Solarfirma Staatsanwälte ermitteln gegen Conergy-Chef

Die Ermittlungen betreffen auch den Chef: Dieter Ammer, Vorstandsvorsitzender der Solarfirma Conergy, bestätigt, dass die Staatsanwaltschaft ihn wegen Verdachts auf Bilanzfälschung überprüft - und weist die Vorwürfe von sich.


Hamburg - Conergy-Chef Dieter Ammer steht auf der Liste der mutmaßlichen Bilanzfälscher. "Auch ich befinde mich unter den Personen, gegen die von der Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt wird", bestätigte Dieter Ammer am Donnerstag in einem Schreiben an seine Mitarbeiter.

Conergy-Firmenlogo: Verdacht auf Bilanzfälschung
ddp

Conergy-Firmenlogo: Verdacht auf Bilanzfälschung

"Alle anderen Betroffenen sind bereits aus dem Unternehmen ausgeschieden." Ammer, der zum Tatzeitpunkt Aufsichtsratschef bei der Hamburger Solarfirma war, ergänzte: "Weder ich noch der Bilanzausschuss oder der Aufsichtsrat haben zu irgendeinem Zeitpunkt von eventuellen Bilanzfälschungen gewusst, geschweige denn sie begleitet." Seine Aktienverkäufe im Jahr 2007 habe er niemals mit Insiderwissen getätigt.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE und NDR Info verdächtigt die Staatsanwaltschaft Hamburg elf Personen, darunter ehemalige Vorstände, Bilanzen gefälscht, den Aktienkurs manipuliert und Insiderhandel betrieben zu haben. Die Ermittlungen gegen Manager des Solarunternehmens Conergy sind unter anderem durch eine Anzeige der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ins Rollen gekommen.

Am Mittwoch ließ die Staatsanwaltschaft umfangreiche Razzien durchführen. 125 Ermittlungsbeamte durchsuchten 24 Büros und Wohnungen in Hamburg, Berlin, Stuttgart und München. Dabei sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden, sagte ein Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft.

Bei einer Verurteilung drohen den Beschuldigten bis zu fünf Jahre Haft. Die Conergy-Aktie, die Ende 2007 mehr als 23 Euro wert war, büßte am Donnerstag bis zu neun Prozent ein. Bereits am Vortag war der Kurs um sieben Prozent gesunken.

Die Manipulationen mittels mutmaßlich unrichtiger Ad-hoc-Mitteilungen sollen sich im Zeitraum November 2006 bis April 2007 zugetragen haben. Ammer verwies darauf, dass er als Aufsichtsratschef die Aufklärung der Ereignisse in die Wege geleitet und sowohl die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung als auch die Marktaufsicht BaFin unterstützt habe. "Ich bin deswegen überrascht und enttäuscht, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen hat", erklärte er. Das Unternehmen hat bei seinen Ex-Vorständen wegen der Vorfälle bereits Schadensersatz geltend gemacht.

Der einstige Börsenstar Conergy war 2007 knapp an der Pleite vorbeigeschrammt und blieb auch 2008 tief in den roten Zahlen stecken. Im ersten Quartal 2009 fiel der Umsatz um 70 Prozent auf 65 Millionen Euro, unter dem Strich verbuchte die Firma einen Verlust von 28 Millionen Euro. Der Gründer und frühere Vorstandschef Hans-Martin Rüter hatte sich bei dem Versuch verhoben, die Firma durch Zukäufe zu einem Ökoenergie-Mischkonzern auszubauen.

Der Ende 2007 an der Spitze von Conergy installierte Dieter Ammer kämpft seitdem mit den Aufräumarbeiten. Er besorgte der Solarfirma einen 240 Millionen Euro schweren Überbrückungskredit und warb dann Investoren, die 400 Millionen Euro an Kapital nachschossen. Einen Zehnjahres-Vertrag mit dem US-Hersteller MEMC zum Bezug des Rohstoffs Siliziumwafer halbierte er auf ein Volumen von vier Milliarden Dollar und verschaffte der Firma damit finanziell Luft.

ssu/AP/dpa/Reuters



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