Solarworld-Angebot für Opel PR-Coup des Sonnenkönigs

Solarworld will Opel kaufen. Doch der Autokonzern will davon nichts wissen - und Experten bewerten die Offerte als aussichtslos. Eines allerdings zeigt das PR-trächtige Angebot: Die Solarbranche muss als Zukunftstechnologie ernst genommen werden.

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Hamburg - Frank Asbeck versteht sein Handwerk. 2000 Solarmodule lässt der Chef des Bonner Solarunternehmens Solarworld derzeit auf dem Dach der Audienzhalle Aula Paolo VI. im Vatikan installieren. Zum Dreikönigstag hatte er Papst Benedikt XVI. eine Solaranlage geschenkt. Energie vom Himmel für den Stellvertreter Gottes auf Erden - überbracht von einem der wohl begnadetsten Verkäufer alternativer Energien.

Sonnenkönig Asbeck: "Größe war noch nie entscheidend"
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Sonnenkönig Asbeck: "Größe war noch nie entscheidend"

Es gibt kaum einen Unternehmer, der es so geschickt versteht, Werbung für sein Geschäft zu machen, wie Asbeck. Dass der schillernde Unternehmer immer wieder für Überraschungen gut ist, hat er am heutigen Mittwoch erneut unter Beweis gestellt, als er einer verblüfften Öffentlichkeit kurzerhand mitteilte, den angeschlagenen Autokonzern Opel kaufen zu wollen. Eine Milliarde Euro will der "Sonnenkönig" genannte Solarworld Chart zeigen-Chef dem Unternehmen bieten - verlangt aber gleichzeitig eine Kompensation in ähnlicher Höhe vom Opel-Mutterkonzern General Motors Chart zeigen(GM). Das Angebot sei durchaus ernstgemeint und beileibe kein Scherz, versicherte das Unternehmen auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE.

Experten halten es für ausgeschlossen, dass der Bonner Konzern mit 2200 Mitarbeitern künftig bei dem Autohersteller mit seinen knapp 30.000 Angestellten Fahrzeuge mit "energieeffizienten und emissionsarmen Antrieben" und "Elektro- und Hybridfahrzeuge" baut. "Zwar scheint Solarworld sein Angebot halbwegs ernst zu meinen, immerhin wurden konkrete Beträge genannt, und es scheint auch Gespräche mit der Politik zu geben", sagt Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler. "Ich halte es aber zu 99 Prozent für unwahrscheinlich, dass der Deal zustande kommt."

Aus Sicht des Autokonzerns spricht einiges dagegen: "Opel ist ein fundamentaler Bestandteil des Europa-Geschäftes von GM", sagt Pieper. Beide Autohersteller seien extrem eng verflochten, man arbeite auf gemeinsamen Plattformen, außerdem erbringe Opel enorme Entwicklungsleistungen für GM. "Sollte GM tatsächlich seine Tochter aufgeben, bedeutet dies das Ende als internationaler Konzern, und das würde GM nur im absoluten Notfall tun. Davon abgesehen wäre Opel alleine überhaupt nicht lebensfähig."

Opel soll "erster grüner Autokonzern" werden

Vor allem aber fragen sich die Beobachter, was Solarworld mit dem kränkelnden Autohersteller überhaupt will. Man wolle Opel zum "ersten grünen europäischen Autokonzern weiterentwickeln", heißt es in der Mitteilung des Konzerns. Der Konzern arbeite schon seit Jahren an der Entwicklung und Erprobung von Elektrofahrzeugen, die mit Solarenergie erfolgreich Rennen bestritten. Von der reinen Größe Opels lässt man sich dabei nicht einschüchtern: "Kennen Sie die Geschichte von David und Goliath? Größe war noch nie entscheidend", fragte Solarworld-Chef Asbeck. Auch ein riesiger Konzern wie die Opel-Mutter General Motors sei von der Pleite bedroht. "Wichtig ist, dass man Zukunftsmärkte erkennt." Solarworld meine das Angebot daher "todernst".

Genau das aber nehmen Kenner des Unternehmens nicht ernst: "Ich glaube nicht, dass dieser Deal zustande kommen wird", sagt Matthias Fawer von der schweizerischen Sarasin Bank, die auf Investitionen in der Solarbranche spezialisiert ist. Zwar sei das Unternehmen hervorragend aufgestellt und werde den zu erwartenden Einbruch bei der Nachfrage an Solarzellen gut verkraften. Auch sei es grundsätzlich denkbar, dass ein Solarunternehmen sich in die Autoindustrie einkaufe, weil diese sich in Zukunft auf jeden Fall auf erneuerbare Energien einstellen müsse.

"In erster Linie war diese Ankündigung deshalb eine clevere strategische Aktion: Solarindustrie rettet Autoindustrie - das ist doch eine großartige Schlagzeile", sagt Fawer. Damit mache Asbeck klar, welche Dimensionen und welche Kraft die Solarenergie inzwischen habe - und das sei wichtig für künftige politische Diskussionen. "Man kann das PR nennen, aber es steckt auch ein Kern Wahrheit darin: Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien, und die Autobranche muss sich endlich bewegen."

Denn die hat sich tatsächlich bislang davor gedrückt, sich ernsthaft um die Entwicklung energiesparender Fahrzeuge zu bemühen. Die Politik der Hersteller habe immer nur Leistung, Geschwindigkeit und Status im Kopf gehabt, sagen Branchenkenner. Denn bei den großen Modellen, etwa einem Audi A6, sei die Marge drei- bis viermal größer als bei einem Golf. Kein Wunder also, dass die Bemühungen, auf kleinere, leichtere und damit auch energiesparendere Fahrzeuge umzustellen, wenig ausgeprägt waren.

"Deshalb ist dieser Vorstoß von Asbeck auch politisch wichtig", sagt Sarasin-Experte Fawer. Denn wenn die Bundesregierung jetzt der Autoindustrie unter die Arme greife, müsse sie auf Auflagen bestehen - und dazu gehörte in erster Linie mehr Klimaschutz.

Damit könnte die Bundesregierung den Markt für klimafreundliche Fahrzeuge schaffen, der nach Ansicht von Jan-Welm Biermann vom Institut für Kraftfahrzeuge an der RWTH Aachen bislang nicht da war. "Die deutsche Autoindustrie hat die Autos gebaut, die der Käufer wollte." Allerdings seien nicht nur Opel, sondern auch die anderen großen Hersteller seit Jahren an der Entwicklung von Elektro- und Hybridmotoren dran. Dass Solarworld bei dieser Entwicklung helfen könnte, bezweifelt der Experte stark. "Ich sehe auch in Zukunft keine Autos mit Solarpanel auf dem Dach, zum Antrieb eines Autos gehört ein bisschen mehr."

Tatsächlich gibt es einen weiteren Hinweis, dass das Angebot von Solarworld vielleicht doch nicht ganz so "todernst" gemeint ist, wie Asbeck es behauptet - der Preis: "Sollte GM tatsächlich bereit sein, Opel zu verkaufen, reicht das Angebot bei weitem nicht aus", sagt Bankhaus-Metzler-Analyst Pieper. "Der aktuelle Marktwert dürfte bei rund drei Milliarden Euro liegen, dazu kommen noch mal Schulden in Höhe von vielleicht drei bis fünf Milliarden."

Macht zusammen acht Milliarden Euro. Geboten hat Solarworld quasi nichts - eine Differenz, die einen Kompromiss schwierig machen dürfte. Eine Sprecherin des US-Autokonzerns General Motors teilte denn auch in Detroit mit: "Opel steht nicht zum Verkauf".



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