Abgeblasenes Referendum So bändigten Merkel und Sarkozy die Griechen

Kein Geld mehr, raus aus dem Euro und aus der EU: Um ihren Hilfsplan für die Gemeinschaftswährung zu retten, drohten Deutschland und Frankreich den Griechen mit dem Äußersten. Die Abschreckung wirkte - das Referendum ist abgeblasen. Doch Merkels und Sarkozys Strategie ist riskant.
Merkel und Sarkozy in Cannes: Standpauke für die Griechen

Merkel und Sarkozy in Cannes: Standpauke für die Griechen

Foto: David Ramos/ Getty Images

Schon die Zahlenverhältnisse verhießen nichts Gutes für Griechenlands Top-Politiker: Der angeschlagene Ministerpräsident Georgios Papandreou und sein Finanzminister Evangelos Venizelos sahen sich mächtigen Krisenmanagern gegenüber. Gemeinsam bearbeiteten Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker, EU-Präsident Herman Van Rompuy und IWF-Chefin Christine Lagarde am Mittwochabend die beiden Griechen. Der Appell: Wie könnt ihr nur so verrückt sein, einen Volksentscheid über ein längst beschlossenes Hilfspaket anzukündigen?

Zwar versichern deutsche Delegationsvertreter, es sei "ein ruhiges und sachliches Gespräch unter Freunden" gewesen - auch habe niemand versucht, den Griechen das Referendum auszureden. Aber man habe klar gemacht, welche Auswirkungen der Volksentscheid haben könne. Keine 24 Stunden später war das Referendum abgeblasen.

Ähnlich verfuhr Merkel mit Silvio Berlusconi. Am Donnerstagvormittag knöpfte sie sich den italienischen Ministerpräsidenten vor und machte ihm deutlich, er solle sein geplantes Sparprogramm gefälligst forcieren. Prompt tauchte am Abend im Entwurf für das Abschlussdokument eine Zusage Italiens auf, bis 2013 nahe an einen ausgeglichenen Haushalt zu kommen.

Man mag darüber streiten, was im Fall Griechenland letztlich den Ausschlag gegeben hat: die Drohgebärden der Europäer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) oder der innenpolitische Druck in Griechenland. Fest steht: Merkel und Sarkozy können den griechischen Rückzieher als Erfolg ihrer Abschreckungsstrategie verbuchen.

Die Drohung könnte sich abnutzen

Um Papandreou zurechtzustutzen, hatten die Führer der Euro-Zone heftige Geschütze aufgefahren: Nicht nur die Hilfen aus dem ersten Griechenland-Hilfspaket von 2010 sollten mit sofortiger Wirkung gestoppt werden. Merkel und Sarkozy brachten auch ein Szenario ins Spiel, das sie bisher stets als unvorstellbar bezeichnet hatten: Den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone, ja sogar aus der EU. "Wir sind gewappnet", sagte Merkel. Und hochrangige Vertreter der Euro-Staaten ließen durchblicken, man rechne schon mal die Folgen einer Pleite Griechenlands durch.

So gut die Drohung fürs Erste wirkte: Sie wird den entstandenen Schaden wohl nicht wettmachen können. "Die globalen Finanzmärkte werden in höchster Unruhe bleiben, auch wenn Griechenland in der Euro-Zone bleiben sollte", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen Diplomaten in Cannes.

Hinzu kommt: Das Pleite-Szenario ist nun quasi eine offizielle Option. Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, wie die Investoren an den Finanzmärkten damit umgehen. Allzu oft lässt sich das Abschreckungsspiel jedenfalls nicht wiederholen.

Das weiß auch Merkel. Dennoch war die Kanzlerin auch am Donnerstag bemüht, den Druck auf Griechenland zu halten. "Für uns zählen Taten", sagte sie mit Blick auf die griechischen Beteuerungen, man wolle die gemachten Zusagen einhalten. "Ich kann die Taten noch nicht erkennen."

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