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»Solide Finanzanlage«

aus DER SPIEGEL 1/1996

Traube, 67, ist Leiter des Bremer Energie-Instituts.

SPIEGEL: Herr Traube, Sie raten den Regierungen in Berlin und Hamburg davon ab, ihre Stromversorger Bewag und HEW an die Stromkonzerne zu verkaufen. Wie sollen die finanzschwachen Städte aber sonst an die benötigten Milliarden kommen?

Traube: Ich warne nicht generell vor dem Verkauf. Nur sollte man Anteile nicht an solche Unternehmen verkaufen, die eigentlich Konkurrenten auf demselben Markt sind. Das unterläuft die politische Absicht, Wettbewerb in der Stromindustrie zu schaffen. Gegen Käufer, die kein Interesse haben, eigenen Strom hier zu verkaufen, ist nichts einzuwenden.

SPIEGEL: Wer soll das denn sein?

Traube: In Frage kommen vor allem ausländische Energieunternehmen, aber auch große Dienstleister wie die französische Compagnie General des Eaux, die in Bremen einsteigen wollte. Im Fall von Bewag und HEW sollte man prüfen, ob sie nicht über Kreuz gegenseitige Beteiligungen erwerben können.

SPIEGEL: Was würde eine solche Quasi-Fusion bringen?

Traube: Die Städte kämen auf diese Art gegenseitig an die finanziellen Reserven ihrer Unternehmen. Die HEW zum Beispiel können an das Land Berlin den Preis für die Bewag-Anteile aus ihren Rückstellungen zahlen. An diese Gelder kommen die Länder aus Gründen des Aktienrechts sonst nicht ran. Die Unternehmen würden dadurch auch nicht geschwächt, weil die Beteiligung eine solide Finanzanlage darstellt. Die Kooperation zwischen den beiden nicht konkurrierenden Partnern würde sie sogar stärken, indem sie neue Geschäftsfelder gemeinsam aufbauen und sich gegenseitig Reservekapazitäten stellen.

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