Streit mit Kassen Ärzte lassen Honorarverhandlungen platzen

Der Streit um die Honorare eskaliert: Die niedergelassenen Ärzte haben die Verhandlungen mit den Kassen abgebrochen. Die Erhöhung um 270 Millionen Euro reicht den Medizinern nicht aus.

Ärzte: Der Ärger über das Honorarplus ist groß
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Ärzte: Der Ärger über das Honorarplus ist groß


Berlin - Die Spitzenvertreter der Ärzte haben die Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen überraschend abgebrochen. Damit wollen sie dem Ärger der Mediziner gegenüber dem GKV-Verband Ausdruck verleihen.

"Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind die Verhandlungen geplatzt", sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Andreas Köhler. Zunächst solle in kleiner Runde mit den Kassen informell die Lage geklärt werden, dann könne eventuell weiterverhandelt werden.

Bisheriger Verhandlungsstand ist eine Erhöhung des Honorars für die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten um 0,9 Prozent oder rund 270 Millionen Euro. Pro Arzt wären das 1800 Euro mehr. Dies hatte ein Schlichterspruch ergeben. Ihm hatten allerdings nur die Kassen und der Schlichter, der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem, zugestimmt. Die Ärzte hatten dagegen votiert. Sie fordern 3,5 Milliarden Euro mehr - ein Plus von rund elf Prozent.

Nach Ansicht der Ärzte würde die geplante Honorarerhöhung einen realen Einkommensverlust in Höhe von zehn Prozent bedeuten. Dadurch werde die Aufrechterhaltung der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung gefährdet, warnten sie. Zahlreiche Ärzteverbände hatten mit massiven Protesten und Praxisschließungen gedroht, sollte das Verhandlungsergebnis nicht nachgebessert werden.

Bahr nimmt Ärzte in Schutz

Die KBV will gegen den Beschluss am Montag Klage beim Sozialgericht Berlin-Brandenburg einreichen. Zunächst wurde am Donnerstag nur der Preis der ärztlichen Leistung festgelegt. Über die Menge sollte erst noch gesprochen werden. Das könnte das Honorarplus noch einmal deutlich steigern. Auch hier geht es um Hunderte Millionen Euro.

Gesundheitsminister Daniel Bahr nahm die Ärzte am Montag in Schutz. "Die Kassen haben mit ihren überzogenen Kürzungsforderungen den Unmut der Ärzte erzeugt", sagte Bahr der "Bild"-Zeitung. "Wenn es zu Praxisschließungen kommt, dann liegt die Verantwortung bei Ärzten und Kassen."

cte/dpa/AFP

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Seite 1
derweise 03.09.2012
1. Gewisse Gruppen
Zitat von sysopDPADer Streit um die Honorare eskaliert: Die niedergelassenen Ärzte haben die Verhandlungen mit den Kassen abgebrochen. Die Erhöhung um 270 Millionen Euro recht den Medizinern nicht aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,853571,00.html
Gewisse Gruppen (Ärzte, Lehrer) haben sich des demokratischen Staates bemächtigt, ähnlich wie Geistlichkeit und Adel des Feudalstaates. Das ist ein grosses Problem. Doch dieses Problem muss demokratisch und nicht mit der Guillotine gelöst werden!
MütterchenMüh 03.09.2012
2. Kohle genug
Zitat von sysopDPADer Streit um die Honorare eskaliert: Die niedergelassenen Ärzte haben die Verhandlungen mit den Kassen abgebrochen. Die Erhöhung um 270 Millionen Euro recht den Medizinern nicht aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,853571,00.html
Grundsätzlich wäre ein Streik der Ärzte eine Unverschämtheit. Bis auf die paar Landärzte, hinter denen sich nun alle anderen verstecken und jammern, gibt es keine zu bedauernden Ärzte. Und wenn ja, sollen die in´s Krankenhaus gehen, da werden sie gesucht. In den lezten Tagen war zu lesen, dass der Durchschnittshausarzt so zwischen 5000 und 5500 Euro netto am Monatsende überig hat. Ich glaube das ist für einen Hausarzt durchaus ausreichend.
MütterchenMüh 03.09.2012
3. mies mieser Kassenarzt
Zitat von sysopDPADer Streit um die Honorare eskaliert: Die niedergelassenen Ärzte haben die Verhandlungen mit den Kassen abgebrochen. Die Erhöhung um 270 Millionen Euro recht den Medizinern nicht aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,853571,00.html
Da die Jungs ja am Hungertuche nagen, sollten diese konsequenter ihre Kassenzulassung zurückgeben, und nicht den Patienten in Geiselhaft nehmen, dass ist ganz ganz mieser Stil.
amenophis 03.09.2012
4. Bahr wirft Kassen Knausrigkeit vor
Klar, die Ärzte sind ja auch FDP-Wähler und die Kassenmitglieder, die das bezahlen sind es nicht. Dieser Staat und seine sog. Leistungsträger sind verrottet!
mikestichel 03.09.2012
5. Dreistigkeit
Wie Dreist sind eigentlich die Hausärzte. Da bekommen Sie schon im Schnitt 140.000 Euro pro Jahr - nach Abzug aller Kosten für Ihre Praxen und dann reichen ihnen 1800 Euro Euro mehr pro Jahr nicht aus. Wer von den lieben Lesern hat denn 140.000 Euro im jahr für sich zur Verfügung? Ich als Krankenpfleger, die übering in den letzten 5 Jahren ein Gehaltsminus von 8 % hinnehmen musst, mit Sicherheit nicht. Da beklagt man, das die UFO streikt, obwohl es der Lufthansa wohl so schlecht geht. Und keine sagt den Ärzten, wie Frech und Unverschähmt solche Forderungen in anbetracht der Lage im Gesundheitswesen sind. Schähmt Euch! MfG Mike Strübing
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