Um 45 Milliarden Euro Deutschland baut Schuldenberg ab

Die Gesamtschulden von Bund, Städten und Gemeinden sind 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent gesunken. Sogar die Schuldengrenze des EU-Stabilitätspakts rückt wieder in Reichweite.

Der deutsche Staat hat seinen Schuldenberg weiter abgetragen. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte standen Ende September mit 1929,8 Milliarden Euro in der Kreide. Das waren 2,3 Prozent oder 45,0 Milliarden Euro weniger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Der Staat profitiert dabei von der guten Konjunktur mit steigender Beschäftigung, wodurch Steuer- und Beitragsaufkommen zulegen. Zudem entlasten niedrige Zinsen auf der Kostenseite.

Die Bundesbank rechnet damit, dass die Staatsverschuldung im zu Ende gehenden Jahr erstmals seit 2002 unter die Marke von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes sinken kann, die im EU-Stabilitätspakt als Obergrenze festgelegt ist.

"Alle Ebenen des Öffentlichen Gesamthaushalts haben Schulden abgebaut", betonten die Statistiker. Der Bund reduzierte sie um 1,4 Prozent auf 1226,3 Milliarden Euro, die Länder sogar um 3,4 Prozent auf 572 Milliarden Euro. "Bis auf Hamburg und Schleswig-Holstein haben alle Bundesländer ihre Schulden verringert", hieß es. "In beiden Ländern waren Kreditaufnahmen im Zusammenhang mit dem Komplex um die HSH Nordbank ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung." Den höchsten Rückgang meldete Sachsen mit 13,9 Prozent, gefolgt von Baden-Württemberg (-12,5) und Bayern (-11,4).

Der Schuldenstand der Gemeinden sank um 5,5 Prozent auf 131,1 Milliarden Euro. Besonders starke Rückgänge gab es in Mecklenburg-Vorpommern (-9,4 Prozent) und Sachsen (-8,9). Die Sozialversicherung war zum Ende des dritten Quartals mit 403 Millionen Euro verschuldet, was einem Rückgang von 7,3 Prozent entspricht. In der Statistik werden nur Verbindlichkeiten gegenüber dem nicht-öffentlichen Bereich geführt, wozu beispielsweise Kreditinstitute und private Unternehmen gehören.

mik/Reuters