Ansteckungsgefahr Währungsfonds warnt vor Schuldenkrise in Kerneuropa

"Europa macht sich insgesamt gut", urteilt der Internationale Währungsfonds. Dennoch hält der IWF laut einem neuen Bericht eine Ausweitung der Schuldenkrise für möglich - und fordert mehr gemeinsame Finanzpolitik.

Ausschreitungen im Schuldenstaat Griechenland: Nicht nur die Peripherie ist bedroht
REUTERS

Ausschreitungen im Schuldenstaat Griechenland: Nicht nur die Peripherie ist bedroht


Washington - Griechenland, Portugal, Irland: Bislang sind nur kleinere Länder an den Rändern der Europäischen Union von der Schuldenkrise betroffen. Doch der Internationale Währungsfonds (IWF) hält ein Übergreifen der Probleme für möglich. "Die Ansteckung der Kernländer der Eurozone bleibt eine konkrete Gefahr", heißt es im am Donnerstag veröffentlichten halbjährlichen Europa-Ausblick des IWF.

"Die wichtigste Nachricht des Ausblicks ist die eines ruhigen Vertrauens", sagte der Europa-Direktor des IWF, Antonio Borges. "Europa macht sich insgesamt gut - sowohl in West- als auch in Osteuropa", erklärte er. Insgesamt rechnet der Fonds mit einem Wachstum von 2,4 Prozent in diesem und 2,6 Prozent im nächsten Jahr. Der Euroraum werde mit 1,6 beziehungsweise 1,8 Prozent langsamer wachsen. Deutschland bleibe mit einem erwarteten Anstieg um 2,5 Prozent in diesem und 2,1 Prozent im kommenden Jahr die Konjunkturlokomotive.

Der IWF fordert jedoch entschlossene Reformen in den von der Schuldenkrise betroffenen Ländern der Eurozone und drängt die Europäische Zentralbank (EZB) weitere Zinserhöhungen aufzuschieben. Die EZB hatte im April erstmals seit drei Jahren die Zinsen erhöht. Volkswirte erwarten derzeit zwei weitere Erhöhungen bis zum Ende des Jahres.

Zudem drängen die IWF-Experten die Europäer zu einer besseren Absprache in Finanz- und Wirtschaftsfragen. Nötig sei vor allem eine stärkere Finanz- und Wirtschaftsintegration in der EU. "Von der finanzpolitischen Integration abzugehen, wäre falsch", warnte der Fonds angesichts einer Debatte, in der inzwischen sogar ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone ein Thema ist.

Die Gemeinsamkeiten müssten laut IWF vielmehr vorangetrieben werden. Europa habe die Folgen der Finanzkrise nur deshalb so ausgedehnt zu spüren bekommen, weil es im Finanzbereich unzureichend integriert sei und übergreifende Mechanismen zur Krisenlösung fehlten. Die EU habe zwar ihre Vertiefung mit der gemeinsamen Währung vorangetrieben, aber keine effektiven Instrumente entwickelt, um grenzüberschreitende Risiken zu bekämpfen.

dab/Reuters/dpa

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nici2412 12.05.2011
1. Unverantwortliche Politik
Zitat von sysop"Europa macht sich insgesamt gut", urteilt der Internationale Währungsfonds. Dennoch*hält der IWF laut einem neuen Bericht eine Ausweitung der Schuldenkrise für möglich - und fordert mehr gemeinsame Finanzpolitik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,762172,00.html
Natürlich werden sich die Kernstaaten anstecken. Die großen Nettozahler Frankreich und Deutschland sind beide mit ca. 80% verschuldet. Die ganzen Bürgschaften, die Deutschland für andere Staatenb übernimmt, haben die Zinskosten für deutsche Staatsanleihen um etwa 1% erhöht. Mittelfristig wird ganz Europa pleitegehen. Ich hoffe nur, dass Schäuble, Merkel und jeder Parlamentarier, der der rechtswidrigen Veruntreuung von Steuergeldern an Banken und Pleitestaaten vor Gericht gestellt wird, sobald wir pleite sind und vom IWF kontrolliert werden.
tromsø 12.05.2011
2. Sparen
Es gäbe ja auch eine Alternative, sparen. Die Konjunkturdaten für Deutschland sind ja gut, wie wäre es mal mit, sagen wir 10 Mrd. Euro pro Jahr? Und zwar Jahr für Jahr zusätzlich. Dann könnte Deutschland in 3 - 4 Jahren beginnen, seine Schulden langsam aber sicher abzubauen. Aber Keynes gilt ja nur für die schlechten Jahre, in den guten heisst es, das Wirtschaftswachstum nicht abwürgen ;-)
Pinin 12.05.2011
3. Was die wirklich meinen:
"Nötig sei vor allem eine stärkere Finanz- und Wirtschaftsintegration in der EU." Übersetzt heißt das in der Praxis wohl: Installiert endlich auch offiziell die Transferunion. Denn Finanz- und Wirtschaftsintegration hieße auch angemessene und ausgewogene Lohnpolitik (das verhindern Gewerkschaften in den einzelnen Ländern) und z.B. gleiche Renteneintrittsalter (das verhindern die Regierungen in den Ländern. Der empörte Aufschrei nach Merkels Vorstoß in dieser Richtung sagt alles über die Situation.
Kontrastprogramm 12.05.2011
4. Transferunion
Zitat von Pinin"Nötig sei vor allem eine stärkere Finanz- und Wirtschaftsintegration in der EU." Übersetzt heißt das in der Praxis wohl: Installiert endlich auch offiziell die Transferunion. Denn Finanz- und Wirtschaftsintegration hieße auch angemessene und ausgewogene Lohnpolitik (das verhindern Gewerkschaften in den einzelnen Ländern) und z.B. gleiche Renteneintrittsalter (das verhindern die Regierungen in den Ländern. Der empörte Aufschrei nach Merkels Vorstoß in dieser Richtung sagt alles über die Situation.
Faktisch ist daran nicht mehr zu rütteln. Die bisherigen Bürgschaften usw. haben die Transfergemeinschaft schon installiert. Wenn man Staaten wie Griechenland , trotz erwiesener Euro-Untauglichkeit und Schuldnetilgung nicht mehr los wird, haben wir faktisch die Transferunion. Das man sich dann noch von den verbrämten Politikerstatements "verarschen" lassen muss ist noch mit das Schlimmste an der Sache. Ob ich noch in meinem Alter das Platzen der Kreditbombe erleben werde bezweifle ich mal. Kann für die Enkel nur hoffen, dass die Folgen erträglich sein werden, Löcher in den Strassen sind ja tagsüber noch zu umfahren.
...ergo sum, 12.05.2011
5. ...
Wie genau komme ich mir bei dieser Meldung eigentlich vor ? Da wird sozusagen vor einem Gewitter gewarnt das bereits seit Jahren tobt ? WEN warnt denn da der Währungsfond ? Diejenigen Politiker welche seit Jahr und Tag geistig Burka tragen ? Scheint notwendig zu sein bei denen. Fakt ist anscheinend, wie ich insbesondere gestern im TV fast einmütig hören durfte, - Griechenland muß (?) angeblich aus nur einem einzigen Grund massenhaft gepampert werden, - "wenn Griechenland kippt, dann erzeugt das einen Dominoeffekt auf Staaten wie Irland, Portugal, Spanien ... und dieser Prozeß muß unter allen Umständen und dringend vermieden werden, egal was es kostet" - so fast wortwörtlich von Ökonomen ect. gestern. "Dieses sei der Bevölkerung in der EU, insbesondere in D, deutlicher als bisher zu vermitteln und das müsse die deutsche Kanzlerin nun endlich leisten". (ebenfalls fast wortwörtlich, - solche Sprüche prägen sich bei mir ein) Tja, und JETZT warnt der Währungsfond also vor einer Schuldenkrise in der EU. Mir fällt dazu auf die Schnelle nun wirklich nichts mehr ein was man ungestraft hier schreiben dürfte.
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