Höhere Arzneimittelkosten AOK macht 110 Millionen Euro Verlust

Jetzt hat es auch die AOK erwischt: In den ersten sechs Monaten schrieb die Krankenkasse rote Zahlen. Das Defizit kann höhere Zusatzbeiträge für die Versicherten bedeuten.

AOK-Niederlassung in Berlin: 110 Millionen Euro Verlust
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AOK-Niederlassung in Berlin: 110 Millionen Euro Verlust


Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) schreiben rote Zahlen. Das gesamte AOK-System habe bis Ende Juni einen Verlust von rund 110 Millionen Euro gemacht, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Damit bestätigte er einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ").

"Die Ursachen liegen in der Ausgabendynamik", sagte der Sprecher. Die Ausgaben seien um vier Prozent gestiegen. Vor allem im Bereich der Arzneimittel seien die Kosten durch teure neue Präparate deutlich höher ausgefallen. Gegenüber der "FAZ" hatte Interimsvorstand Martin Litsch gesagt, dass der rasante Ausgabenanstieg auf Dauer nicht finanzierbar sei.

Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA waren die Arzneimittelkosten im ersten Halbjahr um 5,6 Prozent gestiegen. "Wir stellen jetzt fest, dass die vermehrt in den Markt gebrachten, sehr, sehr hochpreisigen Präparate zu keiner Kostenexplosion bei den Arzneimitteln geführt haben", sagte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. Auf das Gesamtjahr 2015 hochgerechnet betrüge die Zunahme 3,1 Prozent.

Im vergangenen Jahr sowie im ersten Quartal 2015 hatten fast alle gesetzlichen Kassen Verluste eingefahren. Einzige Ausnahmen waren die AOK und die Knappschaften. Bis Juni bekam dann aber auch die AOK die Trendwende zu spüren: Nachdem sie zwischen Januar und März noch ein Plus von 36 Millionen Euro erwirtschaftet hatte, geriet die Krankenkasse in den Folgemonaten in einen finanziellen Abwärtstrend.

Allerdings haben die gesetzlichen Kassen in den vergangenen Jahren gemeinsam milliardenschwere Reserven angehäuft. Am Ende des ersten Quartals verfügten sie über ein Finanzpolster von rund 15,5 Milliarden Euro. Ihre Finanzlage gilt daher als stabil. Die Rücklagen des Gesundheitsfonds, der die Versichertenbeiträge einsammelt und an die Kassen verteilt, summierten sich Ende März auf 9,8 Milliarden Euro.

Experten gehen jedoch davon aus, dass die Kosten weiter steigen und die Versicherten auf längere Sicht mit höheren Beiträgen rechnen müssen. Derzeit erheben elf von 123 Kassen Zusatzbeiträge.

brk/dpa

insgesamt 24 Beiträge
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trevi 20.08.2015
1. Kann es sein,
dass die Miesen bei den AOKs auch mit der Unzahl von Direktoren etc. zu tun hat. Selbst die ehem.personal- verwöhnte RWE haben 7 von 9 AR-Posten abgebaut, weil sie in die Miesen gingen. Aber die AOKs haben ja eine unversiegbare Geldquelle, die Beitragszahler.
paulhund123 20.08.2015
2. ????
Nur 11 Krankenkassen erheben einen Zusatzbeitrag??? Kann nicht sein. Wenn es hoch kommt, erheben 11 keinen Zusatzbeitrag. Was ist denn das für eine Recherche???
warlock2 20.08.2015
3. AOK macht 110 Millionen Euro Verlust!
Das liegt wohl eher an den gestiegenen Manager-Gehältern der letzten Jahre.
bru.zag 20.08.2015
4. Misstrauen ist angebracht
Wenn KK Zahlen veröffentlichen sollte man kritisch
herm16 20.08.2015
5. kommentar trevi
nein. Wir werden aelter, und brauchen für jedes Wehwehchen ein Medikament. Außerdem, für die Folgekosten von Alholmissbrauch, Drogenmissbrauch, zahlt die AOK, von den anderen Kassen weiss ich es nicht, 26 Milliarden pro Jahr. Also, Cannabis legalisieren, dann wirds noch teurer.
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