Altersarmut Jeder zweite bedürftige Rentner verzichtet auf die Grundsicherung

Mehr als eine Million Menschen haben in Deutschland einen Anspruch auf Grundsicherung im Alter - doch nach SPIEGEL-Informationen beziehen nur 566.000 dieser Bedürftigen tatsächlich entsprechende Leistungen.

Sebastian Willnow/ DPA

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Mehr als die Hälfte aller bedürftigen Rentner verzichtet darauf, die staatliche Grundsicherung zu beantragen. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus einer noch unveröffentlichten Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor.

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Nach den Schätzungen der Ökonomen gibt es insgesamt deutlich mehr als eine Million Senioren, die Anspruch auf diese staatliche Unterstützung haben. Nach offiziellen Statistiken beziehen aber nur 566.000 Senioren die sogenannte Grundsicherung im Alter. Das DIW hat für seine Untersuchung Haushaltsbefragungen des "Sozio-oekonomischen Panels" (SOEP) ausgewertet.

Als Gründe für den Verzicht auf einen Antrag gelten Scham oder Unwissenheit. Das DIW stellt in seinen Untersuchungen aber auch fest, dass Rentner umso eher auf einen Antrag verzichten, je geringer der erwartete Betrag aus der Grundsicherung ausfällt.

In der Debatte um die Bekämpfung von Altersarmut und die Einführung einer neuen Grundrente empfiehlt DIW-Ökonom Johannes Geyer, auf die Anrechnung von Vermögen zu verzichten und stattdessen nur die Einkommen eines Haushalts zu überprüfen. Der Aufwand wäre damit gering. "Das könnte auch die Rentenversicherung machen, sogar automatisiert ", sagte Geyer dem SPIEGEL. "Damit könnte man das Stigma lindern."

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insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
janne2109 11.10.2019
1. verdammt
verdammt noch einmal- dann helft diesen Menschen doch endlich, schreibt sie an, setzt Euch mit den Kirchen in Verbindung,, viele Kirchen haben Kontakt so den älteren Herrschaften- helft Ihnen zu ihrem Recht zu kommen! Sie haben dieses einstmals marode Land aufgebaut in dem wir anderen leben wie eine kleine Made im Speck.
uezegei 11.10.2019
2. Anspruch ist kein Zwang
diesen auch in Anspruch zu nehmen. Wer als Ehepaar oder mit Lebenspartner/in doppelt berentet wird, kommt vielleicht mit dem Geld gut aus und kann auf ein paar weitere Euro "Almosen" gut verzichten, was dann auch das Geschrei um die angeblich grassierende Altersmut etwas revidiert.
alexreil 11.10.2019
3.
Tja warum ist das denn wohl so? Weil sich die Betroffenen dann erst mal nackig machen dürfen, vor Fremden ihre gesamte finanzielle Situation ausbreiten müssen und das dann wahrscheinlich auch alle sechs Monate erneut. Ich auch keine Lust darauf, ständig irgendwo als Bittsteller erscheinen zu müssen und wahrscheinlich auch genau so behandelt zu werden, um vom Staat eine Grundsicherung zu bekommen. Und dann möglicherweise sogar noch gesagt zu bekommen, dass ich mir gefälligst eine billigere Wohnung zu suchen habe.
women_1900 11.10.2019
4. gelten Scham oder Unwissenheit.
Häufig ist auch die Angst da, dass die Kinder dann zahlen müssen und nach den bestehenden regelungen zum Elternunterhalt ist diese Sorge berechtigt. Aber es nicht kann die Lösung sein, ohne jegliche Prüfung eine Grundrente für alle zu erlassen. Nur mal so zur Info "Besteht für eine geringfügig entlohnte Beschäftigung Versicherungspflicht, dann gelten hinsichtlich der Ermittlung von Entgeltpunkten und der Anrechnung von Wartezeitmonaten keine Besonderheiten gegenüber "normalen" Beschäftigungen." https://www.haufe.de/sozialwesen/sgb-office-professional/entgeltpunkte-aus-geringfuegig-entlohnter-beschaeftigung_idesk_PI434_HI524438.html "Die meisten Frauen in Teilzeitjobs sind zufrieden Sie sind finanziell abhängig von ihrem Partner, ihnen droht Altersarmut: Trotzdem wollen viele Frauen in Teilzeit bis zur Rente nicht wieder aufstocken." https://www.spiegel.de/karriere/teilzeit-die-meisten-frauen-in-teilzeit-jobs-sind-zufrieden-a-1243712.html Es gibt so einige Beschäftigte, die nur deswegen einer Teilzeitarbeit nachgehen um in der gesetzlichen KV versichert zu sein. Familienmitversicherung für Ehepartner und Kinder gibts halt nur in der gKV. Und im Scheidungsfalle gibts den Versorgungsausgleich: "Versorgungsanrechte, zum Beispiel Rentenansprüche, die Sie und Ihre ehemaliger Partnerin oder Ihr ehemaliger Partner während Ihrer Ehe oder Partnerschaft erworben haben, werden als gemeinschaftliche Lebensleistung betrachtet. Sie gehören Ihnen beiden somit zu gleichen Teilen. Lassen Sie sich scheiden, werden beim Versorgungsausgleich alle Ansprüche auf Versorgung und Rente beider Partnerinnen und Partner ausgeglichen. Das Ziel ist, dass Sie beide mit gleich vielen Versorgungsanrechten die Ehe oder Partnerschaft beenden." https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/Familie-und-Kinder/Scheidung/scheidung_node.html Für die wirklich Bedürftigen muss es eine Grundrente geben. Eine Prüfung des Einkommens kann nicht so schwer sein, immerhin greifen die Finanzämter auch schon auf die Konten zu. Also bitte, setzt im Sinne der Gerechtigkeit eine Kontrolle auf, die sicherstellt, dass tatsächlich nur diejenigen profitieren, die es auch benötigen.
labellen 11.10.2019
5. die Gründe können vielfältig sein:
Partner mit gutem Einkommen, Haus- und/oder Grundbesitz bzw. sonstige finanzielle Rücklagen, Beschäftigung neben Rentenanspruch, geringer Anspruch an Grundsicherungs-Auszahlung etc. Grundsätzlich sind die Anforderungen an Grundsicherungs-Bezug um einiges restriktiver als bei Hartz 4.
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