Studie Mindestens 1,8 Millionen Beschäftigten wird der Mindestlohn vorenthalten

Der Mindestlohn hat zu einer Steigerung niedriger Löhne in Deutschland geführt. Doch längst nicht alle, die Anspruch darauf haben, bekommen ihn auch - oft tricksen die Arbeitgeber bei der Arbeitszeit.
Beschäftigte im Gastgewerbe

Beschäftigte im Gastgewerbe

Foto: Jan-Philipp Strobel/ picture alliance / dpa

Im vergangenen Jahr haben mehr Menschen unterhalb des Mindestlohns gearbeitet als bislang bekannt. Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und der Universität Potsdam zufolge wurden 2016 mindestens 1,8 Millionen Beschäftigte schlechter bezahlt als 8,50 Euro pro Stunde.

Diese Schätzung liegt deutlich über den Werten aus der amtlichen Statistik, die die Zahl mit rund 1,1 Millionen Beschäftigten beziffert. Die DIW-Studie stützt sich erstmals auf die Befragung von 30.000 Menschen in 15.000 Haushalten für das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) - und nicht auf Angaben der Arbeitgeber, auf die sich die Mindestlohnkommission der Bundesregierungverlässt.

Betroffen sind der DIW-Studie zufolge vor allem Minijobber, Beschäftigte in kleinen Firmen, Frauen und Ausländer, heißt es in der Studie. Auch seien Beschäftigte im Osten häufiger betroffen als im Westen. Um den Mindestlohn zu umgehen, würden Arbeitgeber vor allem bei der Arbeitszeit tricksen, heißt es.

"Intransparente oder inoffizielle Arbeitszeitvereinbarungen"

"Offensichtlich - und keineswegs unerwartet - wird das Mindestlohngesetz nicht in jedem Betrieb eins zu eins umgesetzt", erklärte Studienautorin Alexandra Fedorets. Auch Ergebnisse der Kontrollen des zuständigen Zolls sowie Medienberichte wiesen auf Umgehungsstrategien durch "intransparente oder inoffizielle Arbeitszeitvereinbarungen" hin.

Laut Befragung arbeiten sogar 2,6 Millionen Menschen unterhalb des Mindestlohns, obwohl sie darauf Anspruch haben, wenn man die gearbeiteten Stunden betrachtet. Den Forschern zufolge hat ein Teil der Befragten in den vergangenen Monaten mehr gearbeitet, als vertraglich festgelegt ist - entlohnt wurde diese Zeit jedoch nicht. Das ist etwa dann der Fall, wenn Arbeitgeber Vorbereitungs-, Warte- und Bereitschaftszeiten mit einem geringeren Stundenlohn bezahlen. Allerdings sagt diese Zahl nicht automatisch etwas darüber aus, wie viele Beschäftigte unberechtigterweise weniger als den Mindestlohn verdienen, da es Beschäftigte gibt, die freiwillig unbezahlte Überstunden leisten.

Die Einführung des Mindestlohns habe den DIW-Experten zufolge zwar eine Steigerung niedriger Löhne bewirkt, nun müsse jedoch dafür gesorgt werden, dass der Mindestlohn auch alle erreicht, denen er zusteht. Die Studienautoren fordern daher mehr Kontrollen sowie härtere Strafen für Arbeitgeber. Der Mindestlohn war Anfang 2015 in Deutschland eingeführt worden. Mittlerweile beläuft er sich auf 8,84 Euro.

asc/AFP
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