DIW-Studie Rente mit 67 verstärkt Ungleichheit im Alter

Kurz vor der Rente noch als Dachdecker arbeiten? Das schaffen nicht viele. Eine Studie zeigt nun, welche Folgen die umstrittene Umstellung auf die Rente mit 67 auf das Auskommen im Alter hat.

Eine Seniorin hält verschiedene Euromünzen in ihrer Hand
Karl-Josef Hildenbrand/ DPA

Eine Seniorin hält verschiedene Euromünzen in ihrer Hand


Das steigende Renteneintrittsalter droht einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) viele Arbeitnehmer in finanzielle Probleme zu stürzen. Besonders bei Menschen mit geringerer Bildung, Niedriglohnjobs oder gesundheitlichen Problemen könnten die Risiken steigen, schreiben die Forscher in einer Analyse.

Menschen, die es nicht schafften, bis zur künftigen Grenze von 67 Jahren für den Renteneintritt ohne Abschläge zu arbeiten, müssten sich teilweise auf hohe Einkommenseinbußen einstellen. "Gerade für Menschen, die ohnehin auf dem Arbeitsmarkt schlecht dastehen, wird es schwierig sein, sich an die neuen Altersgrenzen anzupassen", sagte DIW-Rentenexperte Johannes Geyer.

Hintergrund ist laut Studie, dass die Arbeitslosigkeit unter Menschen mit geringer oder mittlerer Bildung höher ist. Sie könnten wenig ins Rentensystem einzahlen und müssten länger auf die Rente warten. Dies kann ein Bauarbeiter sein, der wegen seiner körperlich anstrengenden Arbeit bereits vor 67 in Rente gehen muss - und während seines Lebens auch weniger verdient hat als ein Akademiker.

Sozialverband: "Eine Rente mit 70 darf es nicht geben"

Das Alter, in dem Menschen ohne Abschläge in Rente gehen können, wird seit 2012 schrittweise angehoben. Derzeit liegt die Grenze bei etwas mehr als 65 Jahren. Für Menschen, die ab 1964 geboren wurden, gilt die Rente mit 67, die sie 2031 erreichen. Hintergrund ist die längere Lebenserwartung. Es gibt aber Ausnahmen, etwa für Menschen, die besonders lange Rentenbeiträge gezahlt haben.

In der Studie des DIW im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung wurde berechnet, wie sich das tatsächliche Renteneintrittsalter bis 2032 entwickeln dürfte. Für höher gebildete Menschen verschiebt sich der Renteneintritt mit 1,6 bis zwei Jahren demnach deutlich stärker als für Personen mit geringer oder mittlerer Bildung mit einem bis 1,4 Jahren.

Der Sozialverband VdK warnte davor, das Renteneintrittsalter noch weiter anzuheben. "Eine Rente mit 70 darf es nicht geben", sagte Präsidentin Verena Bentele. Gerade Menschen mit wenig Bildung seien oft lange vor der Rente arbeitslos und zahlten dann keine Beiträge mehr ein. "Wer arbeitslos auf die Rente wartet, verarmt schon vor Rentenbeginn."

Was können wir uns im Alter noch leisten?

Linke-Chef Bernd Riexinger sagte, Altenpfleger oder Verkäuferinnen könnten bei einer Verrentung vor dem offiziellen Eintrittsalter von ihrer Rente nicht leben. Nötig sei, das Eintrittsalter auf 65 zu senken - und Zeiten, in denen kein Geld verdient wird, wie während der Kindererziehung, besser abzusichern.

apr/dpa



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