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Uli Hoeneß: Ein Leben für den FC Bayern

Foto: Johannes Simon/ Bongarts/Getty Images

Schweizer Konto Ex-Adidas-Chef soll Hoeneß Millionen zum Zocken geliehen haben

Uli Hoeneß wickelte über sein Schweizer Konto offenbar Zockergeschäfte ab. Zeitungsberichten zufolge soll Ex-Adidas-Chef Dreyfus Millionen auf das Konto eingezahlt haben - kurz bevor der Konzern mit zehn Prozent beim FC Bayern einstieg und seinen Ausrüstervertrag mit dem Sportclub verlängerte.

Hamburg - Im Fall Uli Hoeneß werden neue Details bekannt: Der langjährige Manager und Präsident des 1. FC Bayern München soll sein Schweizer Konto bei der Privatbank Vontobel für Spekulationsgeschäfte genutzt haben, berichten die "Süddeutsche Zeitung"  und die "Bild"-Zeitung  übereinstimmend. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob Hoeneß die Kapitalertragssteuer aus seinen Geschäften versteuert hat.

Den Berichten zufolge nutzte Hoeneß das Konto schon während des großen Börsenbooms um die Jahrtausendwende - einer Zeit, in der selbst Kleinsparer teils massiv spekulierten. Bei seinen Zockerabenteuern soll Hoeneß finanzielle Unterstützung von einem Freund erhalten haben, berichten die Zeitungen weiter.

Robert Louis-Dreyfus, damals Chef von Adidas  , habe im Jahr 2000 fünf Millionen Mark auf das Vontobel-Konto eingezahlt, heißt es in den Berichten. Laut "Süddeutscher Zeitung" soll der inzwischen verstorbene Dreyfus zudem für einen 15 Millionen Mark schweren Kredit des damaligen Bayern-Managers gebürgt haben.

Mit dem Geld, umgerechnet gut 10,2 Millionen Euro, habe Hoeneß an der Börse und anderswo spekuliert. Offenbar mit Erfolg: Laut "Bild"-Zeitung sollen am Ende 20 Millionen Euro auf dem Konto verbucht gewesen sein. Den Kredit und das Dreyfus-Darlehen habe der Bayern-Manager bald darauf zurückgezahlt, schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft München II laufen die Ermittlungen gegen Hoeneß derzeit nur wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Der Freundschaftsdienst des Ex-Adidas-Managers Dreyfus ist aber noch aus anderen Gründen brisant.

Zeitlicher Zusammenfall mit anderen Geschäften

Erstens verlängerte der Fußballclub bald darauf den Ausrüstervertrag mit Adidas um sieben Jahre. Zweitens beteiligte sich Adidas im September 2001 - nur ein Jahr, nachdem Dreyfus die fünf Millionen Mark an Hoeneß überwies - mit zehn Prozent am FC Bayern. Hoeneß gab Adidas bei dem Geschäft den Vorzug gegenüber mehreren anderen Unternehmen, darunter wohl auch Nike, dem Hauptkonkurrenten von Adidas.

Adidas zahlte für die Zehn-Prozent-Beteiligung 75 Millionen Euro. In Aktien. Branchenbeobachter hatten eine Bezahlung in bar erwartet. Andere Unternehmen hatten zudem mehr geboten, sagte Hoeneß selbst laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" am 19. September 2001. Er habe aber die Arbeit "mit einem deutschen Unternehmen" fortsetzen wollen.

Den Preis für die Beteiligung habe Adidas intern ohne Wirtschaftsprüfer ermittelt, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" seinerzeit. Marktteilnehmer schätzten ihn allerdings als relativ hoch ein. Hoeneß selbst hatte den Wert des FC Bayern kurz zuvor auf 1,5 Milliarden Euro bewertet. Die Aktien von Adidas verloren nach dem Deal zeitweise mehr als neun Prozent an Wert.

Bislang gibt es - abgesehen von der zeitlichen Nähe - keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Dreyfus' Darlehen an Hoeneß und der Adidas-Beteiligung am FC Bayern. Hoeneß hat sich zu den Berichten nicht geäußert, nannte seine Steuertricks einen "schweren Fehler".

ssu
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