Affront gegen Familienministerin Dax-Konzerne bremsen Frauenquote aus

Deutschlands Großkonzerne verschleppen laut einem Zeitungsbericht die Einführung von Frauenquoten. Zu einem für Montag geplanten Spitzentreffen mit der Politik wollen die Unternehmen nur unkonkrete Zusagen mitbringen.
Ministerinnen Schröder (l.) und Von der Leyen: Kampf um die richtige Quote

Ministerinnen Schröder (l.) und Von der Leyen: Kampf um die richtige Quote

Foto: REUTERS

Berlin - Unmittelbar vor dem wichtigen Gipfel zur Einführung von Frauenquoten in deutschen Großkonzernen zeichnet sich ein für die Politik enttäuschendes Ergebnis ab. Entgegen den Forderungen von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hätten die beteiligten Unternehmen keine konkreten Ziele und keinen Zeitplan für eine Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten festgelegt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Das Blatt beruft sich unter anderem auf eine Übersicht der Konzerne zur Vorbereitung der Gespräche zwischen der Bundesregierung und den Personal-Chefs von Dax-Unternehmen, die am kommenden Montag stattfinden sollen.

Die Übersicht zeige, dass die meisten Unternehmen 20 bis 30 Prozent der Stellen im oberen Management mit Frauen besetzen wollten, berichtete die Zeitung. Sie setzten sich dafür allerdings sehr unterschiedliche Fristen: Allianz   , Bayer  , Commerzbank   und Deutschen Telekom   wollen die 30 Prozent bereits Ende 2015 erreicht haben.

Andere Unternehmen wie BMW   oder Daimler   wollten sich dagegen fünf Jahre Zeit lassen und strebten lediglich eine Frauenquote von 20 Prozent oder weniger an. Beim Gesundheitskonzern Fresenius Medical Care   heiße es: Es werde weiter "die Qualifikation und nicht das Geschlecht oder sonstige Persönlichkeitsmerkmale für die Personalauswahl entscheidend sein".

Die enttäuschenden Zielvorgaben dürften den regierungsinternen Streit zwischen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und Familienministerin Kristina Schröder (beide CDU) weiter anheizen. Von der Leyen pocht auf eine gesetzliche Frauenquote, weil alle Selbstverpflichtungen bisher wirkungslos gewesen seien. Die weichen Verlautbarungen der Konzerne dürften sie in ihrer Meinung bestärken.

Schröder dagegen will die Unternehmen per Gesetz lediglich dazu verpflichten, sich selbst eine Zielquote zu setzen. So will sie den Firmen die Möglichkeit geben, flexibel auf branchenspezifische Besonderheiten zu reagieren. In der "Wirtschaftswoche" kündigte die Ministerin an, sie wolle noch in diesem Jahr ein Gesetz zur sogenannten "Flexi-Quote" auf den Weg bringen.

Zusätzlich erschwert wird die Diskussion, weil es innerhalb der Bundesregierung noch eine dritte Meinung gibt: Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), der ebenfalls an dem Spitzentreffen am Montag teilnimmt, lehnt auch Schröders Felxi-Quote ab und pocht auf einer reinen Selbstverpflichten. "Es kann ja auch heute schon jeder freiwillig sagen, welche Quote er erreichen und erfüllen will, und daran gemessen werden"; sagte Rösler der "Wirtschaftswoche".

stk/Reuters
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