20 statt 14 Wochen Europa-Parlament stimmt für längeren Mutterschutz

Mehr Rechte für Arbeitnehmerinnen: Das EU-Parlament hat einen längeren Mutterschutz beschlossen. Die Mindestdauer soll von 14 auf 20 Wochen steigen. Allerdings müssen die Nationalstaaten noch zustimmen - was an einem Veto aus Deutschland scheitern könnte.
EU-Fahne: Neue soziale Rechte - oder hohe Kosten für die Unternehmen?

EU-Fahne: Neue soziale Rechte - oder hohe Kosten für die Unternehmen?

Foto: Valentina Petrova/ AP

Brüssel - 14, 18 oder 20 Wochen? In der Europäischen Union ist ein Streit über die Dauer des Mutterschutzes für Arbeitnehmerinnen ausgebrochen. Nun hat das EU-Parlament eine Entscheidung getroffen: Es will den Mutterschaftsurlaub stärker ausweiten als von der Brüsseler Kommission vorgeschlagen.

Die Abgeordneten stimmten am Mittwoch in Straßburg mehrheitlich dafür, die Mindestdauer des Mutterschutzes von bisher 14 auf 20 Wochen auszudehnen. Die Kommission hatte vor zwei Jahren eine Verlängerung auf 18 Wochen vorgeschlagen sowie ein Wahlrecht für Arbeitnehmerinnen, wie viel Schonzeit sie sich vor der Geburt gönnen wollen.

Über die Richtlinie muss allerdings noch mit den EU-Mitgliedstaaten verhandelt werden. Die Bundesregierung hat bereits angekündigt, nicht von der in Deutschland geltenden Dauer des Mutterschutzes von 14 Wochen abgehen zu wollen. Auch Großbritannien und Österreich sehen einen längeren Mutterschutz problematisch, weil er den Unternehmen zu hohe Kosten zumute.

Das EU-Parlament hingegen stellt sich voll und ganz auf die Seite junger Eltern. Es sprach sich außerdem dafür aus, während des Mutterschaftsurlaubs volle Lohnfortzahlung und Kündigungsschutz zu garantieren. Auch Väter sollen zwei Wochen von der Arbeit freigestellt werden unter Beibehaltung ihrer vollen Bezüge.

Deutsche Sozialdemokraten und Christdemokraten stimmten gegen den Vorstoß des Parlaments, die Grünen dafür. "Eine Verlängerung auf 20 Wochen würde Frauen am Arbeitsmarkt sehr stark benachteiligen", sagte die SPD-Abgeordnete Constanze Krehl. Der Grund: Die Firmen könnten gehemmt sein, überhaupt noch Frauen einzustellen. Außerdem würden die Sozialkassen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern mit bis zu 1,7 Milliarden Euro jährlich mehr belastet.

Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks kritisierte den längeren Mutterschutz. In Deutschland gebe es mit der Elternzeit schon ein gut funktionierendes Schutzsystem für Mütter und Väter, erklärte ZDH-Präsident Otto Kentzler.

wal/Reuters