Brennender Regenwald Irland droht Brasilien mit Blockade von Freihandelsabkommen

Irland setzt wegen der schweren Waldbrände im Amazonas-Gebiet auf wirtschaftlichen Druck. Falls Brasilien nichts unternehme, werde man das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten nicht unterzeichnen.

Feuer in Brasilien: Punkt eins beim G7-Gipfel?
Christian Niel Berlinck/ICMBio/dpa

Feuer in Brasilien: Punkt eins beim G7-Gipfel?


Irland will das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten blockieren, sofern Brasilien nicht gegen die Waldbrände im Amazonas-Gebiet tätig wird. "Irland will auf keinen Fall für das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen stimmen, wenn Brasilien nicht seine ökologischen Versprechen einhält", zitiert der "Irish Independent" den irischen Premierminister Leo Varadkar.

Bis zur Abstimmung über blieben zwei Jahre, sagte Varadkar weiter. In dieser Zeit werde man Brasiliens Umweltpolitik beobachten. Das Abkommen ist in Irland auch deshalb heftig umstritten, weil irische Rinderzüchter eine Schwemme von Billigfleisch aus Südamerika fürchten. Varadkar sagte, man könne von Bauern in Irland und dem Rest der EU nicht erwarten, dass sie strenge Auflagen einhalten, "wenn wir Handelsabkommen nicht von anständigen Umwelt-, Arbeits- und Produktstandards abhängig machen".

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahmen die Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu, wie die Zeitung "Folha de S. Paulo" berichtete. Insgesamt wurden demnach 72.843 Brände registriert. In den meisten Fällen waren Flächen in Privatbesitz betroffen, aber auch in Naturschutzgebieten und indigenen Ländereien brechen immer wieder Feuer aus.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, das Thema auf die Agenda des Gipfels der führenden Industrienationen in Biarritz zu setzen. "Unser Haus brennt. Wortwörtlich", schrieb Macron am Donnerstagabend auf Twitter zu einem Foto des brennenden Regenwalds. Die Brände bedeuteten eine internationale Krise, so Macron. Er rief die Regierungschefs der G7-Länder auf, "diesen Notfall" als ersten Punkt beim Gipfeltreffen ab Samstag zu besprechen.

Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro wies den Vorstoß als "kolonialistische Mentalität" zurück, weil Macron über die Feuer sprechen wolle, ohne dass die Länder der Amazonas-Region dabei seien. Bolsonaro hatte zuletzt nahe gelegt, Umweltschützer hätten die Brände gelegt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und seine Regierung in ein schlechtes Licht zu rücken. Der irische Premier Varadkar sagte dazu: "Präsident Bolsonaros Versuche, Umweltschutzorganisationen für die Feuer verantwortlich zu machen, ist orwellhaft."

dab/Reuters/dpa

insgesamt 107 Beiträge
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kabellos 23.08.2019
1. Respekt
vor Irland. Zeit diesen Präsidenten Bolsonaro in seine Schranken zu verweisen. Wo sind die anderen Länder? Wirtschaftliche Interessen gehen leider vor.
Quetzal2012 23.08.2019
2. Liebe Bundesregierung,
Nehmt euch an Irland ein Beispiel.
malcom1 23.08.2019
3. Endlich....
getraut sich mal jemand den Irren der Welt klare Kante zu zeigen. Erst Macron vs. Trumps Doppelgänger aus GB und nun gegen Bolsonaro. Danke.
Stupormundifish 23.08.2019
4. Ein guter Ansatz
Ein Ausschluss aus den europäischem Markt baut deutlich mehr Druck auf als die Streichung von Beihilfen im zweistelligen Millionenbereich. Ein Importverbot für Soja aus dem Amazonasgebiet würde da für noch mehr Aufmerksamkeit sorgen.
oli69 23.08.2019
5. Gut so !
Nur mit Druck wird sich dort was änderen. Diskutieren bringt mit Leuten wie Bolsonaro, Trump etc. gar nichts. Hoffentlich lernt das auch die EU noch. Hut ab vor Irland.
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