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30. Mai 2014, 14:25 Uhr

Diageo

Whisky-Hersteller warnt Schotten vor Unabhängigkeit

Der weltgrößte Hersteller von schottischem Whisky bangt um seine Pfründe. Diageo-Chef Menezes warnt: Sollten die Schotten für die Unabhängigkeit von Großbritannien stimmen, könnten sich plötzlich Handelsschranken für den wichtigsten Exportartikel des Landes aufrichten.

Edinburgh - Es geht ihm weniger um die Europäische Union als um die Möglichkeiten des freien Handels. Mit bemerkenswert offenen Worten hat Diageo-Chef Ivan Menezes für ein Votum gegen die schottische Unabhängigkeit von Großbritannien geworben. Die Schotten rief er auf, am 18. September gegen den Antrag der Nationalpartei SNP zu stimmen. "Es ist extrem wichtig, weiterhin Mitglied der Europäischen Union zu bleiben", sagte Menezes dem "Wall Street Journal".

Für sein Unternehmen sei die Entscheidung eine Frage des Überlebens, denn "anders als andere Geschäftszweige können wir Schottland nicht einfach verlassen". Zur Diageo-Gruppe gehören bekannte Scotch-Marken wie Johnnie Walker, J&B, Buchanan's, Talisker oder Lagavulin. Ein Viertel des Firmenumsatzes, knapp 19 Milliarden Dollar, entfällt auf den Verkauf von Whisky.

In Schottland hat am Freitag offiziell der 16-wöchige Wahlkampf für das Referendum begonnen. Umfragen zufolge gibt es bisher keine Mehrheit für die Abspaltung. 30 bis 40 Prozent wollen mit Ja stimmen, etwa ein Fünftel ist noch unentschieden. Menezes ist auch nicht der einzige prominente Wirtschaftsvertreter, der die Bestrebungen in Richtung Unabhängigkeit kritisiert. Auch für Schottlands Banker überwiegen die negativen Folgen klar. Ein schottisches Dorf hat gar erklärt, auch dann britisch bleiben zu wollen, wenn die Mehrheit dagegen stimmt.

Zum Start des Wahlkampfs sagte die schottische Parlamentssprecherin Tricia Marwick der BBC, unabhängig vom Ergebnis würden die Schotten nach dem Referendum wieder zusammenfinden und an einem Strang ziehen.

Treibende Kraft hinter der Kampagne für die Unabhängigkeit ist die in Edinburgh mit absoluter Mehrheit regierende Schottische Nationalpartei SNP mit ihrem Vorsitzenden, dem Regierungschef Alexander Salmond.

Über die Auswirkungen eines Austritts Schottlands wird in Großbritannien seit Monaten gestritten. Themen sind unter anderem Einnahmen aus dem Nordseeöl, die Zukunft der in Schottland stationierten britischen Atom-U-Boote, die künftige Währung Schottlands und die Mitgliedschaft in der EU.

mik/dpa

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