SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

10. Juni 2017, 08:23 Uhr

Spannungen mit USA

Mexiko und Merkel planen neues Handelsabkommen

Wenn US-Präsident Trump zum verbalen Angriff ausholt, gehören Mexiko und Deutschland oft zu den Zielen. Beim Besuch der Kanzlerin in Mexiko-Stadt wird deutlich: Das schweißt beide Länder zusammen.

Angesichts der Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump rücken Deutschland und Mexiko enger zusammen. Das wurde beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Mexiko-Stadt deutlich. Die beiden G20-Länder bekannten sich dabei zum Freihandel. Mexiko und die EU sollten möglichst noch in diesem Jahr ein überarbeitetes Handelsabkommen abschließen, sagte der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto.

Hintergrund sind erhebliche Spannungen zwischen Mexiko und den USA unter Präsident Trump, der mit einer Aufkündigung des Nafta-Freihandelsabkommens für Nordamerika und dem Bau einer Mauer an der mexikanisch-amerikanischen Grenze gedroht hat. Auch Deutschland hatte der US-Präsident wegen dessen Handelsüberschüssen harsch kritisiert.

"Wir leben in einer multipolaren Welt, und wir wollen in dieser Welt auch nicht nur einseitige Kontakte, sondern wir wollen vielseitige Kontakte", sagte Merkel nach einem Gespräch mit Nieto. "Ich glaube, dass wir alle ein Interesse haben, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und Mexiko vernünftig und gut miteinander zusammenarbeiten." Gleichzeitig gebe es aber gute Gründe, dass Mexiko sich auch stark für den europäischen Markt interessiere.

Sowohl Merkel als auch Nieto bezeichneten es als Chance, dass sich die USA, Kanada und Mexiko nun auf eine Neuverhandlung des Nafta-Abkommens geeinigt hätten. Auslöser war die Drohung von US-Präsident Trump, das Abkommen aufkündigen zu wollen, um US-Interessen stärker zu berücksichtigen.

Merkel pocht nun darauf, dass bei den Verhandlungen auch die Interessen der in Mexiko vertretenen deutschen Unternehmen berücksichtigt werden. "Unsere Unternehmen verfolgen natürlich sehr aufmerksam die Verhandlungen im Nafta-Bereich", sagte die CDU-Chefin.

Mexiko bekennt sich zum Klimaabkommen

Mexiko mit seinen rund 130 Millionen Einwohnern ist für die deutsche Wirtschaft ein wichtiger Produktionsstandort, auch für Exporte von dort in die USA. In dem Land, das 2018 Partner der Hannover-Messe wird, sind 1900 deutsche Firmen tätig. 65 Prozent der Mitgliedsunternehmen der Außenhandelskammer Mexiko erwarten laut einer Umfrage in den kommenden Monaten trotz des Streits mit den USA bessere Geschäfte. 40 Prozent wollen demnach mehr investieren. Der deutsch-mexikanische Handel belief sich 2016 auf 16,2 Milliarden Euro.

Laut Merkel und Nieto dienten die Gespräche auch der Vorbereitung des G20-Gipfels der großen Industrie- und Schwellenländer in Hamburg Anfang Juli, bei dem Merkel ein Bekenntnis zum Freihandel manifestieren will. "Sie können darauf zählen, dass wir uns engagieren, um in ihrem Sinne weiterzuarbeiten", sagte Nieto. Er sei sicher, dass der G20-Gipfel ein Erfolg werde.

Beide sprachen die Differenzen mit US-Präsident Trump nur indirekt an. Merkel warnte wie schon zuvor bei ihrem Besuch in Argentinien vor einer Politik der Abschottung. Nieto grenzte sich in der Klimapolitik von Trump ab: "Mexiko bekennt sich uneingeschränkt zum Pariser Klimaschutzabkommen", sagte er. Die USA dagegen haben gerade den Ausstieg aus dem Abkommen verkündet.

Kritik am US-Präsidenten übte in Deutschland auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Trump hinterlasse "bei vielen Partnern Ungewissheit, so auch bei uns", sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Enge Verbündete sollten in den Kernfragen gemeinsamer Interessen ein Grundvertrauen spüren."

stk/dpa/Reuters/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung