20-Jahres-Rekord bei Geschäftsklima Deutsche Wirtschaft feiert rasanten Aufschwung

Das hat es seit 20 Jahren nicht mehr gegeben: Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli um mehr als vier Punkte gestiegen. Die Stimmung in den Unternehmen verbessert sich drastisch - "die deutsche Wirtschaft ist wieder in Partylaune", sagt Institutschef Hans-Werner Sinn.
Monteur im Maschinenbau: Stimmung in der deutschen Wirtschaft stark verbessert

Monteur im Maschinenbau: Stimmung in der deutschen Wirtschaft stark verbessert

Foto: Jan Woitas/ dpa

Hamburg - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli deutlich verbessert: Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli von 101,8 Punkten auf 106,2 Punkte, teilte das Ifo-Institut am Freitag in München mit. Das ist der stärkste Zugewinn seit der Wiedervereinigung.

Volkswirte hatten eigentlich mit einem leichten Rückgang auf 101,6 Punkte gerechnet - doch sowohl die Lagebeurteilung als auch die Erwartungen hellten sich stark auf. "Die deutsche Wirtschaft ist wieder in Partylaune", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die deutsche Konjunktur hat sich in den vergangenen Monaten nach ersten Angaben nicht nur erholt, sondern unerwartet deutlich zugelegt. Die meisten Prognosen tendieren zwischen 1,5 und 2 Prozent - die Bundesrepublik befindet sich in einem überraschend starken Aufschwung, nach der tiefsten Rezession seit 1945. Dieser Trend schlägt sich nun auch in dem Stimmungswert des Ifo-Index nieder. Das monatlich unter rund 7000 Unternehmen erhobene Geschäftsklima ist das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft (siehe Kasten links).

Die Stimmung verbesserte sich in allen großen Branchen: in der Industrie, dem Einzelhandel, dem Bauhauptgewerbe und bei den Dienstleistern. Teile der Wirtschaft hätten von der Fußball-Weltmeisterschaft und der Hitzewelle profitiert, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger - vor allem die Getränkeindustrie und die Gaststätten: "Die deutsche Wirtschaft ist wieder stark und geht mit viel Schwung in den Sommer."

Allerdings gebe es im zweiten Halbjahr dämpfende Faktoren. Dazu gehörten die Sparpakete in Europa sowie eine voraussichtlich geringere Wachstumsdynamik in Asien und Südamerika. Nach der starken Erholung könne die Wirtschaft dies aber aushalten, sagte Abberger. Vor allem der Arbeitsmarkt sei weiter ein stabilisierendes Element. "Die Kurzarbeit war eine Brücke über das Tal." Jetzt laufe der Beschäftigungsabbau auch in der Industrie aus und es würden wieder Mitarbeiter eingestellt.

Ein Problem für viele Unternehmen seien die starken Wechselkursschwankungen des Euro. "Im Juli wurden die Exportchancen aber ähnlich optimistisch wie im Vormonat eingeschätzt."

"Unglaublich, was da abgeht"

An den Börsen sorgte der Ifo-Wert für Euphorie: Der Euro in Dollar   stieg nach Bekanntgabe der Daten über die Marke von 1,29 Dollar, der deutsche Leitindex Dax   setzte seinen Aufwärtstrend fort. "Das ist eine Wahnsinnszahl", sagte Commerzbank-Experte Ralph Solveen. "Das sind bombige Zahlen, unglaublich, was da abgeht", sagte auch Dekabank-Experte Andreas Scheuerle. "Diese ganz tollen Zahlen unterstreichen, dass die deutsche Konjunktur im Moment im europäischen Vergleich richtig gut läuft."

Skeptischer äußerten sich Volkswirte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): "Dieser Anstieg des Geschäftsklimas passt kaum in die Landschaft, die von Skepsis über die US-Konjunktur, Sorgen um die Staatsfinanzen im Euro-Raum und der Diskussion über den Bankenstresstest beherrscht wird", schreibt die LBBW in einer Studie. Erst die kommenden Monate würden zeigen, ob der Indexanstieg tatsächlich "einen Übergang von einer Erholung zum Aufschwung markiert hat".

Auch Dekabank-Experte Scheuerle warnt davor, dass der Aufschwung in den kommenden Monaten abflauen könnte: "Wir werden nicht in diesem Tempo weiterfahren können, dann würde der Motor heißlaufen", sagte er. "Die Konjunktur schaltet im zweiten Halbjahr einen Gang zurück, bricht aber nicht ein."

cte/dpa/Reuters
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