Verkauf von Bewerberdaten Datenhändler sollen Jobbörse der Arbeitsagentur missbraucht haben

Tausende Menschen hoffen, über die Jobbörse der Arbeitsagentur eine bezahlte Tätigkeit zu finden. Doch Bewerberdaten sollen weiterverkauft worden sein, berichtet der "SWR".

Logo der Bundesagentur für Arbeit
Felix Kästle / DPA

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Datensammler sollen Tausende Stellenangebote in der Jobbörse bei der Bundesagentur für Arbeit geschaltet haben, um an Daten und Unterlagen von Bewerbern zu gelangen. Diese seien in großem Stil zum Weiterverkauf angeboten worden, berichtet das "SWR"-Magazin "Zur Sache Baden-Württemberg".

Eine Sprecherin der Bundesagentur konnte nicht bestätigen, dass die Plattform von Datenhändlern missbraucht wurde. "Uns lagen bisher hierzu keine Erkenntnisse vor", sagte sie. Bei der Vielzahl an Stellenangeboten könne jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass einzelne Stellenangebote gefälscht oder fingiert seien. "In diesem Fall sind Hinweise von Arbeitsuchenden und Arbeitgebern sehr wichtig für die Bundesagentur für Arbeit."

Kunden der Datenhändler seien unter anderem Zeitarbeitsfirmen, die auf diesem Weg an Daten von Bewerbern kommen, berichtete der Sender weiter. Für ihre Recherchen gründeten die "SWR"-Reporter auch eine Scheinfirma und kontaktierten einen der Datenhändler. Der Berliner Unternehmer habe den verdeckten Reportern vollständige Bewerbungsmappen zum Kauf angeboten - für etwa drei Euro pro Datensatz.

Der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, Stefan Brink, bewertete in der Sendung den Fall als gravierenden Verstoß gegen Datenschutzgesetze. Die Weitergabe und der Verkauf von Bewerbungsunterlagen seien streng verboten. Vor einer Weitergabe der Daten müssten die Bewerber genau informiert werden und in jedem Einzelfall ihre Zustimmung erteilen.

Abgeordnete der Opposition im Bundestag forderten die Bundesagentur für Arbeit und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auf, gegen die Datenhändler vorzugehen: "Beide dürfen den Schutz von Arbeitsuchenden nicht länger auf die leichte Schulter nehmen", sagte die Linken-Bundestagsabgeordnete Jessica Tatti. Der digitalpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Manuel Höferlin, forderte, die Bundesagentur müsse sicherstellen, dass ihre Plattformen nicht von schwarzen Schafen und Datenhändlern missbraucht werden.

kko/dpa



insgesamt 12 Beiträge
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xcountzero 02.05.2019
1. Unglaublich
"Uns lagen bisher hierzu keine Erkenntnisse vor". Na klar. Aber jeder Erwerbslose wird täglich mit dem Argument erpresst, angeblich faul zu sein, weil es so viele Stellenangebote gibt. Verlogenes System.
haegario 02.05.2019
2. Dsgvo
Wäre interessant wie hier die Aufsichtsbehörden für Datenschutz und Datensicherheit reagieren?
herrschläfer 02.05.2019
3. Hallo!?
Wenn das Handeln strafbar ist, gehört alles daran gesetzt die Betrüger zu bestrafen. Alle anderen warmen Aufforderungen sind kalter Kaffee und können sich die Verantwortlichen in die Haare schmieren. Machen ein riesen Konstrukt von Datenschutzgesetz und dann sowas.
ambulans 02.05.2019
4. nicht
nur, dass diese arbeits-"agentur" sich zu fast 90% einfach nur selbst verwaltet, gelder für andere zwecke als die arbeitsverwaltung und unterstützung bei der jobsuche verwendet - nein, jetzt werden auch noch komplette datensätze von arbeitswilligen - vorsätzlich und hinter deren rücken - meistbietend vertickt: so einen sauhaufen muss man sofort auflösen, alles beteiligten rausschmeißen und die ganze angelegenheit wieder so betreiben, wie es schon einmal war. nannte sich arbeitsamt, war einwandfrei staatlich organisiert - und funktionierte ...
clkr 03.05.2019
5. Tja, und wenn man bedenkt, daß die Vollzugssubjekte des SGB II
auch noch durch EGV gezungen sind, ihr sog. "Profil" einzustellen... Die Arbeitsagentur-Verantwortlichen sollten persönlich haftbar gemacht werden. Quasi eine Sanktion kassieren für ihre grobe Verletzung ihrer Sorgfaltspflichten. Wer nicht in der Lage ist, enorme Datenabsaugung durch frisch gegründete Hinterhoffirmen zu erkennen und zu unterbinden, dem gehört nach Anhörung eine Soldsperre für 3 Monate verpaßt.
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