2,79 Millionen Erwerbslose Arbeitsmarkt trotzt der Krisenstimmung

Der deutsche Arbeitsmarkt feiert Rekorde: Die Zahl der Erwerbslosen sinkt im September um 149.000 auf 2,79 Millionen - so wenig waren zuletzt vor 20 Jahren ohne Job. Experten rechnen auch in den kommenden Monaten mit einer positiven Entwicklung.

"Jobs!"-Schriftzug eines Arbeitsvermittlers in Frankfurt am Main: Rückgang saisonbereinigter Zahl
dapd

"Jobs!"-Schriftzug eines Arbeitsvermittlers in Frankfurt am Main: Rückgang saisonbereinigter Zahl


Nürnberg - Der Wirtschaftsboom lässt nach, doch der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich von seiner starken Seite: Die Zahl der Erwerbslosen ist im September überraschend deutlich zurückgegangen. Im September waren 2,79 Millionen Menschen ohne Job - so wenig wie zuletzt im Jahr 1991. Das waren 149.000 weniger als im August, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mit.

Saisonbereinigt, also unter Herausrechnung jahreszeitlicher Einflüsse, ist die Arbeitslosenzahl um 26.000 auf 2,92 Millionen gesunken. Die Quote rutschte auf 6,6 Prozent ab - ein Minus von 0,4 Punkten.

"Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich im September weiter verbessert", sagte Arbeitsagentur-Chef Frank-Jürgen Weise. Die Zahl der Erwerbstätigen wachse ebenso wie die der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften steige. Erst am Mittwoch hatten die obersten Jobvermittler einen Hochstand bei den offenen Stellen gemeldet.

Zuletzt hatten sich die Signale gemehrt, dass sich die Konjunktur in Deutschland abkühlt. Doch die Unternehmen zeigen sich offenbar unbeeindruckt davon. Grund sei vor allem der Wirtschaftsaufschwung, der zu einer Zunahme der Stellen geführt hat und damit den Betroffenen größere Chancen auf einen Arbeitsplatz bietet, sagte Weise. "Zudem sind diese Chancen in den letzten Jahren durch den Strukturwandel und die Reformen am Arbeitsmarkt deutlich gestiegen", sagte Weise. Vor zehn Jahren hätten bei einer gleich guten Konjunktur deutlich weniger Menschen eine Stelle gefunden.

41 Millionen Beschäftigte - ein Rekord

So gab es auch bei den Beschäftigten einen Rekord: Im August stieg die Zahl der Erwerbstätigen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 521.000 Personen auf 41,082 Millionen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag auf der Grundlage vorläufiger Berechnungen mitteilte. Gegenüber dem Vormonat erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen saisonbereinigt um 10.000 Personen.

Allerdings gilt der Arbeitsmarkt als nachlaufender Indikator. Das soll heißen: Er hinkt der aktuellen wirtschaftlichen Lage immer um einige Monate hinterher. Zudem ist die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen höher, als die Bundesagentur angibt: Rechnet man beispielsweise Erwerbslose in Beschäftigungsmaßnahmen und Ein-Euro-Jobber dazu, liegt die tatsächliche Unterbeschäftigung rund eine Million höher.

Die DekaBank erwartet jedoch auch in absehbarer Zeit keine Einbrüche am Arbeitsmarkt. "Die sich abzeichnende wirtschaftliche Abschwächung dürfte nicht zu Entlassungen im großen Umfang führen", sagte DekaBank-Volkswirt Andreas Scheuerle. Die Unternehmen hätten bereits in der Finanzkrise alles getan, um Fachkräfte zu halten. Auch jetzt dürften sie sich nicht anders verhalten. Schließlich würden viele Unternehmen über einen Fachkräftemangel klagen. Es sei auch keine tiefe und lange Rezession zu erwarten.

yes/dapd/dpa-AFX



insgesamt 306 Beiträge
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Seite 1
http://eurobondzen.de 29.09.2011
1. Die Binnenkonjunktur wird bald einbrechen
Die Transferleistungen in die EU-NAchbarn im Rahmen der Rettungsschirme oder der geplanten Eurobonds haben Konsequenzen: Wir werden eine Abfluss an Massenkaufraft nach Griechenland & Co erleben, damit ein einbrechen der Binnenkonjunktur. Natürlich hat das auch Konsequenzen für den Arbeitsmarkt. Die Exportindustrie mag von den Rettungsaktionen profitieren - doch ws ist mit der die Binnenkonjunktur?
Andreas Rolfes 29.09.2011
2. Statistikerklärung
---Zitat--- Zudem ist die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen höher, als die Bundesagentur angibt: Rechnet man beispielsweise Erwerbslose in Beschäftigungsmaßnahmen und Ein-Euro-Jobber dazu, liegt die tatsächliche Unterbeschäftigung rund eine Million höher. ---Zitatende--- Immerhin schon mal ein Anfang in der Berichterstattung.
chmb 29.09.2011
3. Entgegen aller Logik
Aber ok. Wer ernsthaft meint da geht alles mich rechten Dingen zu, der hat es auch nicht anders verdient. Zumindest in der Schönigung von Statistiken hat unsere Regierung zumindest etwas Kompetenz.
neuroheaven 29.09.2011
4. ...
jaja bla bla schon bei der überschrift des artikels könnte ich im kreis springen...sagt doch alles nix aus. wenn man nur die zählt, die einen angemessen bezahlten vollzeitjob haben, der zeitlich nicht befristet ist, dann sieht die statistik nämlich ganz übel aus. es gibt in deutschland über 15mio menschen, die beruflich nicht adäquat versorgt sind. vote 4 abschafftung zeit- und leiharbeitsfirmen!
janne2109 29.09.2011
5. ..........
wer hat's möglich gemacht??
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