Angekündigter Abgang Wie der Bundesbank-Chef die Kanzlerin vorführte

Kanzlerin Merkel, Bundesbank-Chef Weber: Die Entscheidung lässt nur Verlierer zurück
dapd

Kanzlerin Merkel, Bundesbank-Chef Weber: Die Entscheidung lässt nur Verlierer zurück

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2. Teil: Warum hat Weber das getan?


Bislang hat der 53-Jährige sich selbst nicht zu seinem Rückzug geäußert. Über seine Gründe kann daher nur spekuliert werden. Für viele Beobachter könnte ein Motiv sein, dass er sich über die mangelnde Rückendeckung der Kanzlerin geärgert hat - und sie bloßstellen wollte. Obwohl Angela Merkel ihn wohl im Amt des EZB-Präsidenten sehen wollte, hat sie seine Kandidatur zuletzt nicht mit sonderlich viel Elan unterstützt.

Im Gegenteil: In ihrer intensivierten Kooperation mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy dürfte Weber einen Affront gesehen haben. Schließlich gilt der Franzose als strikter Gegner des Bundesbank-Chefs - und verteidigt im Gegensatz zu Weber uneingeschränkt die Anleihekäufe der EZB.

Möglich ist auch, dass schlicht private Gründe Weber veranlasst haben, sich zurückzuziehen. So schwer professionelle Beobachter sich solche Motive oft vorstellen können - die Fälle Frank-Walter Steinmeier (spendete Niere für seine Ehefrau) und Roland Koch (Wechsel zu Baukonzern) haben gezeigt, dass selbst Politiker, die als süchtig nach Amt und Anerkennung gelten, gelegentlich überraschende Entscheidungen treffen.

Ein weiteres Szenario wäre, dass Weber pokert. Vorstellbar, dass er Merkel mit seiner Rückzugsankündigung unter Druck setzen wollte - mit dem Ziel, dass sie seine Kandidatur endlich offensiv durchsetzt.

Sollte die chaotische Kommunikation vom Mittwoch allerdings tatsächlich geplant gewesen sein, dann wäre das Projekt grandios gescheitert. Denn in der aktuellen Lage dürfte es für Merkel schlicht unmöglich sein, Weber doch noch ins Amt des EZB-Präsidenten zu hieven.

Wahrscheinlicher ist deshalb, dass es sich schlicht um misslungene PR handelt. Mehreren Zeitungen zufolge wollte Weber seinen Schritt eigentlich am Mittwochmorgen offiziell verkünden - mit einer schriftlichen Erklärung. Doch diese wurde im letzten Moment gestoppt. Womöglich auf Druck aus dem Kanzleramt? Das ist noch unklar. Klar ist jedoch, dass die Art und Weise, wie Webers Pläne peu à peu durchsickerten, die Spekulationen anheizte - und sein Kommunikationstalent in keinem guten Licht erscheinen lässt.

insgesamt 73 Beiträge
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kundennummer 10.02.2011
1. Weber macht den Köhler
Er wird, genauso wie Köhler, schon wissen warum er auf diese Art hinschmeisst. Soll ruhig ein ex Goldman-Sachs die EZB schmeissen. Da kommt dann endlich zusammen was zusammen gehört. Got Gold?
DK81, 10.02.2011
2. tsts
Zitat von sysopEr war Angela Merkels Kandidat für den Spitzenjob bei der Europäischen Zentralbank*- doch mit seinem überraschend angekündigten Rückzug aus dem Amt hat Bundesbank-Chef Axel Weber die Kanzlerin brüskiert. Warum hat er das gemacht, und wie geht es weiter? Antworten auf die wichtigsten Fragen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,744743,00.html
Eine Hand wäscht die andere, oder wie Du mir, so ich Dir. Vermutlich hat Frau Merkel Herrn Weber deutlich verärgert...
geroi.truda 10.02.2011
3. *
Weber hat doch gar nicht die erforderliche Geschäftsleitereignung (§ 33 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 KWG) für die DB. Notenbank hat mit Geschäftsbank nicht wirklich etwas zu tun.
benn01 10.02.2011
4. Die Revolutionärin Merkel....
...müsste das ja kennen. Wenn die Führung nix taugt und nur noch mit sich selbst beschäftigt ist, dann laufen die Leute davon. Die Besten zuerst.
meta_morfos 10.02.2011
5. abschaffen
Lasst uns doch die EZB abschaffen. Braucht kein Mensch. Dann den Euro. Dann die europäische Regierung. Dann Europa. Niemand braucht diesen ganzen Mist.
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