Billiges Geld Merkel verteidigt Draghi

Unionspolitiker, angeführt von Wolfgang Schäuble, attackieren EZB-Chef Draghi für seine lockere Geldpolitik. Kanzlerin Merkel hält die Kritik laut einem Bericht für überzogen. Auch Draghi wehrt sich.

Angela Merkel und Mario Draghi (Archivbild)
REUTERS

Angela Merkel und Mario Draghi (Archivbild)


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält laut einem Pressebericht die Kritik von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und anderen Unionspolitikern an der Europäischen Zentralbank (EZB) teilweise für überzogen. Dies habe Merkel in einem Telefonat mit Bundesbank -Präsident Jens Weidmann zum Ausdruck gebracht, berichtet das "Handelsblatt", ohne eine konkrete Quelle zu nennen. In dem Telefonat soll die Kanzlerin zudem begrüßt haben, dass Weidmann EZB-Präsident Mario Draghi und dessen Geldpolitik öffentlich verteidigt hat. Ein Regierungssprecher dementierte den Bericht am Nachmittag. "Dieses Gespräch gab es nicht", hieß es.

Weidmann hatte zuvor in einem Interview mit der "Financial Times" auf die Unabhängigkeit der EZB hingewiesen und gesagt, dass sie eine für die Eurozone angemessene Geldpolitik betreibe.

Nach der Ratssitzung der EZB am Donnerstag verteidigte sich auch Präsident Mario Draghi gegen die teils harsche Kritik aus Deutschland. "Wir haben den Auftrag, Preisstabilität für die gesamte Eurozone zu wahren, nicht nur für Deutschland", sagte Draghi. "Dieses Mandat ist in den europäischen Verträgen festgelegt. Wir befolgen europäisches Recht, wir sind unabhängig." Die EZB hatte im März den Leitzins auf null gesenkt und die Anleihenkäufe ausgeweitet, um die Inflation in der Eurozone zu erhöhen.

Unionspolitiker hatten in den vergangenen Wochen den Druck auf die EZB erhöht und der Notenbank vorgeworfen, sie enteigne mit ihrer ultralockeren Geldpolitik die Sparer in Deutschland. Draghi betonte, alle Mitglieder des EZB-Rats seien sich einig, dass die Unabhängigkeit der Notenbank verteidigt werden müsse und dass die gegenwärtige Geldpolitik angemessen sei, um die EZB-Ziele zu erreichen.

ade/dpa

insgesamt 129 Beiträge
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Seite 1
auf_dem_Holzweg? 22.04.2016
1. natürlich verteidigt sie Draghi
hat sie doch in Ihm einen Sinnesgenossen gefunden der brav das macht was sie will. Mir scheint langsam Merkel nutzt konsequent alle Möglichkeiten sämtliche Vorteile Deutschland zu vernichten - und zwar weltweit. Es ist ja mittlerweile nicht nur die ein oder andere Stellungnahme Merkels fraglich, sondern nahezu sämtliche.
sfk15021958 22.04.2016
2. Ich hab den Eindruck, Frau Merkel bemüht...
...sich weiterhin die Zustimmung zur CDU-Politik unter 25 % zu bringen. Weder in den USA noch in der Euro-Zone hat die 0,0%-Zinspolitik geholfen, sondern nur Verwüstungen im Renten- und Versicherungswesen angerichtet. Reformpolitik wäre angesagt, business as usual (Schulden machen in den südeuropäischen Euro-Staaten) ist angesagt.
watch15 22.04.2016
3. Herr Schäuble hat's wohl noch nicht kapiert?
Das ist die EZB und nicht eine Deutsche Bundesbank. Die speziellen Interessen der Deutschen (Sparer, Rentner, Geringverdiener), auch im Hinblick auf die Vermögen und Altersversorgungen interessieren Herrn Draghi NICHT.
der.tommy 22.04.2016
4.
Schön und gut nur erreicht die EZB ihr Ziel nicht. Billiges Geld allein ist nicht genug und bläht über kurz oder lang nur blasen an den Börsen und im immobiliensektor auf. Auf grosser breite führt billiges Geld hingegen nicht dazu, dass die Menschen mehr Geld ausgeben. Im Gegenteil. Gerade in Deutschland haben die Menschen Angst um ihr Erspartes. Zinsen bekommen sie kaum noch. Und risikoreiche Investments kann sich nicht jeder erlauben. Es wird also auf breiter Front über kurz oder lang eher ein unverzinstes "beiseiteschaffen" von Geld einsetzen.
rjo42565 22.04.2016
5. War auch fast zu erwarten
von Merkel sin schon seit längerem keine wirklich guten Worteldungen mehr gekommen. Ganz zu schweigen von ihren für Deutschland wichtigen Entscheidungen.
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