Arbeit im Alter Zahl der Beschäftigten ab 67 Jahren steigt auf mehr als eine Million

Zunehmend mehr Menschen im Rentenalter gehen in Deutschland einer Arbeit nach. Die Ursache für die steigende Zahl ist umstritten.
Älterer Herr beim Streichen einer Wand auf der Leipziger Messe

Älterer Herr beim Streichen einer Wand auf der Leipziger Messe

Foto: Jan Woitas / picture alliance / dpa

Schon längst im Rentenalter – und dennoch angestellt sein: Das trifft für immer mehr Menschen in Deutschland zu. Die Zahl der Beschäftigten im Alter von 67 Jahren oder älter ist im vergangenen Jahr auf 1,05 Millionen gestiegen, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervorgeht, über die das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet .

Demnach waren 217.000 Menschen im Alter ab 67 Jahren sozialversicherungspflichtig beschäftigt, hatten also einen regulären Teilzeit- oder Vollzeitjob. Weit mehr, nämlich 835.000, hatten eine geringfügige Beschäftigung, also einen Minijob. Weil die Summe größer ist als die Gesamtzahl der in diesem Alter Beschäftigten, dürften einige Zehntausend neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung noch einen Minijob ausüben.

Damit sind die Zahlen dem Bericht zufolge in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 2010 seien noch rund 685.000 Menschen ab 67 Jahren einer Beschäftigung nachgegangen, 2015 waren es knapp 792.000 und 2018 gut 968.000.

Die Ursache für die steigende Zahl an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Rentenalter ist umstritten. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann sieht darin einen Beleg dafür, dass die Rente für zunehmend mehr Menschen nicht zum Leben reicht und spricht gegenüber dem RND von einer »traurigen Entwicklung«.

Dieser Deutung stehen jedoch empirische Daten entgegen. Einer Auswertung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln)  zufolge liegt der Anteil der Akademiker unter den erwerbstätigen Menschen im Rentenalter mit 37 Prozent deutlich über dem Durchschnitt von 27 Prozent. Zudem spielten bei Befragungen Motive wie »Spaß an der Arbeit« oder »Kontakt zu anderen Menschen« eine größere Rolle als die Entlohnung. Nicht zuletzt verfügten Haushalte mit erwerbstätigen Rentnern durchweg über höhere Einkommen als Haushalte mit nicht berufstätigen Rentnern.

fdi
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