750-Milliarden-Paket Euro-Euphorie verpufft an den Märkten

Der Kurs des Euro fällt, der Dax startet im Minus: Einen Tag nachdem die Börsen das Euro-Rettungspaket mit einem Kursfeuerwerk gefeiert haben, kehrt an den Börsen weltweit Ernüchterung ein. Analysten fürchten, dass die Schuldenländer ihre Haushalte nicht mit der notwendigen Härte sanieren.

Dax-Tafel in Frankfurt: Einen Tag nach den EU-Beschlüssen kehrt Ernüchterung ein
REUTERS

Dax-Tafel in Frankfurt: Einen Tag nach den EU-Beschlüssen kehrt Ernüchterung ein


Frankfurt am Main - Das Multi-Milliarden-Auffangpaket der Euroländer hat seine Wirkung nach nur einem Tag verloren. Der deutsche Aktienmarkt startete am Dienstag mit Verlusten - nachdem er tags zuvor noch euphorisch auf den EU-Beschluss vom Wochenende reagiert hatte. Der Leitindex Dax Chart zeigen verlor in der ersten Handelsstunde knapp ein Prozent. Auch die Nebenindizes starteten im Minus. Zuvor hatte bereits die Tokioter Börse mit einem Verlust des Leitindex Nikkei Chart zeigen von 1,1 Prozent geschlossen.

Dabei hatte die Woche an den Märkten nahezu perfekt begonnen, nachdem die EU-Finanzminister in der Nacht zu Montag einen Kreditrahmen von insgesamt 500 Milliarden Euro für klamme Mitgliedstaaten beschlossen hatten(siehe Kasten links). Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll noch einmal 250 Milliarden Euro beisteuern, während die Europäische Zentralbank (EZB) die Maßnahmen durch den Aufkauf von Staatsanleihen und Geldmarktoperationen flankieren soll. Ziel des Rettungsschirms ist es, den Druck auf den Euro Chart zeigenund die europäischen Finanzwerte zu mildern.

Doch der Aufwärtstrend war für den Euro nur von kurzer Dauer. Hatte die europäische Gemeinschaftswährung am Montagmittag noch die Marke von 1,30 Dollar zurückerobert, so verlor sie seitdem stetig. Am Dienstagvormittag kostete der Euro nur noch 1,2714 US-Dollar - und damit so wenig wie am vergangenen Freitag. Zwischendurch war er sogar auf 1,2681 Dollar gefallen.

Griechenland beantragt 20 Milliarden Euro bei EU und IWF

"Die Märkte sind nicht von dem Rettungspaket überzeugt", sagte ein Händler. Nach Ansicht von Kreditanalysten bestehen erhebliche Zweifel daran, ob die Länder nun die erforderlichen Haushaltskonsolidierungen mit der notwendigen Härte einleiten werden. Andere Börsianer verwiesen darauf, dass die Rating-Agentur Moody's am Vorabend angekündigt hatte, dass nach wie vor eine Abstufung Griechenlands und Portugals drohe.

Dass die Probleme trotz des 750 Milliarden Euro schweren Pakets geblieben sind, verdeutlichte am Dienstag eine Nachricht aus Athen: Die griechische Regierung kündigte an, bei der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) eine erste Tranche aus dem Hilfspaket beantragen. Zunächst soll es um 20 Milliarden Euro gehen, verlautete es aus dem Finanzministerium in Athen. Die Auszahlung müsse "sofort erfolgen, vielleicht schon innerhalb des Tages", hieß es.

Griechenland ist hoch verschuldet und hat nach der mehrfachen Abwertung seiner Kreditwürdigkeit Probleme, neues Geld an internationalen Finanzmärkten zu leihen. EU und IWF hatten Athen Kredite von bis zu 45 Milliarden Euro allein für dieses Jahr zugesagt, innerhalb von drei Jahren sollen bis zu 110 Milliarden Euro fließen können. Bei der ersten Auszahlung sollen laut Athen 14,5 Milliarden Euro von den Euro-Staaten kommen, 5,5 Milliarden Euro vom IWF.

EZB sieht keine größere Inflationsgefahr durch Kauf von Staatsanleihen

Unterdessen hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre aktuelle Kurspolitik verteidigt. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sagte, der Kauf von Staatsanleihen führe nicht unmittelbar zu höheren Ausgaben. Daher gebe es auch keine größere Gefahr einer Inflation in der Euro-Zone, sagte Österreichs Notenbankchef am Dienstag in einem Radiointerview mit dem ORF. "Die Inflation würde nur steigen, wenn wir die Geldmenge nicht unter Kontrolle hätten".

Die EZB habe weiterhin alle Instrumente, um eine Inflationsrate um durchschnittlich 1,9 Prozent zu gewährleisten. Nowotny zeigte sich vielmehr besorgt über die geringe Nachfrage in Europa. Die schwache Konjunktur und der drohende weitere Anstieg der bereits hohen Arbeitslosigkeit seien viel gefährlicher.

yes/Reuters/dpa

insgesamt 1580 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cosmo72 10.05.2010
1. Verzögerungsaktion
Das alles ist eine Verzögerungsaktion um vor dem Kollaps des Euro die Zwangskonsolidierung und Entmachtung der Nationalstaaten in der EU voranzutreiben! (http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/05/jetzt-ist-das-ende-des-euros-endgultig.html) Wir wurden verkauft und verraten - mit mehr Schulden kann eine Schuldenkrise nicht gelöst werden, das ist lediglich die Begründung für den Raub aller Ihre bisher gezahlten Renten und Sozialen Absicherungsgelder durch die Elite und deren gekaufte Politiker und Banker! Ihre Altersversorgung ist weg - und jetzt kommt noch Ihr derzeitiger Besitz dran! url=http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/05/jetzt-ist-das-ende-des-euros-endgultig.html Im Herbst/Winter haben USA und UK massig Schulden zu rollen, da wird es vermutlich eng werden... evtl wird noch China geopfert/angegriffen ... aber vermeidbar ist im Schuldgeldsystem nichts von dem was gerade geschieht! (http://video.google.com/videoplay?docid=-2537804408218048195#) Die EU also Brüssel will sich zu Ihrer Regierung aufschwingen und setzt das GG außer Kraft bzw macht es schlicht unfinanzierbar!
Thomas Kossatz 10.05.2010
2.
Zitat von sysopDie Europäische Union stellt zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds 750 Milliarden Euro für klamme Euro-Staaten zur Verfügung. Rettet das gigantische Hilfspaket die Gemeinschaftswährung?
Das Hilfspaket ist ein Element, es wird flankiert von weiteren Maßnahmen. Insbesondere wurde erheblich Zeit gewonnen, um in der Eu die Instrumente zu schaffen, die bei dieser Krise fehlten: - geordnetes Ausscheiden aus dem Euro-Raum - geordnete Insolvenz eines Staates - Eingriff in die Haushaltsouveränität (der Einsatz des IWF erscheint hier als Hilfskonstrukt) Ich möchte heute jedenfalls niemand sein, der gegen den Euro gewettet hat - wer beim Pokern erlebt, wie der Gegner "all in" geht, der wird nachdenklich. Mich würde nicht wundern, wenn technisch bedingt der Euro-Kurs jetzt nach oben hüpft. Um kein Geld zu verlieren, müssen die Zocker in den nächsten Tagen aussteigen. Mal sehen, wie sich das auswirkt.
zaphod1965 10.05.2010
3. Es ist wieder "in", Geld zu drucken
Die beschlossenen "Maßnahmen" lauf auf nichts weiter hinaus, als das Drucken von Geld. Nur eben jetzt nicht mehr auf nationaler, sondern auf europäischer Ebene. Warum wohl reagieren die globalen Finanzmärkte so entzückt? Weil zukünftig die gesamte Gemeinschaft der europäischen Steuerzahler für die Spekulationsgewinne der Finanzbranche aufkommen wird. Und dies auch noch über mehrere Generationen. Das "Rettungspaket" ist kein Befreiungsschlag, sondern die Kapitulation vor der Macht der Finanzmärkte. Außerdem wird es zu einer weiter rasant zunehmenden Verschuldung auch noch der reichsten EU-Länder führen. Der EZB bleibt dann nur noch eine hohe Inflationsrate, damit die Schulden überhaupt noch bezahlbar bleiben. Noch schlimmer: Einzelne, fiskalisch anständige Staaten werden jetzt endgültig und ohne weitere Einflussmöglichkeiten in den Sog der "Schuldenmacher"-Staaten gestoßen.
diplomkaufmann 10.05.2010
4. Euphorie ...
Zitat von sysopDie Europäische Union stellt zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds 750 Milliarden Euro für klamme Euro-Staaten zur Verfügung. Rettet das gigantische Hilfspaket die Gemeinschaftswährung?
... ist ein Zustand höchster Glückseligkeit kurz vor dem Exitus. Allerdings liegt SPON mit der Bezeichnung "Kursfeuerwerk" gar nicht so falsch. Wie das so ist mit Feuerwerken: Schön anzusehen, aber schnell wieder vorbei. Der Euro liegt schon wieder bei 1,28 Dollar, Tendenz fallend. Man kann nicht gegen den Markt agieren, nicht mal mit 750 Milliarden.
gue5003 10.05.2010
5. Rettung
Gut, dass wieder DAX und DOW steigen. Die Verluste von 2008 müssen doch endlich einmal aufgeholt werden !
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.