Streik im September Ärzte drohen mit Praxisschließungen

Krankenkassen und Ärzte streiten ums Honorar. Die Forderung der Kassen, die Vergütung der Mediziner um sieben Prozent zu kürzen, hat die zehn größten Ärzteverbände alarmiert. Die Pläne seien "rechtswidrig". Sollten sie beschlossen werden, werde gestreikt - und zwar direkt ab September.

Streik im September: Ärzte empört über geplante Honorarkürzungen
dpa

Streik im September: Ärzte empört über geplante Honorarkürzungen


Hamburg - Im September droht einem Pressebericht zufolge ein flächendeckender Ärztestreik in Deutschland. Dies gehe aus einer gemeinsamen Erklärung von zehn großen Ärzteverbänden hervor, berichtete die "Bild am Sonntag". Hintergrund der Drohung der niedergelassen Ärzte seien die von den Gesetzlichen Krankenkassen geforderten Honorarkürzungen bei den Medizinern in Höhe von rund sieben Prozent. Die zehn Verbände vertreten den Angaben zufolge rund 120.000 Ärzte mit 60.000 Praxen.

"Den Verantwortlichen der Krankenkassen muss klar sein, dass die niedergelassenen Ärzte in Deutschland gemeinsam protestieren werden, sollten die rechtswidrigen Forderungen der Kassen Gehör finden", sagte Burkhardt Zwerenz vom Deutschen Hausärzteverband. "Und das bedeutet im Klartext, dass viele Praxen in Deutschland geschlossen sein werden." Das betreffe sowohl Fach- als auch Hausärzte.

Ärzte landeten wieder im Hamsterrad

Der Spitzenverband der Krankenkassen und der Kassenärztliche Bundesverband (KBV) verhandeln derzeit im Bewertungsausschuss über wichtige Veränderungen am Honorar für das Jahr 2013. Bis zum 31. August muss der neue Orientierungswert für das kommende Jahr festgesetzt werden. Können KBV und Kassen sich nicht einigen, entscheidet der Erweiterte Bewertungsausschuss, dem noch drei unabhängige Mitglieder angehören. Der Orientierungswert ist die Basis für die Preiskomponente bei der Vergütung vertragsärztlicher Leistungen. Bei der Anpassung sind unter anderem Investitions- und Betriebskosten, aber auch Wirtschaftlichkeitsreserven zu berücksichtigen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zeigte sich empört über die von den Krankenkassen angestrebten Honorarkürzungen. Das Wunschergebnis des GKV-Spitzenverbands bei den anstehenden Honorarverhandlungen würde die Ärzte "in alte Hamsterradverhältnisse zurückwerfen", hatte der KBV-Sprecher Roland Stahl erklärt.

Die aktuelle Erklärung der Ärzteverbände unterzeichneten der Zeitung zufolge der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI), der Berufsverband der Frauenärzte (BvF), der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), der Deutsche Hausärzteverband, der Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN), der Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN), der Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP), der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA), der Bundesverband der Pneumologen (BdP) und der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK).

nik/AFP/dapd



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orlando.furioso 26.08.2012
1. Hauptproblem!
Zitat von sysopdpaKrankenkassen und Ärzte streiten ums Honorar. Die Forderung der Kassen, die Vergütung der Mediziner um sieben Prozent zu kürzen, hat die zehn größten Ärzteverbände alarmiert. Die Pläne seien "rechtswidrig". Sollten sie beschlossen werden, werde gestreikt - und zwar direkt ab September. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,852158,00.html
Das Hauptproblem ist doch dass man mit diesen grotesken und lächerlich Maßnahmen das "absurde und korrupte" Kassensystem nicht verändern wird. Natürlich gibt es Ärzte, die damit sehr sehr gut verdienen, ich denke hier insbesondere an operativ tätige Orthopäden, Internisten, die Dialyse oder Herzkatheter durchführen oder Radiologen und NATÜRLICH im Klinik-Bereich die gesammelten privaten Großkonzerne, bei denen Ärzte ein Leistungsprämie für überwiegend vollständig unnötige Operationen, wie insbesondere Knie-TEPS oder Wirbelsäulen-Ops bekommen. Die Masse der niedergelassenen Ärzte kommt mit absurden 14 bis 18 Euro Regelleistungsvolumen ganz sicherlich nicht MEHR zurecht und MUSS Patienten mit z.B. Igel-Leistungen oder vollständig unnötige Ops abzocken, um überhaupt über die Runden zu kommen, regelrecht und regelmäßig abzocken. Und die privaten Klinikkonzerne schreiben urplötzlich massive Gewinne wie die kommunalen Träger noch Verluste einfuhren.... Leidtragend sind am Ende eh wieder nur der Patienten, die sich zum einen regelmäßig verarschen lassen muss oder alternativ vollständig unnötig körperverletzen.... Es ist allerdings ein Witz, dass die einigermaßen ehrlichen und anständigen Ärzte, von denen es allerdings nicht mehr allzuviele gibt, mit den korrputen zusammen streiken sollen, noch viel absurder gehts eigentlich nicht mehr!
naklar? 26.08.2012
2. Arzt oder Apotheker möchte ich sein ...
Solche Luxusprobleme haben kleine Handwerksmeister und Facharbeiter schon lange nicht mehr. Beispiel Opel: Ganz rein theoretisch 4% plus X Lohnerhöhung für 2012 in der Branche. JA_ABER; Wie würde die Regierung sagen: Mehr Netto vom Brutto!!! Auf der einen Seite diejenigen, welche knallhart der globalisierten Welt zum Fraß vorgeworfen wurden. Auf der anderen Seite die Bediensteten von Stadt, Land und Bund plus Ärzte, Apotheker und Rechtsanwälte. Es leben die festen und gemütlichen Einkommen.
gepro 26.08.2012
3. Verteilungsfrage
Zitat von sysopdpaKrankenkassen und Ärzte streiten ums Honorar. Die Forderung der Kassen, die Vergütung der Mediziner um sieben Prozent zu kürzen, hat die zehn größten Ärzteverbände alarmiert. Die Pläne seien "rechtswidrig". Sollten sie beschlossen werden, werde gestreikt - und zwar direkt ab September. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,852158,00.html
Wenn das Geld nicht für dubiose Hilfsmaßnahmen verschwendet wird, ist auch genug Geld für unsere Gesundheit da. Aber vermutlich sind die Banker, Millionäre und der übrige Unrat froh, wenn vom Fußvolk nicht zu viele überleben....
Altesocke 26.08.2012
4. optional
Na, dann hoffen wir mal drauf, das keiner der Doktores Private in die Praxis lassen will, aber Gesetzliche bestreikt!
LDaniel 26.08.2012
5. Bitte
Zitat von naklar?Solche Luxusprobleme haben kleine Handwerksmeister und Facharbeiter schon lange nicht mehr. Beispiel Opel: Ganz rein theoretisch 4% plus X Lohnerhöhung für 2012 in der Branche. JA_ABER; Wie würde die Regierung sagen: Mehr Netto vom Brutto!!! Auf der einen Seite diejenigen, welche knallhart der globalisierten Welt zum Fraß vorgeworfen wurden. Auf der anderen Seite die Bediensteten von Stadt, Land und Bund plus Ärzte, Apotheker und Rechtsanwälte. Es leben die festen und gemütlichen Einkommen.
Bitte. Dann machen sie ein 6jähriges Studium plus 4-6 Jahre Facharztausbildung und lassen sich nieder. Dann kämpfen Sie mit den Krankenkassen um Regresse, sobald Sie anfangen die Patienten vernünftig und nicht billig zu behandeln. Sprich, sie zahlen der Kasse eine Strafe ohne selber mehr verdient zu haben. Richten Sie sich zusätzlich auf eine mind. 60h Woche ein wo sie auch gerne Samstag und Sonntags mal länger arbeiten. Zur Selbststädigkeit: - Alles was da noch selbstständig ist, ist das Risiko, dass Sie tragen. Nicht wundern, wenn irgendwann die Ärzte ihre Kassenzulassung zurück geben und nurnoch Privat/Selbstzahler behandeln. Ewig werden die Gängeleien der Kassen nicht ertragen... .
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