Alter Leitzins, neue Investitionen Fed will US-Konjunktur auf die Sprünge helfen

Angesichts der schleppenden Konjunkturerholung greift die US-Notenbank zu weiteren Stützungsmaßnahmen: Frei werdende Gelder sollen in Staatsanleihen gesteckt werden. Die Fed bestätigte zudem, dass der Leitzins auf dem historischen Tiefstand nahe null Prozent bleibt.

Händler an der wichtigen CBOE-Börse in Chicago: Warten auf den Fed-Entscheid
AFP

Händler an der wichtigen CBOE-Börse in Chicago: Warten auf den Fed-Entscheid


Washington - Es ist ein eher kleines, aber psychologisch wichtiges Manöver, mit dem die US-Notenbank auf die Verlangsamung der Konjunkturerholung reagiert: Der Umfang der bisherigen Unterstützung in den Vereinigten Staaten werde nicht wie geplant zurückgefahren, teilte die Federal Reserve (Fed) nach einer Sitzung ihres Offenmarktausschusses am Dienstag mit.

Ihren Leitzins beließen die Notenbanker um Fed-Chef Ben Bernanke wie erwartet bei 0 bis 0,25 Prozent. Zudem wurde eine neue Maßnahme angekündigt: Geld, das durch die Fälligkeit bereits gekaufter Wertpapiere wieder flüssig wird, soll reinvestiert und damit neue Staatsanleihen erworben werden.

Im Klartext heißt dies, dass hypothekenbesicherte Anleihen und Papiere der staatlichen Hypothekenfinanzierer, die zur Stützung des taumelnden Häusermarktes erworben wurden, bei Fälligkeit von der Notenbank durch Staatspapiere ersetzt werden. Dadurch bleibt der Umfang der Hilfen für die Wirtschaft auf dem Papier zwar gleich, jedoch verschiebt sich die Gewichtung weg vom Immobilienmarkt hin zur allgemeinen Belebung der Konjunktur per Notenpresse.

Die Erholung der US-Wirtschaft von der schwersten Krise seit vielen Jahrzehnten war zuletzt ins Stocken geraten. Entsprechend positiv fiel die Reaktion der Börsen auf den von vielen Experten erhofften, aber dann doch überraschenden Schritt der Fed vom Dienstag aus. An der Wall Street drehte der Dow Jones-Index zumindest kurzzeitig ins Plus. Am Anleihemarkt zogen die Kurse kräftig an, während es am Devisenmarkt für den Dollar zu wichtigen Weltwährungen abwärts ging. Ungeachtet der Fed-Ankündigung schloss die Wall Street im Minus.

Erholung nicht in Sicht

Die Notenbanker bekräftigten erneut, dass der Leitzins "noch für einen längeren Zeittraum extrem niedrig" bleiben soll. Im Begleitkommentar zum Beschluss hieß es, die Erholung der Wirtschaft habe sich in jüngster Zeit stärker als erwartet verlangsamt und der kurzfristige Ausblick habe sich stärker als erwartet eingetrübt. Probleme gibt es in den USA beispielsweise nach wie vor am Arbeitsmarkt. Erst im Juni waren erneut 131.000 Jobs weggefallen.

Wie am Dienstag bekannt wurde, sank zudem die Produktivität im zweiten Quartal erstmals seit eineinhalb Jahren wieder. Das zweiten Quartal stand in den USA ohnehin unter keinem guten Stern. Das Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt verlangsamte sich in diesem Zeitraum wieder und ereichte nur noch ein Plus von 2,4 Prozent nach 3,7 Prozent in den ersten drei Monaten 2010.

Experten äußerten sich in ersten Reaktionen zufrieden mit dem vorsichtigen Gegensteuern der Zentralbank. "Wir sehen, dass die Fed nicht so sehr in Panik ist, wie der Markt denkt, aber sie wollen auch nicht, dass ihre Bilanz abnimmt und deshalb investieren sie frei werdenden Mittel in Staatsanleihen", sagte Anleihespezialist Ward McCarthy von Jeffries & Co. Auch Gary Thayer von Wells Fargo kann der Aktion einiges abgewinnen: "Der Aktienmarkt mag es anscheinend. Indem sie die Hypothekenpapiere nicht verfallen lassen, sondern das Geld weiter verwenden, bestätigen sie den Kurs und behalten den Grad der Unterstützung bei."

Erstmals bei Wertpapieren nachgekauft

Die Fed hatte wie viele Notenbanken in aller Welt auch auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise ihren Leitzins kräftig gesenkt und zudem massiv Wertpapiere angekauft um zusätzlich Geld in das Finanzsystem, den Immobilienmarkt und die Wirtschaft zu pumpen: insgesamt für rund 1,7 Billionen Dollar. Da die Laufzeit dieser Papiere sukzessive zu Ende geht, nimmt diese Unterstützung automatisch ab, wenn das frei werdende Geld nicht wieder in Umlauf gebracht wird.

Bislang hatte die Fed nur bei der Fälligkeit von Staatsanleihen wieder nachgekauft, nicht aber bei anderen Wertpapieren. Durch die jetzt bekannt gegebene Änderung ihrer Politik, die ab dem 17. August umgesetzt werden soll, bleibt das Volumen der von der Fed gehaltenen Papiere insgesamt bei etwas mehr als zwei Billionen Dollar stabil.

can/Reuters/dpa



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