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23. März 2010, 16:34 Uhr

Anlageberater entführt

Rentner-Gang muss für Geiselnahme büßen

Es war ein spektakulärer Fall von Selbstjustiz: Vier Pensionäre haben ihren Anlageberater entführt und vier Tage lang in einem bayerischen Haus als Geisel gehalten. Nun wurden sie verurteilt - der 74-jährige Haupttäter muss sechs Jahre ins Gefängnis.

Traunstein - Ihr hohes Alter hat sie nicht vor drastischen Gefängnisstrafen bewahrt. Die vier Rentner, die ihren erfolglosen Finanzberater verschleppt und zur Rückzahlung hoher Geldbeträge gezwungen hatten, bekamen am Dienstag mehrjährige Freiheitsstrafen.

Das Landgericht Traunstein verurteilte den 74-jährigen Haupttäter am Dienstag wegen Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung zu sechs Jahren Gefängnis. Ein Komplize erhielt vier Jahre Haft wegen Freiheitsberaubung, Nötigung und gefährlicher Körperverletzung. Die beiden Ehefrauen kamen mit Bewährungsstrafen von 21 und 18 Monaten davon. Das Verfahren gegen einen weiteren Angeklagten war wegen Krankheit eingestellt worden.

Der Vorsitzende Richter Karl Niedermeier bescheinigte der "Rentner-Gang" einen "spektakulären Fall von Selbstjustiz". Die Männer und Frauen im Alter zwischen 61 und 80 Jahren hatten die gemeinsame Tat im Prozess gestanden. Die Staatsanwaltschaft hatte Haftstrafen zwischen neun und zwei Jahren gefordert. Die Verteidiger hatten auf Strafen zwischen vier und anderthalb Jahren plädiert.

Als Anlageberater hatte James Amburn seit Ende der neunziger Jahre in Florida Bauprojekte umgesetzt - und dabei auch Rentner aus Deutschland mit hohen Zinsversprechungen als Investoren gelockt. Dabei leisteten ihm offenbar seine exzellenten Deutschkenntnisse gute Dienste. Unter den Geldgebern befanden sich auch die späteren Entführer. Im Zuge der Immobilien- und späteren Wirtschaftskrise geriet das Amburn-Firmengeflecht ab 2005 in finanzielle Schwierigkeiten. Zinszahlungen an Investoren blieben aus, Nachfragen blieben unbeantwortet - schließlich wurden Anwälte eingeschaltet.

Im Kofferraum zum Chiemsee

Als auch eine letzte persönliche Konfrontation durch zwei Mitglieder der Gruppe im Juni 2009 in Amburns Wohnung in Speyer keine Klärung brachte, entschieden sich die deutschen Rentner offenbar für den Schritt in die Kriminalität. Sie überwältigten den Anlageberater, fesselten ihn mit Klebebändern und steckten ihn in eine Kiste.

Anschließend transportierten sie Amburn mit einer Sackkarre durch die Innenstadt von Speyer bis zum Auto eines des Angeklagten. Auf der anschließenden Fahrt zum Chiemsee - immerhin rund 500 Kilometer - soll es zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen sein.

Im Haus eines des Angeklagten gab es dann "Verhandlungen", in denen die Entführer verschiedene Schreiben aufgesetzt hätten. Darin soll die Rentnergruppe einen Millionenbetrag zurückgefordert haben. Auch die anderen Gruppenmitglieder hätten von der Entführung gewusst und sich zeitweise in dem Haus aufgehalten. Erst mit einer versteckten Botschaft in einem Fax an eine Schweizer Bank konnte Amburn auf seine Notlage aufmerksam machen. Nach vier Tagen befreite die Polizei das Opfer, die Entführer wurden festgenommen.

Schon während der ersten Vernehmung stellte einer der Entführer Strafanzeige gegen den ehemaligen Finanzjongleur, die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern nahm Ermittlungen auf.

jok/apn/dpa/APD

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