Am Tropf Deutschland so abhängig von russischem Öl wie nie zuvor

Deutschland ist stärker denn je zuvor angewiesen auf russisches Öl. Nach SPIEGEL-Informationen hat sich die ohnehin starke Abhängigkeit im vergangenen Jahr noch weiter erhöht. Dagegen nehmen die Öllieferungen aus der Nordsee dramatisch ab - die Reserven dort schwinden.
Der Ölhahn wird weiter aufgedreht: 35 Prozent deutscher Ölimporte kommen aus Russland

Der Ölhahn wird weiter aufgedreht: 35 Prozent deutscher Ölimporte kommen aus Russland

Foto: HASAN JAMALI/ AP

Deutschland bezieht inzwischen mehr als 35 Prozent seiner Rohölimporte aus Russland - so viel wie noch nie. Laut Statistik des Mineralölwirtschaftsverbands sind die russischen Importe in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres noch mal um 2,9 Prozent gestiegen. Dagegen haben die Einfuhren aus den Opec-Ländern erheblich abgenommen, um 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Noch stärker zurückgegangen sind die Öllieferungen aus der Nordsee: Sie reduzierten sich um 19 Prozent, eine Folge der dort drastisch abnehmenden Reserven.

Gleichzeitig sind die Preise für das Rohöl insgesamt deutlich gesunken: Im Schnitt kosteten die Importe die Volkswirtschaft gut 40 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Neuer Energiestreit zwischen Russland und Weißrussland

Die hohe Abhängigkeit von russischem Öl sorgt die Politik seit Jahren. Wie problematisch dieser Zustand ist, zeigte sich 2007: Damals stoppte Weißrussland wegen eines Streits mit Russland über Erhöhungen bei den Energiepreisen mehrere Tage lang die Durchleitung russischen Öls nach Deutschland und Polen.

Seitdem kochen immer wieder Auseinandersetzungen zwischen Russland und Abnehmerstaaten über die Liefer- oder Durchleitungspreise hoch. Aktuell etwa gibt es erneute Differenzen mit Weißrussland. Immerhin: Es werde zu Beginn des neuen Jahres keine Lieferunterbrechungen geben, sagte ein russischer Regierungsvertreter am Donnerstag. "Alles wird wie bisher weitergehen. Nichts wird angehalten", sagte der Insider.

Die Gespräche würden Anfang Januar fortgesetzt, sagte der russische Regierungsvertreter. Nachdem die russische Verhandlungsdelegation eine Reihe von Vorschlägen gemacht habe, sei es nun an Weißrussland zu reagieren. Wie russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Kreise der russischen Delegation meldeten, besteht die Regierung in Minsk darauf, dass nicht nur das Öl für den Eigenverbrauch ihres Landes, sondern die gesamte gelieferte Menge zollfrei bleiben soll. Damit verlange sie eine völlig unbegründete Subventionierung ihrer Wirtschaft durch Russland, zitierten die Agenturen die Kreise.

Weißrussland bezieht zur Verarbeitung in seinen beiden Raffinerien täglich rund 400.000 Barrel russischen Öls und exportiert den Großteil der Verarbeitungsprodukte in den Westen.

ase/Reuters
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