Anleihen-Verkauf Finanzmärkte geben Italien Verschnaufpause

Das hoch verschuldete Euro-Land Italien hat problemlos frisches Geld zu niedrigen Zinsen eingesammelt. Die Anleiheauktion spülte dem Land neun Milliarden Euro in die Kasse - Entwarnung gibt es aber trotzdem nicht.
Italienische Flagge vor Parlamentssitz in Rom: Die Finanzmärkte vertrauen Italien wieder

Italienische Flagge vor Parlamentssitz in Rom: Die Finanzmärkte vertrauen Italien wieder

Foto: TONY GENTILE/ REUTERS

Rom - Jede Anleiheauktion der hochverschuldeten Euro-Länder steht unter Beobachtung der Finanzmärkte - Italien hat planmäßig neun Milliarden Euro an den Finanzmärkten eingesammelt und muss dafür nur halb so hohe Zinsen zahlen, wie im November. Die Börsen reagierten erleichtert: Der Deutsche Leitindex Dax drehte ins Plus, der Euro hielt sich stabil bei knapp über 1,30 Dollar.

Der Optimismus wird allerdings getrübt: Es war eine Auktion sechsmonatiger, also sehr kurz laufender Anleihen - dort liegen die Zinsen derzeit in aller Regel deutlich niedriger als bei längeren Laufzeiten. Immerhin halbierte sich die Rendite, die Italien zahlen muss, von 6,5 Prozent bei einer Auktion im November auf jetzt 3,25 Prozent, wie die nationale Schuldenagentur in Rom mitteilte. Gleichzeitig wuchs das Interesse: Die Nachfrage überstieg das Angebot deutlich.

Als positives Vorzeichen für das wachsende Vertrauen der Märkte kann gewertet werden, dass Italien weitere 1,7 Milliarden Euro mit der Versteigerung zweijähriger Anleihen eingenommen hat, auch hier war der Zins gefallen, von 7,8 auf 4,85 Prozent.

Bewährungsprobe folgt

Branchenexperten hatten schon im Vorfeld mit einem guten Auktionsergebnis gerechnet. Am Sekundärmarkt, wo bestehende Staatsanleihen gehandelt werden, waren die Renditen seit November stark gesunken, insbesondere bei Papieren mit kürzeren Laufzeiten. Zudem haben die europäischen Banken durch günstige EZB-Kredite eine große Menge Geld zur Verfügung, für dass sie auch kurzfristige Anlagemöglichkeiten suchen.

Weil die Rendite als Maß für das Misstrauen der Investoren gilt, kann die Regierung in Rom also wenigstens kurzfristig aufatmen. Entscheidend wird nach Meinung von Händlern aber die Auktion länger laufender Anleihen am Donnerstag sein.

nck/dpa/Reuters
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