Hohe Gehälter Hollande macht Front gegen Manager

Der neue französische Präsident François Hollande will sein Wahlversprechen umsetzen und die Gehälter von Managern begrenzen. Bis Mitte Juni sollen entsprechende Pläne für Staatskonzerne fertig sein. Ein erster Konzernlenker bekam bereits zu spüren, dass ein neuer Wind weht.

Frankreichs Präsident François Hollande: Gehälter sollen begrenzt werden
AFP

Frankreichs Präsident François Hollande: Gehälter sollen begrenzt werden


Paris - François Hollande macht bei seinen Plänen zur Deckelung von Spitzengehältern Tempo. Finanzminister Pierre Moscovici kündigte an, bis Mitte Juni werde die Regierung ihre Pläne vorlegen. Sie will die Vergütung von Top-Verdienern bei staatlich kontrollierten Unternehmen begrenzen.

Hollande hatte im Wahlkampf angekündigt, er werde sicherstellen, dass die Bezahlung der am besten verdienenden Manager bei Staatskonzernen höchstens 20-mal so hoch ist wie die niedrigsten Gehälter. Betroffen von dem Schritt wären Unternehmen wie Areva oder der Energiekonzern EDF.

Dass unter Hollande ein anderer Wind weht, bekommt bereits der frühere Vorstandsvorsitzende der Fluggesellschaft Air France-KLM zu spüren. Denn die neue französische Regierung will eine Auszahlung von 400.000 Euro an Pierre Henry Gourgeon verhindern. Er war im Oktober zurückgetreten. Der Vorstand hatte der Zahlung als Entschädigung für die Nichteinhaltung seines Vertrags zugestimmt.

Regierung will offenbar ein starkes Signal setzen

Industrieminister Arnaud Montebourg erklärte nun, bei der Aktionärsversammlung am Donnerstag werde der Vertreter des französischen Staates gegen die Zahlung stimmen. Die Regierung hält 15,9 Prozent an der Fluggesellschaft und kann die Auszahlung allein nicht verhindern. Doch ein Nein wäre ein starkes Signal, dass Hollande wie versprochen hohe Managergehälter bekämpfen will.

Der Sozialist hatte im Wahlkampf auch mit der Forderung nach einer Reichensteuer versucht, Punkte bei Geringverdienern zu sammeln. Viele Franzosen zeigen sich unter dem Eindruck hoher Arbeitslosigkeit offen für eine höhere Belastung von Reichen. Sein Vorgänger Nicolas Sarkozy war unter anderem unbeliebt, weil ihm zu enge Kontakte zur wirtschaftlichen Elite des Landes nachgesagt wurden.

Hollande tauscht Chefs von Polizei und Geheimdienst aus

Nicht nur in der Wirtschaftspolitik macht Hollande Tempo. Er tauschte auch die Spitzen von Polizei und Geheimdienst aus, die seinem konservativen Vorgänger Sarkozy nahestanden. Sowohl Polizeichef Frédéric Péchenard als auch Inlandsgeheimdienstchef Bernard Squarcini müssten ihren Hut nehmen, teilte Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem mit. Auch der Pariser Polizeichef Michel Gaudin wird abgelöst.

Nachfolger Squarcinis wird Patrick Calvar, der zuletzt im Verteidigungsministerium als Geheimdienstbeauftragter für den Auslandsgeheimdienst DGSE zuständig war. Péchenard und Gaudin werden durch den Präfekten Claude Baland und den Direktor der Elitehochschule ENA, Bernard Boucault, ersetzt.

Hollande hatte sich gegen den Vorwurf gewehrt, er betreibe eine "Hexenjagd". Es gehe lediglich um die bereits angekündigte Ablösung von drei Männern, sagte der Präsident. "Ich möchte, dass die Polizei eine geachtete Einrichtung ist." Péchenard und Squarcini sollen an der Bespitzelung von Journalisten der Zeitung "Le Monde" beteiligt gewesen sein, die zu Parteispenden der Milliardärin Liliane Bettencourt recherchierten. Die Zeitung erstattete Anzeige und wirft Sarkozy vor, hinter der Spionageaktion zu stecken.

mmq/dapd/AFP



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Newspeak 30.05.2012
1. ...
Tja, man blickt neidisch über den Rhein. Die Franzosen konnten halt schon immer besser mit ihren "Eliten" aufräumen. Hoffentlich kann er dieses Tempo und diese Durchsetzungsfähigkeit beibehalten.
rainer_unsinn 30.05.2012
2. ...
Zitat von sysopAFPDer neue französische Präsident François Hollande will sein Wahlversprechen umsetzen und die Gehälter von Managern begrenzen. Bis Mitte Juni sollen entsprechende Pläne für Staatskonzerne fertig sein. Ein erster Konzernlenker bekam bereits zu spüren, dass ein neuer Wind weht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,836107,00.html
Wieder mal ne Mogelpackung. Für mich is Hollande damit eigentlich schon wieder unten durch. Warum kein allgemeines Gesetz das die bestbezahltesten 10 % eines Unternehmens nicht mehr als sagen wir 7 mal so viel verdienen dürfen wie die schlechtestbezahlten 10%? Das wäre mal ein Schritt der mein Vertrauen in die da oben wieder steigern würde. Dieses Gesetz wird einfach nur dazu führen das in 2 Jahren alle französischen Topmanager die für staatliche Unternehmen arbeiten 99 Nebentätigkeiten haben und die Kohle über solche Kanäle zugeschanzt bekommen die sie sonst direkt eingenommen hätten. Irgendwie regt diese Meldung ausnahmsweise sogar ein wenig auf weil sie mir klar macht für wie verblödet diese Finanzeliten uns Wähler eigentlich halten müssen.
n+1 30.05.2012
3. Oft werden
Zitat von sysopAFPDer neue französische Präsident François Hollande will sein Wahlversprechen umsetzen und die Gehälter von Managern begrenzen. Bis Mitte Juni sollen entsprechende Pläne für Staatskonzerne fertig sein. Ein erster Konzernlenker bekam bereits zu spüren, dass ein neuer Wind weht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,836107,00.html
ja allen Ernstes die Gehälter der Mänätscher mit denen der Minister verglichen. Dabei wird dann vergessen, dass die Firmen für ihre Mänätscher nur selbst verdientes Geld einsetzen. Eines haben die Konzernlenker der großen AGs aber mit den Regierungschefs gemeinsam - eine Aufgabe ohne jegliche Verantwortung. Auch bei vollständigem Scheitern gibt es sehr viel Geld. Verantwortung tragen die Geschäftsführer von mittelständischen GmbHs. Sie haften so ziemlich für alles, was die Phantasie hergibt. Und bekommen oft weniger als Minister oder Spitzenbeamte.
werner3 30.05.2012
4. Super-Idee
Zitat von sysopAFPDer neue französische Präsident François Hollande will sein Wahlversprechen umsetzen und die Gehälter von Managern begrenzen. Bis Mitte Juni sollen entsprechende Pläne für Staatskonzerne fertig sein. Ein erster Konzernlenker bekam bereits zu spüren, dass ein neuer Wind weht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,836107,00.html
Wenn man will geht alles, sagt ein altes Sprichwort. Das 20-fache des niedrigsten Lohns ist eine Superformel, die auch bei uns sofort begeisterte Zustimmung finden würde. Sie bedeutet 210.000 €/Jahr bei 5,00 €/Stunde Bezugsgröße und 40h-Woche. Somit würde eine Explosion der Niedrigstlöhne praktisch sofort eintreten, ohne daß es eines Mindeslohns noch bedarf. Die Tarifautonomie wäre gerettet und der Markt ebenfalls. Die FDP hätte kein Argument mehr. Unsere Gewerkschaftsfunktionäre sollten dieses Modell aufgreifen und fordern, es auf alle Bereiche anzuwenden.
seine-et-marnais 30.05.2012
5. Richtigstellung
Zitat von sysopAFPDer neue französische Präsident François Hollande will sein Wahlversprechen umsetzen und die Gehälter von Managern begrenzen. Bis Mitte Juni sollen entsprechende Pläne für Staatskonzerne fertig sein. Ein erster Konzernlenker bekam bereits zu spüren, dass ein neuer Wind weht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,836107,00.html
Wenn nun einige glauben ab Juli wird 'gedeckelt', so geht das nicht. Es kann hoechstens fuer alle kommenden Managervertraege diese Hoechstgrenze gelten. Eine Anwendung auf alle bestehenden Vertraege kann nicht vorgenommen werden da dies ansonsten angesehen wuerde wie ein 'Sozialplan (Massenentlassung) und die Betroffenen klagen koennten. Diese Grenze gilt jeoch nur fuer 'staatliche Unternehmen', und ob dann im Einzelfall in Verhandlungen wirklich diese Grenze eingehalten wird, oder umgangen wird, das steht auf einem anderen Blatt. Also, viel Laerm um Nichts.
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