Kampf im Ärmelkanal Muschelfischer einigen sich

Fischkutter die sich gegenseitig rammen, Steinwürfe und Beleidigungen: Der Streit im Ärmelkanal zwischen französischen und britischen Fischern soll beigelegt sein - zumindest zunächst.
Fischerboote in der Baie de Seine (Archiv)

Fischerboote in der Baie de Seine (Archiv)

Foto: Pascal Rossignol/ REUTERS

Im Konflikt um den Jakobsmuschel-Fang im Ärmelkanal haben sich die französischen und britischen Fischer geeinigt. Der bestehende Vertrag, wonach sich beide Seiten an eine Fangzeit von Oktober bis Mai halten müssen, werde "erneuert". Das teilten beide Regierungen am Mittwochabend mit. Er soll nun auch für kleinere britische Kutter gelten.

Jakobsmuschel-Fischer aus Frankreich und Großbritannien streiten sich um ein Gebiet in der Baie de Seine. Dabei kam es bereits zu Scharmützeln: In der vergangenen Woche hatten Dutzende französische Kutter britische Schiffe im Ärmelkanal abgedrängt.

Videoaufnahmen zeigten, wie sich die Kutter gegenseitig rammten, die Fischer beleidigten sich, es flogen Steine. Die französische Marine hielt sich bereits zum Eingreifen bereit, sollte es neue Probleme geben.

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Die Franzosen klagen über strenge Fangauflagen für die teuren Jakobsmuscheln, während die Briten in den internationalen Gewässern außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone derzeit keine Beschränkungen haben. Die normannischen Fischer dürfen die Delikatesse aus Naturschutzgründen nur zwischen dem 1. Oktober und dem 15. Mai fischen. Sie forderten das auch von den Briten.

Tatsächlich sieht ein bis 2017 geltender Vertrag vor, dass sich auch die Briten an den französischen Zeitplan halten, allerdings galt dies nur für Kutter ab einer Länge von 15 Metern. Das hatte zur Folge, dass die Briten in kleineren Schiffen kamen und sich die Franzosen folglich weigerten, den Vertrag in der Form für die Saison 2018 zu erneuern.

Endgültige Einigung noch offen

Nach langen Verhandlungen in London gelang am Mittwoch aber eine Einigung. "Wir haben die Vereinbarung von 2017 erneuert", sagte der Präsident des französischen Fischerei-Komitees, Gérard Romiti. Zusätzlich gebe es auch für kleinere Kutter eine "grundsätzliche Übereinstimmung". Im Gegenzug sollten die britischen Fischer Entschädigungen erhalten, deren Höhe noch festgelegt werde. Die Verhandlungen sollen am Freitag in Paris abgeschlossen werden.

Die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens bestätigten die Einigung in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Grundsatzvereinbarung für britische Kutter mit weniger als 15 Metern Länge solle in den Vertrag von 2017 einfließen, hieß es darin.

Für Pascal Coquet, Vertreter der französischen Fischerei-Industrie, ist die gefundene Einigung eine Win-win-Situation, er sprach vom "besten Ergebnis" für beide Seiten. Seinen Angaben zufolge gilt die Vereinbarung für die Fischfangsaison 2018 und 2019.

Der Industrievertreter der britischen Seite, Jim Portus, sprach hingegen nur von der diesjährigen Saison. Bis zu einer endgültigen Einigung seien nun die kleineren britischen Kutter aufgefordert, das Gebiet zu meiden. Zugleich signalisierte er, dass die britische Seite der endgültigen Vereinbarung nicht zustimmen werde, sollten die angekündigten Entschädigungen für die Fischer zu gering sein. Deren Einkünfte müssten "gesichert sein", sagte Portus.

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brt/dpa
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