Sommerschlussverkauf Saison der billigen Jakobs

Der am Montag beginnende Sommerschlussverkauf wird nach Einschätzung von HDE-Präsident Hermann Franzen den Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr nicht ausgleichen. Er werde aber den schon seit Monaten geführten Preiskampf noch weiter verschärfen.


Rabatte bis zu 80 Prozent: Sommerschlussverkauf im vergangenen Jahr
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Rabatte bis zu 80 Prozent: Sommerschlussverkauf im vergangenen Jahr

Düsseldorf - Einen Vorgeschmack auf die zu erwartenden Rabatte geben die Schilder, die in dieser Woche in den Geschäften zu sehen sind. So hat die schwedische Kette H & M bereits bundesweit die Preise gesenkt: Hosen, Kleider und Strickwaren gibt es teilweise schon für 9,90 Euro. Auch Peek und Cloppenburg hat den Schlussverkauf schon eingeläutet. "Im Grunde sind die Preise schon seit Mitte Mai auf Talfahrt", sagt Yvonne Malamatas, Verkaufsleiterin bei Peek und Cloppenburg in Berlin. Das gesamte Sommersortiment sei inzwischen um 30 bis 50 Prozent billiger.

Zu Wochenanfang will auch der Kaufhof nachziehen. Preisnachlässe von bis zu 60 Prozent sollen Kunden locken. "Die Lager sind noch gut gefüllt und der Handel muss sich deshalb nahezu um jeden Preis von der Saisonware trennen", sagte HDE-Präsident Hermann Franzen.

Doch was die Verbraucher freut, stellt für den Verbandsfunktionär eher einen Grund zur Sorge dar. Die Preiskämpfe könnten sich zum Dauerproblem für die Händler entwickeln, befürchtet Franzen. "Der Wettbewerb zwingt viele Händler, dauernd neue Schnäppchen-Aktionen zu starten". Es falle aber auf, dass besonders jene Händler Erfolg hätten, die auf Dauer glaubwürdige Tiefpreise anböten, statt immer neue Rabatte zu gewähren.

Hinzu komme, dass der Schlussverkauf die bisherigen Umsatzeinbußen des Handels gegenüber dem Vorjahr kaum ausgleichen könne, sagte Franzen weiter. Beim Umsatz gehe der Verband für das Gesamtjahr trotz einer Aufhellung der Konsumstimmung und der Einführung des langen Samstags weiter von einem Rückgang von rund einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus.

Auch die seit Anfang Juni geltenden längeren Öffnungszeiten an Samstagen hätten dem Handel bisher kein generelles Umsatzplus beschert, sagte Franzen mit Blick auf anders lautende Einschätzungen des konkurrierenden Handelsverbandes BAG. "Meine persönliche Beobachtung ist, dass die Frequenz in den Geschäften am Samstag zwar höher ist, aber auf Kosten anderer Wochentage." Gewinner seien die Innenstädte, während das flache Land nicht davon profitiere. Von insgesamt mehr Umsatz könne bislang nicht die Rede sein. "Das ist momentan eher ein Nullsummenspiel."

Die erweiterten Ladenöffnungszeiten seien richtig, gingen aber noch nicht weit genug, kritisierte der HDE-Präsident. "Ich halte es für illegal und für eine klare Wettbewerbsverzerrung, was etwa im Leipziger Hauptbahnhof passiert. Dort können Sie so genannten Reisebedarf bis tief in die Nacht hinein an jedem Tag der Woche einkaufen, während auf der anderen Straßenseite die Geschäfte um 20 Uhr schließen müssen."



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