regeln zufolge müssen etwa Banken, die Standardüberweisungen in Euro anbieten, auch Sofortüberweisungen in Euro anbieten.

Das teilten die Länder am Montag mit. Sollten dafür Gebühren fällig werden, dürften sie nicht höher sein als die Gebühren, die für Standardüberweisungen erhoben werden.

Sofortüberweisungen ermöglichten es den Menschen, innerhalb von zehn Sekunden Geld zu überweisen – »auch außerhalb der Geschäftszeiten, und zwar nicht nur innerhalb des gleichen Landes, sondern auch in einen anderen EU-Mitgliedstaat«, heißt es in der Mitteilung. Darüber hinaus verbesserten die neuen Regeln die strategische Autonomie des europäischen Wirtschafts- und Finanzsektors. Sie trügen dazu bei, eine übermäßige Abhängigkeit von Finanzinstituten und -infrastrukturen aus Drittländern zu verringern.

Schnelle Umsetzung im Euroraum

Die neuen Regeln sollen für die 27 EU-Staaten sowie für Norwegen, Island und Liechtenstein gelten. Dabei würden die neuen Regeln in den Ländern, die den Euro verwenden, schneller umgesetzt. Für Banken oder andere Zahlungsdienstleister außerhalb des Euroraums werde es demnach eine gestaffelte Umsetzungszeit geben. Bevor die neuen Vorschriften in Kraft treten können, müssen die EU-Staaten noch einen Kompromiss mit dem Europaparlament verhandeln.

Bankkunden in Deutschland bleibt für schnelle Geldtransfers oft nur der Umweg über Zahlungsdienstleister wie PayPal. Das bedeutet aber, dass bei der Geldübertragung außereuropäische Firmen an dem Vorgang mitverdienen.

Durch Onlinehandel und Onlinebanking befindet sich der Markt für Bezahldienstleistungen im Umbruch. Das wird auch bei bargeldlosen Zahlungen deutlich. Mehrere große Direktbanken in Deutschland haben ihre Kunden mit reinen Debitkarten der Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard ausgestattet – doch an der Kasse bekommen viele Verbraucherinnen und Verbraucher damit offenbar Probleme: »Viele berichten davon, dass ihre Debitkarte im Geschäft nicht akzeptiert wird oder sie im Supermarkt kein Bargeld mit der Karte abheben können«, sagt Ramona Popp, Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands. (Lesen Sie hier mehr zu dem Thema. )

Gleich mehrere Banken wie DKB, Comdirect, ING oder Santander haben die Debitkarten mit den Logos der US-Konzerne zu ihren kostenlosen Topprodukten erklärt. Bei manchen Mietwagenstationen, Behörden oder Händlern können Kunden mit den Karten aber nicht zahlen. So schätzt das Handelsinstitut EHI, dass zwischen 150.000 und 200.000 Händler in Deutschland die Karten der US-Konzerne nicht akzeptieren wollen. Auch bei dieser Entwicklung geht es um Marktanteile bei Bezahlvorgängen.

mamk/dpa-AFX