Sommerferien Experten rechnen mit Benzinpreis von über 1,60 Euro

Die Urlaubssaison beginnt - und damit steigt die Nachfrage nach Benzin. Experten rechnen damit, dass der Kraftstoffpreis in den kommenden Tagen auf über 1,60 Euro pro Liter steigt. Italien denkt nun an eine "Robin-Hood-Steuer" für Ölkonzerne, um arme Haushalte zu unterstützen.


Rom - Die Spritpreise steigen und steigen - nach Angaben der Mineralölwirtschaft kostet ein Liter Benzin im Durchschnitt inzwischen 1,56 Euro, so viel wie noch nie. Nach Expertenansicht müssen sich die Autofahrer in Deutschland in den Sommerferien auf weiter steigende Preise einstellen. Fachleute rechneten mit einem Anstieg auf mehr als 1,60 Euro pro Liter Benzin, berichtet die "Bild"-Zeitung.

Benzin-Zapfpistole: Weitere Preissteigerungen in den Sommerferien
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Benzin-Zapfpistole: Weitere Preissteigerungen in den Sommerferien

Der Chefvolkswirt der Allianz Chart zeigen, Michael Heise, sagte der Zeitung: "Es ist zu befürchten, dass der Ölpreis kurzfristig weiter steigt und der Benzinpreis zu Beginn der Reisesaison über 1,60 Euro je Liter klettert." Ein Grund sei die immer noch hohe Anzahl von Investoren, die an den Märkten Öl auf Termin kaufen.

Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Claudia Kemfert, sagte dem Blatt, sie sehe beim aktuellen Benzinpreis noch Luft nach oben. "Es gibt weltweit zu wenig Raffineriekapazitäten. Mit Beginn der Ferienzeit kann sich der Engpass noch verschärfen, der Benzinpreis noch mal um mehrere Cent klettern", sagte sie.

Italiens Regierung droht den Ölkonzernen nun mit einer Sondersteuer: Auf diese Weise sollen die Mineralölkonzerne Finanzhilfen für ärmere Bevölkerungsschichten finanzieren, die unter den hohen Energiepreisen besonders stark leiden. Das Kabinett des konservativen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi billigte am Mittwoch im Rahmen ihres Haushaltsentwurfs für die nächsten drei Jahre die von den Medien als "Robin-Hood-Steuer" bezeichnete Sonderabgabe.

Italiens Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hatte die Pläne vorgelegt, die eine stärkere Besteuerung der Ölkonzerne, Profiteure des hohen Ölpreises, vorsehen. Zusammen mit einer höheren Besteuerung von Banken und Versicherungen soll die Steuer schon 2009 rund vier Milliarden Euro zusätzlich in die Staatskasse bringen. Die Pläne betreffen in erster Linie den Ölkonzern Eni Chart zeigen, der die Agip-Tankstellen betreibt. Tremonti kündigte zudem einen Hilfsfonds für arme Rentner an. Sie sollen eine Prepaid-Karte erhalten, mit der sie "in aller Diskretion" Grundnahrungsmittel zu reduzierten Preisen kaufen können. Auch bei der Bezahlung ihrer Strom- und Gasrechnung will der Staat ihnen unter die Arme greifen.

Der Verband der italienischen Ölgesellschaften kritisierte die Sondersteuer als "Strafmaßnahme". "Die Branche wird ständig angegriffen, verteufelt und als Ursache aller Übel angesehen", sagte der Verbandsvorsitzende Pasquale De Vita.

Der Haushaltsplan muss noch von beiden Kammern des Parlaments gebilligt werden. Sollte die neue Steuer kommen, wäre Italien das erste Land, das Ernst macht mit seiner Drohung, die hohen Gewinne der Ölmultis abzuschöpfen. Ähnliche Pläne gibt es weltweit - auch der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama hatte kürzlich solche Überlegungen geäußert. In Brüssel beraten am heutigen Donnerstag die Staats- und Regierungschefs über den massiven Anstieg des Ölpreises.

In dem Entwurf einer Erklärung der EU-Politiker steht die Formulierung, dass die Staats- und Regierungschefs "den anhaltenden Anstieg bei den Ölpreisen" beklagen. Es sollten daher Maßnahmen erlaubt werden, "die den Einfluss hoher Ölpreise auf die ärmeren Schichten der Bevölkerung lindern". Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy fordert beispielsweise einen Eingriff bei der Mehrwertsteuer für Kraftstoffe, um die hohen Preise abzufedern. Die Bundesregierung lehnt das strikt ab.

kaz/AP/ddp



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