Griechischer Ministerpräsident Tsipras "Schäuble spielt mit dem Feuer"

Im Sommer muss Griechenland sieben Milliarden Euro zurückzahlen, braucht dafür aber neue Kredite. Premier Tsipras wehrt sich nun gegen Vorwürfe aus Deutschland - die Kanzlerin solle ihren Finanzminister zur Ordnung rufen.

Ministerpräsident Tsipras
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Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras hat den Internationalen Währungsfonds IWF und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gewarnt, in der griechischen Schuldenkrise nicht länger "mit dem Feuer zu spielen". Bei der Eröffnung eines Parteitags seiner linksgerichteten Syriza sagte Tsipras am Samstag, die Positionen Schäubles und des IWF seien für die derzeitige Blockade in den Verhandlungen zwischen Athen und seinen Gläubigern verantwortlich.

Tsipras forderte von Angela Merkel, sie solle Schäuble zur Ordnung rufen. "Ich möchte die Kanzlerin bitten, die abfälligen Äußerungen von Finanzminister Schäuble gegen Griechenland sowie Verweise, die Griechen lebten über ihre Verhältnisse, zu unterbinden", sagte Tsipras.

"Wer mit einer 'Eurozone der zwei Geschwindigkeiten' spielt, mit Spaltung und Teilung, der spielt mit dem Feuer", sagte der Regierungschef weiter. Er könne sich nicht vorstellen, dass es im Sinne der (deutschen) Regierung sei, Brandstifter mit Streichhölzern in ein Munitionslager zu schicken.

Schäuble hatte Griechenland zuletzt erneut vorgeworfen, Reformen zu verschleppen. "Ich weiß nicht, was die griechische Regierung sich dabei denkt, dass sie bis jetzt nicht das getan hat, wozu sie sich so oft verpflichtet hat", sagte Schäuble etwa Ende Januar bei einem Treffen der Eurofinanzminister. Schäuble hatte Athen auch vorgeworfen, sich einen höheren Lebensstandard zu leisten, als das Land selbst erwirtschaften könne. Ohne weitere Reformen "können sie nicht in der Währungsunion bleiben", so Schäuble.

Griechenland ist weiter von einer Pleite bedroht. In zähen Verhandlungen ringt die Regierung mit ihren internationalen Gläubigern um das laufende Spar- und Reformprogramm. Nach einem Sondertreffen der Geldgeber mit dem griechischen Finanzminister hatte Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem am Freitagabend zwar von "erheblichen Fortschritten" gesprochen, die den Weg für weitere Hilfszahlungen freimachen könnten. Tsipras sprach am Samstag jedoch nicht nur Schäuble, sondern auch dem Internationalen Währungsfonds (IWF) die Bereitschaft zur Lösungsfindung ab.

Im Sommer stehen für Athen Schuldenrückzahlungen von sieben Milliarden Euro an. Diese können nur beglichen werden, wenn aus dem 86-Milliarden-Euro-Hilfsprogramm weitere Zahlungen freigegeben werden. Dafür müsste es aber bei den seit Monaten festgefahrenen Verhandlungen der internationalen Geber über die Bewertung der griechischen Schuldenkrise und Reformbemühungen einen Durchbruch geben.

beb/AFP/dpa



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curiosus_ 11.02.2017
1. Dass...
---Zitat von Alexis Tsipras--- "Ich möchte die Kanzlerin bitten, die abfälligen Äußerungen von Finanzminister Schäuble gegen Griechenland sowie Verweise, die Griechen lebten über ihre Verhältnisse, zu unterbinden" ---Zitatende--- ...dem so ist ist doch maximal unbestreitbar. Wenn ich Schulden habe und die nicht mehr bedienen kann lebe ich über meine (finanzielle) Verhältnisse. Was denn sonst? Und die Griechen können Ihre Schulden nur noch bedienen weil sie x Rettungspakete bekommen haben und nahezu keine Zinsen zahlen. Müssten Sie sich über den freien Markt finanzieren wäre augenblicklich Schicht im Schacht. Herr Tsipras, derart offensichtliches zu leugnen - das haut dem Fass den Boden aus. Darauf kann auch nur ein Politiker kommen.
pd1954 11.02.2017
2. Es wurd sich nicht ändern
Griechenland bleibt Griechenland - Über seine Verhältnisse leben, viel versprechen und wenig halten oder gar leisten - die EU oder andere werden schon bezahlen... Genau deswegen braucht es eine andere EU - ohne Griechenland ! Wir sollten das endlich akzeptieren und aufhören weiterhin Geld in dieses Fass ohne Boden zu pumpen!
TGMDFSAOCH 11.02.2017
3. Die brandstifter Europas
Genug ist genug: Den Unsinn und lügen von Schäuble über Griechenland kann kein Mensch mehr hören. Seine Chefin ist zu schwach Ihn zu stoppen , die Gesellschaft nicht willig und bereit Europa zu verstehen und er wird bis Ende der Legislaturperiode jeden Tag so weitermachen und jeden Tag was neues aus seine Kiste . Seiner Geltungsbedürfnis kennt keine Grenzen. : In sechs Monaten ist Gott sei dank alles vorbei : Grexit vielleicht auch und dann auch Euro weg und DM rein .
Neapolitaner 11.02.2017
4. Der Gläubiger geht davon aus, dass
...der Schuldner zahlt. Der Schuldner sollte auch davon ausgehen, dass er zahlt. Daran hapert es bei Griechenland. Es ist egal, ob es dabei um "Können" oder "Wollen" geht. Auf Dauer ist der jetzige Zustand nicht (er)tragbar und muss beendet werden. Was aber das "Können" anbetrifft: Griechenland könnte seinen Gläubigern enorm entgegen kommen, wenn es einen Teil des Fluchtkapitals (Beträge im dreistelligen Milliardenbereich) einsammelt. Das liegt u.a. auf Schweizer Konten. Damit wäre Griechenland sogar wieder solvent. Womit wir beim "Wollen" angekommen sind.
coxeroni 11.02.2017
5.
Es ist wirklich eine Schande und ein Armutszeugnis gegenüber den deutschen Steuerzahlern, dass sich Schäuble von dem griechischen Sozi mit dem Nasenring durch die Arena schleifen lässt. Schäuble mag zwar die harte Linie spielen, er weiß jedoch dass er und die Regierung voll erpressbar ist (Stichwort Target2 und Bürgschaften). Es bleibt zu hoffen, dass die Bombe noch rechtzeitig vor der Bundestagswahl platzt.
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