Angeblicher Formel-1-Deal Ermittler prüfen Millionenzahlungen an Ex-BayernLB-Manager

Ein Ex-Manager der BayernLB gerät wegen dubioser Transaktionen in die Kritik: Gerhard Gribkowsky, ehemals Risikovorstand der Staatsbank, hat laut "Süddeutscher Zeitung" in seiner Amtszeit 50 Millionen Dollar erhalten. Jetzt prüft die Staatsanwalt die Zahlungen - gibt es eine Verbindung zur Formel 1?
Ex-BayernLB-Manager Gribkowsky (l.): Woher stammt sein Stiftungsvermögen?

Ex-BayernLB-Manager Gribkowsky (l.): Woher stammt sein Stiftungsvermögen?

Foto: Frank Leonhardt/ picture alliance / dpa

München/Hamburg - Es geht um eine krisengeschüttelte Bank und das dubiose Millionenvermögen eines gefeuerten Ex-Vorstands: Undurchsichtige Finanztransaktionen des früheren BayernLB-Managers Gerhard Gribkowsky haben die Münchner Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen.

Laut "Süddeutscher Zeitung" hat der ehemalige Risikovorstand noch in seiner Amtszeit eine Millionenzahlung erhalten. Das Geld habe er 2007 in die Tochtergesellschaft einer österreichischen Privatstiftung mit dem Namen "Sonnenschein" angelegt. Das Vermögen könnte mit dem früheren Engagement der BayernLB bei der Formel 1 zusammenhängen, schreibt die Zeitung.

Demnach flossen Gribkowsky aus Mauritius und den British Virgin Islands 50 Millionen Dollar zu, davon seien nach Steuern in Österreich knapp 25 Millionen Euro übrig geblieben. Als Zweck der "Sonnenschein"-Stiftung wurde demnach die "Versorgung des Stifters" und weiterer Begünstigter angegeben.

Ermittler wollen nun mehr über die Geldquelle wissen. "Wir prüfen, woher das Vermögen stammt und ob ein Ermittlungsverfahren einzuleiten ist", sagte die Sprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft, Barbara Stockinger, SPIEGEL ONLINE. Gribkowsky sei am 29. Dezember bei den Ermittlern vorstellig geworden und habe sie über die Stiftung informiert. Weitere Details will die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

BayernLB

Gribkowsky saß von 2003 bis April 2008 als Risikomanager im Vorstand der . Er war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Bevor der 52-jährige Manager zur Staatsanwaltschaft ging, hatte die "SZ" ihn mit ihren Erkenntnissen über die Stiftung konfrontiert. Zuerst habe der Manager erklärt, es handle sich um Familienvermögen, berichtet die Zeitung. Inzwischen äußere er sich nicht mehr. Die Staatsanwaltschaft prüfe jedoch, ob es eine Verbindung zur Formel 1 geben könnte.

Gribkowsky mischte in der Formel 1 mit

Hintergrund: Gribkowsky hatte in seiner Zeit als Bankvorstand geschäftlich mit dem Rennzirkus zu tun. Nach der Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch hatte die BayernLB das Formel-1-Engagement des Kirch-Konzerns übernommen, es zählte zu Gribkowskys Aufgabenfeld. Mit dem Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone kam es zu einem Konflikt um Vermarktungsrechte, in dem der Unternehmer vor Gericht eine Niederlage fürchten musste. "Wir sind gewillt, unseren neuen Einfluss mit aller Konsequenz und verantwortungsbewusst zu nutzen - notfalls auch im Streit. Wir können mit stärkeren Muskeln auftreten als bisher", sagte Gribkowsky 2004 in einem Interview mit dem SPIEGEL  zum Machtkampf im Rennzirkus.

Doch einige Monate später bekam Ecclestone plötzlich Rückendeckung von der Landesbank. Gribkowsky handelte 2005 den Verkauf der Formel-1-Vermarktungsrechte der BayernLB an den britischen Finanzinvestor CVC aus. An dem Londoner Investor war auch Ecclestone beteiligt. Damit hatte dieser seine Macht in der Formel 1 gesichert.

Das Finanzministerium verlangt Aufklärung

Die "SZ" konfrontierte Gribkowsky mit dem Verdacht, die 50 Millionen Dollar seien im Zusammenhang mit dem Formel-1-Geschäft als Dankeschön an ihn geflossen. "Das ist eine Spekulation, daran kann ich mich im Moment nicht beteiligen", zitiert die Zeitung den Manager. Wenn die Staatsanwaltschaft ermittelt habe, könne er öffentlich darlegen, dass mit dem Geld alles in Ordnung sei.

Hypo Group Alpe Adria

Als die Münchner Staatsanwaltschaft das Debakel um den Kauf der maroden österreichischen (HGAA) untersuchte, wurde Gribkowsky schon einmal befragt. Laut "SZ" verschwieg er den Ermittlern im Februar 2010 die Stiftung, als er nach seinen Vermögensverhältnissen befragt wurde.

Gribkowsky ist auch in der BayernLB-Affäre um den HGAA-Kauf unter Druck. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Die Landesbank verlangt von ihm und anderen Ex-Vorständen Schadensersatz für das Milliarden-Debakel. Nachdem nun die Existenz von Gribkowskys Stiftung bekanntgeworden ist, hält sich die Bank offiziell noch bedeckt. Doch intern laufen bei der BayernLB bereits Nachforschungen an. Man werde vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft kooperieren, erklärte ein Sprecher der Bank.

Auch die Politik macht Druck. Die bayerische Regierung kann weitere Skandale bei der Landesbank nicht gebrauchen. "Die Bayerische Landesbank wurde umgehend aufgefordert, eigene Ermittlungen anzustellen", teilte das bayerische Finanzministerium am Montag mit. Die Bank solle vor allem untersuchen, ob sich weitere Schadensersatzansprüche gegen Gribkowsky ergeben könnten. Von dessen Millionenvermögen sei im Ministerium nichts bekannt gewesen.

mmq/dpa