Solidarität unter Bankern Ex-UBS-Chef verzichtet auf zwölf Millionen Franken

Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung: Der ehemalige Chef der Schweizer Großbank, Peter Wuffli, überlässt seinem Ex-Arbeitgeber einen Teil seines Gehalts. Mitten in der hitzigen Debatte um Managergehälter bringt er damit seine Kollegen unter Druck.


Zürich - Für die Bank ist es nicht viel Geld, aber was zählt ist die Geste: Erstmals verzichtet ein ehemaliger Spitzenmanager einer der weltweit größten Banken auf einen Teil seiner Einkünfte. Der frühere Konzernchef der UBS, Peter Wuffli, verzichtet auf zwölf Millionen Franken. Der Verzicht sei eine Frage der persönlichen Haltung, sagte er gegenüber der "NZZ am Sonntag". "Hohe Zahlungen für ausscheidende Top-Leute in einem Unternehmen in schwerer Schieflage sind nicht zu rechtfertigen." Seine Entscheidung sei ein Zeichen der Solidarität mit der UBS-Führung und den Mitarbeitern. Sie verdienten Vertrauen.

Ex-UBS-Chef Wuffli: "Frage der persönlichen Haltung"
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Ex-UBS-Chef Wuffli: "Frage der persönlichen Haltung"

Wuffli war im Juli 2007 überraschend als Konzernchef zurückgetreten und durch den jetzigen CEO Marcel Rohner abgelöst worden. Mit seinem Verzicht setze Wuffli weitere UBS-Spitzenleute unter Druck, schreibt die "NZZ" weiter, vor allem die abgetretenen Mitglieder des Verwaltungsratspräsidiums Marcel Ospel, Stephan Haeringer und Marco Suter. Die UBS begrüße Wufflis Verzicht und danke ihm dafür, teilte ein Sprecher der Großbank mit.

Die UBS ist eine der weltweit größten Banken und Vermögensverwaltungen. Allerdings musste auch sie Abschreibungen in Milliardenhöhe vornehmen und kam durch die weltweite Kreditkrise unter Druck. Im Oktober musste sie schließlich staatliche Hilfen in Höhe von 66 Milliarden Franken in Anspruch nehmen.

Wufflis Entscheidung, die er der UBS Chart zeigen schon vor einem Jahr mitgeteilt hat, kommt mitten in die durch die Finanzkrise angeheizte Debatte um Managergehälter und Bonuszahlungen. Allerdings geht es bei Wuffli nicht nicht um eine Rückzahlung von früher bezogenen Boni, sondern um den Verzicht auf einen Teil jener vertraglich festgelegten Leistungen, die ihm bei seinem Abgang zugesichert waren.

Intensive Diskussion über Managergehälter

Aus dem Geschäftsbericht 2007 ist bekannt, dass Wuffli sowie die Ende September 2007 abgesetzten Mitglieder des Top-Managements, Clive Standish und Huw Jenkins, Anrecht auf je ein Jahressalär hatten. Zusammen ging es um eine Summe von 60,6 Millionen Franken. Hinzu kamen weitere Zahlungen von knapp 33 Millionen Franken für jene Zeit, die Wuffli, Standish und Jenkins im Jahr 2007 noch im Amt waren.

Seitdem die weltweite Finanzkrise Mitte September einen neuen Höhepunkt erreicht hat, wurde intensiv über die Frage diskutiert, wie gerechtfertigt Gehälter und Bonuszahlungen in Millionenhöhe für Banker sind, die ihre Institute nicht richtig geführt haben. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hatte angesichts der andauernden Manager-Schelte vergangene Woche von einer "Pogromstimmung gegen Manager" gesprochen - sich nach heftigen Protesten vom Zentralrat der Juden allerdings von seiner Äußerung distanziert.

Die Wortwahl erinnert an den Vergleich, der vor knapp zwei Wochen heftige Empörung auslöste: Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), hatte die Kritik an Managern in einem Zeitungsinterview mit dem Antisemitismus der dreißiger Jahre gleichgesetzt. Sinn sagte wörtlich, in der Weltwirtschaftskrise von 1929 hätte es "in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager". Nach heftiger Kritik des Zentralrats der Juden, von Spitzenpolitikern und Kirchenvertretern entschloss sich Sinn zu einer öffentlichen Entschuldigung.

sam/AP



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