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13. September 2012, 11:34 Uhr

Honorarstreit

Ärzte stimmen für Streik - Praxen sollen schließen

Der Streit über die Ärztehonorare eskaliert. Noch in diesem Monat wollen die Mediziner ihre Praxen zeitweise dichtmachen. Das hat eine Urabstimmung ergeben. Niedergelassene Ärzte verdienen im Schnitt je nach Fachrichtung 116.000 bis 264.000 Euro im Jahr.

Berlin - 130.000 niedergelassene Ärzte machen Ernst: Sie wollen mit Praxisschließungen und Warnstreiks gegen das aus ihrer Sicht zu magere Ergebnis der Honorarverhandlungen protestieren. Eine Urabstimmung brachte nach Angaben aus Kreisen der freien Ärzteverbände eine überwältigende Zustimmung zu den Protestmaßnahmen. Der Streik ist noch für September geplant.

In der Urabstimmung haben 75 Prozent der niedergelassenen Ärzte für zeitweilige Praxisschließungen votiert, sagte der Sprecher der Allianz Deutscher Ärzteverbände, Dirk Heinrich. Knapp die Hälfte der betroffenen Ärzte habe sich an der Abstimmung beteiligt. Das zeige "das hohe Protestpotenzial der Ärzteschaft", so Heinrich.

Den Patienten droht damit, dass ein großer Teil der knapp 90.000 Arztpraxen zeitweise geschlossen bleibt. Die Proteste der Ärzte richten sich gegen die gesetzlichen Krankenkassen.

Getragen werden die Proteste vor allem von Fachärzten. Die Hausärzte sind überwiegend zögerlich, weil viele von ihnen auf Hausarztverträge mit einzelnen Krankenkassen setzen. Viele Hausärzte, die nicht durch solche Verträge gebunden sind, hätten sich an der Ärztebefragung aber auch beteiligt und für Streiks gestimmt, hieß es.

Große Unterschiede bei den Honoraren

Nach dem aktuellen Schlichterspruch sollen die Ärzte ab 2013 gut 270 Millionen Euro mehr bekommen. Dazu kommen voraussichtlich noch einige hundert Millionen Euro durch noch ausstehende Beschlüsse. Der Erweiterte Bewertungsausschuss von Ärzten, Kassen sowie unabhängigen Sachverständigen kommt an diesem Samstag erneut zusammen. In diesem Gremium werden die Honorare ausgehandelt. Die Ärzte hatten ursprünglich 3,5 Milliarden Euro gefordert.

Bei den Einkommen der Kassenärzte gibt es große Unterschiede: Laut der jüngsten amtlichen Statistik lagen die Allgemeinmediziner mit einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 116.000 Euro am unteren Ende. Diese Erhebung des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2007 nennt die gesamten Einnahmen aus den gesetzlichen und privaten Kassen abzüglich der Aufwendungen in der Praxis, aber vor Steuern und Abgaben.

Spitzenreiter sind die Radiologen mit 264.000 Euro. Im Mittelfeld liegen etwa die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte (144.000 Euro), die Frauenärzte (145.000 Euro) und die Hautärzte (155 000 Euro).

cte/Reuters/dpa

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