750-Milliarden-Paket Euro-Rettung löst globales Kursfeuerwerk aus

Erst Asien, dann Europa - und jetzt die USA: Weltweit bejubeln Börsianer den Rettungsplan für den Euro. Der Absturz der Gemeinschaftswährung scheint gestoppt, nach den Tiefständen der vergangenen Woche erholt sich der Kurs deutlich.


Frankfurt am Main - Das EU-Hilfspaket für Schuldenstaaten befeuert weltweit die Börsenkurse. Nach Asien und Europa reagierten auch die US-Märkte mit kräftigen Kursaufschlägen. Der Dow Jones Chart zeigen der Standardwerte ging mit einem Plus von 3,9 Prozent bei 10.785 Punkten aus dem Handel. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Chart zeigen stieg um 4,8 Prozent. Das waren die größten Tagesgewinne für die Indizes seit Ende März 2009.

"Der Markt sagt uns, dass das der richtige Schritt war", sagte US-Marktstratege Cantor Fitzgerald in San Francisco über das EU-Programm. "Die Größe der Kugel, die hier eingeschlagen ist, ist riesig."

Aufatmen auch in Frankfurt, Paris und London: Der Dax verzeichnete bis zum Handelsschluss einen Anstieg von 5,3 Prozent (6017 Punkte), bei den Finanzwerten gab es teilweise Rekord-Kursgewinne. Auch der Leitindex CAC 40 in Paris und der britische FTSE 100 Chart zeigen in London notieren deutlich im Plus. Der EuroStoxx 50 Chart zeigen, der die wichtigsten europäischen Titel enthält, schnellte fast zehn Prozent in die Höhe.

Die EU-Finanzminister hatten in der Nacht zu Montag einen Kreditrahmen von insgesamt 500 Milliarden Euro für klamme Mitgliedstaaten beschlossen (siehe Kasten links). Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll noch einmal 250 Milliarden Euro beisteuern, während die Europäische Zentralbank (EZB) die Maßnahmen durch den Aufkauf von Staatsanleihen und Geldmarktoperationen flankieren soll.

Deutschland soll von der Garantiesumme bis zu 123 Milliarden Euro übernehmen - entsprechend dem 28-Prozent-Anteil der Bundesrepublik an der Europäischen Zentralbank (EZB). Sollten klamme Euro-Länder, die selbst die neuen Hilfen brauchen, sich nicht an den Kreditgarantien beteiligen, könnten auf Deutschland in den nächsten drei Jahren höhere Lasten zukommen, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Genauere Angaben machte er nicht.

Bankenwerte profitieren

Ziel des Rettungsschirms ist es, den Druck auf den Euro Chart zeigen und die europäischen Finanzwerte zu mildern. Genau das scheint nun geglückt zu sein: Die Risikoaufschläge für Anleihen hoch verschuldeter südeuropäischer Staaten wie Griechenland und Portugal gingen stark zurück. Finanzgeschäfte, die auf eine Pleite dieser Staaten spekulieren, ebbten ab. Das als krisensicher geltende Gold Chart zeigen verbilligte sich um gut zwei Prozent.

Der Euro profitierte nur zeitweise von der Ankündigung des Rettungsschirms. Die Gemeinschaftswährung legte zum Mittag zunächst um rund drei Cent auf knapp 1,31 Dollar zu. Bis zum späten Nachmittag gab der Euro die Gewinne aber fast vollständig wieder ab.

Die Ölpreise erholten sich leicht. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juni kostete zuletzt 76,75 US-Dollar. Das waren 1,64 Dollar mehr als am Freitag. Öl der Nordseesorte Brent verteuerte sich um 1,88 Dollar auf 80,15 Dollar.

IWF-Chef Kahn: "Ein wirklich großer Schritt vorwärts"

In den Euro-Staaten wächst nun die Hoffnung auf eine nachhaltige Entspannung. Das Rettungspaket sei eine "sehr positive Einigung" und eine Antwort "an alle, die versuchen, die wirtschaftliche und finanzielle Lage der EU zu untergraben", sagte Spaniens Außenminister Miguel Angel Moratinos am Montag in Brüssel. Spanien führt turnusgemäß noch bis zum 30. Juni den Vorsitz der Europäischen Union.

Zuvor hatte bereits Kanzlerin Angela Merkel die Nothilfe gelobt. "Dieses Paket dient der Stärkung und dem Schutz unserer gemeinsamen Währung", sagte die CDU-Chefin. "Wir schützen das Geld der Menschen in Deutschland." Dieses Paket sei notwendig, weil es eine Attacke gegen den Euro gegeben habe. "Es ist einmalig in der Geschichte des Euro und der Europäischen Union."

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hob die Bedeutung des Gemeinschaftsakts hervor: "Was gestern von den Europäern getan wurde, ist wirklich ein großer Schritt vorwärts", sagte er in Basel. EU-Währungskommissar Olli Rehn bekräftigte seinen Plan, die Haushaltpolitik der EU-Mitgliedstaaten stärker unter die Kontrolle der Kommission zu stellen. "Es ist besser, eine Feuerwehr zu gründen, bevor ein Feuer ausbricht", sagte Rehn der finnischen Zeitung "Kauppalehti". Die Brüsseler Behörde soll nach Rehns Plänen die nationalen Haushalte im Vorfeld absegnen. Ansonsten werde die Währungsunion nie so funktionieren wie sie sollte, warnte der finnische EU-Kommissar.

Analysten kritisieren Wandlung der Währungsunion zur Transferunion

Grundsätzlich begrüßten Analysten das Paket als wirksamen und dringend notwendigen Schritt zur Stabilisierung. Zugleich gab es aber auch skeptische Stimmen: "Diese Maßnahmen verändern kurz- und mittelfristig die Spielregeln", betonte Dariusz Kowalczyk, Chef-Investmentstratege beim Vermögensberater SJS Markets.

Commerzbank-Volkswirt Jörg Krämer kritisierte, durch die Entscheidung der EU habe sich die Euro-Zone von einer durch den Maastricht-Vertrag charakterisierten Währungsunion zu einer Transferunion gewandelt.

Ähnlich urteilte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research: "Dies ist der Beginn einer 'Umverteilung-von-Einkommen'-Gesellschaft, welche erfolgreiche Volkswirtschaften der Region schwächt und die Volkswirtschaften stützt, die nicht in einer Position sind, die Konsequenzen aus dem Beitritt zur Europäischen Währungsunion zu tragen. Das wird das Wachstum in der gesamten Region auf längere Sicht schwächen."

ssu/dpa/Reuters

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cosmo72 10.05.2010
1. Verzögerungsaktion
Das alles ist eine Verzögerungsaktion um vor dem Kollaps des Euro die Zwangskonsolidierung und Entmachtung der Nationalstaaten in der EU voranzutreiben! (http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/05/jetzt-ist-das-ende-des-euros-endgultig.html) Wir wurden verkauft und verraten - mit mehr Schulden kann eine Schuldenkrise nicht gelöst werden, das ist lediglich die Begründung für den Raub aller Ihre bisher gezahlten Renten und Sozialen Absicherungsgelder durch die Elite und deren gekaufte Politiker und Banker! Ihre Altersversorgung ist weg - und jetzt kommt noch Ihr derzeitiger Besitz dran! url=http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/05/jetzt-ist-das-ende-des-euros-endgultig.html Im Herbst/Winter haben USA und UK massig Schulden zu rollen, da wird es vermutlich eng werden... evtl wird noch China geopfert/angegriffen ... aber vermeidbar ist im Schuldgeldsystem nichts von dem was gerade geschieht! (http://video.google.com/videoplay?docid=-2537804408218048195#) Die EU also Brüssel will sich zu Ihrer Regierung aufschwingen und setzt das GG außer Kraft bzw macht es schlicht unfinanzierbar!
Thomas Kossatz 10.05.2010
2.
Zitat von sysopDie Europäische Union stellt zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds 750 Milliarden Euro für klamme Euro-Staaten zur Verfügung. Rettet das gigantische Hilfspaket die Gemeinschaftswährung?
Das Hilfspaket ist ein Element, es wird flankiert von weiteren Maßnahmen. Insbesondere wurde erheblich Zeit gewonnen, um in der Eu die Instrumente zu schaffen, die bei dieser Krise fehlten: - geordnetes Ausscheiden aus dem Euro-Raum - geordnete Insolvenz eines Staates - Eingriff in die Haushaltsouveränität (der Einsatz des IWF erscheint hier als Hilfskonstrukt) Ich möchte heute jedenfalls niemand sein, der gegen den Euro gewettet hat - wer beim Pokern erlebt, wie der Gegner "all in" geht, der wird nachdenklich. Mich würde nicht wundern, wenn technisch bedingt der Euro-Kurs jetzt nach oben hüpft. Um kein Geld zu verlieren, müssen die Zocker in den nächsten Tagen aussteigen. Mal sehen, wie sich das auswirkt.
zaphod1965 10.05.2010
3. Es ist wieder "in", Geld zu drucken
Die beschlossenen "Maßnahmen" lauf auf nichts weiter hinaus, als das Drucken von Geld. Nur eben jetzt nicht mehr auf nationaler, sondern auf europäischer Ebene. Warum wohl reagieren die globalen Finanzmärkte so entzückt? Weil zukünftig die gesamte Gemeinschaft der europäischen Steuerzahler für die Spekulationsgewinne der Finanzbranche aufkommen wird. Und dies auch noch über mehrere Generationen. Das "Rettungspaket" ist kein Befreiungsschlag, sondern die Kapitulation vor der Macht der Finanzmärkte. Außerdem wird es zu einer weiter rasant zunehmenden Verschuldung auch noch der reichsten EU-Länder führen. Der EZB bleibt dann nur noch eine hohe Inflationsrate, damit die Schulden überhaupt noch bezahlbar bleiben. Noch schlimmer: Einzelne, fiskalisch anständige Staaten werden jetzt endgültig und ohne weitere Einflussmöglichkeiten in den Sog der "Schuldenmacher"-Staaten gestoßen.
diplomkaufmann 10.05.2010
4. Euphorie ...
Zitat von sysopDie Europäische Union stellt zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds 750 Milliarden Euro für klamme Euro-Staaten zur Verfügung. Rettet das gigantische Hilfspaket die Gemeinschaftswährung?
... ist ein Zustand höchster Glückseligkeit kurz vor dem Exitus. Allerdings liegt SPON mit der Bezeichnung "Kursfeuerwerk" gar nicht so falsch. Wie das so ist mit Feuerwerken: Schön anzusehen, aber schnell wieder vorbei. Der Euro liegt schon wieder bei 1,28 Dollar, Tendenz fallend. Man kann nicht gegen den Markt agieren, nicht mal mit 750 Milliarden.
gue5003 10.05.2010
5. Rettung
Gut, dass wieder DAX und DOW steigen. Die Verluste von 2008 müssen doch endlich einmal aufgeholt werden !
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