600 Blinde auf einer Insel
Griechische Behörden überprüfen Sozialbetrug
Eine scheinbare Massenerblindung macht den griechischen Behörden zu schaffen: Mehr als 600 Bewohner einer griechischen Insel beziehen wegen einer angeblichen Behinderung staatliche Unterstützung. Es wäre nicht der erste Fall von Sozialbetrug im Krisenstaat.
Athen - Wer behindert ist, dem steht auch staatliche Unterstützung zu. Doch gleich 600 Inselbewohner, die seit ihrer Kindheit erblindet sein sollen? Dieser Fall hat Beamte des griechischen Gesundheitsministeriums stutzig gemacht.
Wie die Nachrichtenagentur AFP am Dienstag aus Regierungskreisen in Athen erfuhr, hat das Gesundheitsministerium eine Untersuchung auf dem nicht genannten Eiland im Ionischen Meer angeordnet. Mehr als zwei Prozent der Gesamtbevölkerung erhalten demnach die staatliche Unterstützung. "Wir wissen nicht, wie vielen von diesen Leuten die Leistungen tatsächlich zustehen", sagte ein Regierungsbeamter.
Die griechische Zeitung "Ethnos" berichtete, dass viele schon seit ihrer Kindheit staatliche Hilfen beziehen. Der Zeitung zufolge will die Regierung alle staatlichen Sozialprogramme auf ungerechtfertigte Zahlungen überprüfen. Es wäre nicht der erste Fall von ausgedehntem Sozialbetrug. Erst im Juni war bekannt geworden,
dass der Staat 4500 Rentnern jährlich insgesamt 16 Millionen Euro zahlte - obwohl die Empfänger schon längst verstorben waren. Die jährlichen Sozialleistungen des griechischen Staats betragen 6,4 Milliarden Euro.
Die Euro-Staaten hatten vor knapp zwei Wochen ein zweites, milliardenschweres Hilfspaket für
Griechenland abgesegnet, um den Krisenstaat vor der Pleite zu bewahren. Beide Pakete sind an strikte Sparmaßnahmen geknüpft.