Risiko Jobverlust Alleinerziehende Frauen sind häufig überschuldet

Wer weiblich und alleinerziehend ist, hat ein erhöhtes Risiko, sich zu überschulden: Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Bei Männern sind es vor allem Singles, die ihre Kreditlinie überreizen.
Frau mit Kinderwagen: Alleinerziehende überproportional betroffen

Frau mit Kinderwagen: Alleinerziehende überproportional betroffen

Foto: DPA

Hamburg - Alleinerziehende Frauen und alleinstehende Männer sind besonders häufig von hohen Schulden betroffen. 14 Prozent der Verbraucher, die im vergangenen Jahr eine Schuldnerberatungsstelle aufsuchten, waren alleinerziehende Frauen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte. Diese Zahl ist doppelt so hoch wie der Anteil dieser Frauen an der Gesellschaft.

Die Daten passen zu einer kürzlich veröffentlichten Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Diese ergab, dass Alleinerziehende besonders oft ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken müssen.

Ebenfalls überproportional überschuldet ist nach Angaben der Statistiker der Anteil alleinlebender Männer. Vergleichsweise selten sind laut Statistik hingegen kinderlose Paare betroffen: Sie machten 16 Prozent der überschuldeten Menschen aus, obwohl ihr Anteil an der Gesellschaft doppelt so hoch ist.

Hauptauslöser von Überschuldung ist laut Statistik - wie schon in den Vorjahren - der Verlust des Arbeitsplatzes. Dies ist demnach bei gut einem Viertel (26 Prozent) die Ursache. Weitere Gründe sind Trennung, Scheidung sowie der Tod des Partners oder der Partnerin (zusammen 14 Prozent) oder eine Erkrankung, Sucht oder ein Unfall (zusammen 13 Prozent). Etwas seltener führte eine unwirtschaftliche Haushaltsführung zu Überschuldung (zwölf Prozent), noch seltener eine gescheiterte Selbständigkeit (acht Prozent).

Durchschnittlich 34.000 Euro Schulden

Personen, die im vergangenen Jahr Unterstützung bei einer Schuldnerberatungsstelle suchten, hatten zu Beginn der Beratung durchschnittlich fast 34.000 Euro Schulden. Bei vielen Personen führten bereits geringere Schuldenhöhen zu großen finanziellen Schwierigkeiten. Zehn Prozent der beratenen Personen hatten Schulden von gut 2100 Euro. Bei der Hälfte der Beratenen waren die Schulden nicht höher als rund 14.300 Euro.

Auffällig waren die verhältnismäßig hohen Schulden junger Menschen gegenüber Telefongesellschaften. Unter 25-jährige Schuldner hatten durchschnittlich mehr als 1400 Euro Schulden gegenüber dieser Gläubigergruppe, das waren 19 Prozent ihrer gesamten Verbindlichkeiten. Im Durchschnitt aller beratenen Personen betrug der Anteil der Schulden gegenüber Telefongesellschaften nur drei Prozent.

yes/AFP
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