Um Fachkräfte zu halten Frührentner sollen grenzenlos hinzuverdienen dürfen

Die Regierung will laut einem Bericht die Hinzuverdienstgrenzen für alle Arbeitnehmer streichen, die nach einem vorzeitigen Renteneintritt nebenher noch arbeiten. So soll dem Fachkräftemangel begegnet werden.
Ältere Arbeitnehmerin: Mehr Flexibilität beim Übergang in die Rente

Ältere Arbeitnehmerin: Mehr Flexibilität beim Übergang in die Rente

Foto:

Olga Rolenko / Getty Images

Für Frührentner soll es laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters ab Anfang 2023 keine Einkommensgrenzen mehr geben, also keine Grenzen dafür, wie viel sie ohne Abzüge bei der Rente hinzuverdienen dürfen. Die Bundesregierung habe auf der Kabinettssitzung in Meseberg einen entsprechenden Gesetzentwurf von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gebilligt, wie es unter Berufung auf einen nicht näher genannten Regierungsvertreter heißt.

Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht. Die Regierung arbeitet allerdings schon länger an einer Reform des Systems der Frührente. Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« hatte bereits vergangene Woche berichtet, dass die Hinzuverdienstgrenzen für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gestrichen werden sollen, die nach einem vorzeitigen Renteneintritt nebenher noch arbeiten.

Bisher nur 6300 Euro im Jahr anrechnungsfrei

»Durch die damit einhergehende Flexibilität beim Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand kann ein Beitrag geleistet werden, dem bestehenden Arbeits- und Fachkräftemangel entgegenzuwirken«, heißt es in dem Reuters vorliegenden Gesetzentwurf.

Bisher durften Ruheständler erst nach Erreichen der regulären Altersgrenze unbeschränkt nebenher arbeiten. Bei einer vorgezogenen Rente wie auch bei einer Rente ab 63 nach 45 Jahren Beitragszeit durfte der Zuverdienst indes bestimmte Grenzen nicht übersteigen. Andernfalls drohten eine Minderung oder sogar der Wegfall des Rentenanspruchs. Nach geltender Gesetzeslage wäre von 2023 an nur noch ein Nebenverdienst von 6300 Euro im Jahr anrechnungsfrei. Für die Jahre 2020 bis 2022 war die Hinzuverdienstgrenze im Rahmen einer befristeten Corona-Sonderregelung auf gut 46.000 Euro im Jahr erhöht worden.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger begrüßte die geplante Änderung und sprach von einem überfälligen Schritt, um mehr Menschen in Beschäftigung zu halten. »Der nächste Schritt muss jetzt der Wegfall der Förderung der Frühverrentung sein«, forderte Dulger. »Die abschlagsfreie Rente ab 63 sollte so schnell wie möglich auslaufen.«

Wie die »FAZ« berichtet hatte, ist auch vorgesehen, dass die Grenzen für Hinzuverdienste der Bezieherinnen und Bezieher von Erwerbsminderungsrenten auf gut 17.000 Euro im Jahr erhöht werden. Im Koalitionsvertrag hatten die Ampelparteien dazu lediglich vereinbart: »Die Flexi-Rente wollen wir durch bessere Beratung in ihrer Bekanntheit verbreitern und die Regelung zum Hinzuverdienst bei vorzeitigem Rentenbezug entfristen.«

apr/Reuters/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.