Arbeitskampf bei Privatbahnen Lokführer starten 60-Stunden-Streik

Der Lohnkampf der Gewerkschaft GDL eskaliert: Lokführer von insgesamt 21 privaten Bahnunternehmen treten ab Mittag in den Dauerstreik. Zugfahrer müssen von Montag bis Donnerstag mit Behinderungen rechnen.

Lokführer-Streik (am Donnerstag): "Beendigung des Lohndumpings"
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Lokführer-Streik (am Donnerstag): "Beendigung des Lohndumpings"


Frankfurt am Main - Der Arbeitskampf der Lokführer wird immer erbitterter: Die Gewerkschaft GDL hat zu einem neuen 60-stündigen Warnstreik bei den privaten Wettbewerbern der Deutschen Bahn aufgerufen. Der Ausstand soll am Montag um 14 Uhr starten und am Donnerstag um 2 Uhr nachts enden. Das bestätigte GDL-Sprecherin Gerda Seibert.

In dem Tarifkonflikt kämpft die GDL um eine Entgelterhöhung und einen flächendeckenden Tarifstandard für alle Beschäftigten auf dem Niveau der Deutschen Bahn. Sie dringt zudem auf Regelungen für Lokführer bei einem Betreiberwechsel, etwa wenn die Deutsche Bahn Aufträge für den Nahverkehr an private Konkurrenten verliert.

"Die GDL-Mitglieder und immer mehr Unorganisierte zeigen klar Flagge für die Beendigung des Lohndumpings auf ihrem Rücken", sagte der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky. Mehrere tausend Lokführer sollen nun in den Ausstand treten. Bestreikt werden folgende Unternehmen:

  • Albtal-Verkehrs-Gesellschaft mbH (AVG)
  • AKN Eisenbahn AG
  • Abellio Rail NRW GmbH
  • Bayerische Regiobahn GmbH
  • Berchtesgadener Land Bahn GmbH
  • Cantus Verkehrsgesellschaft mbH
  • HLB Basis AG
  • HLB Hessenbahn GmbH
  • Hohenzollerische Landesbahn AG (HzL)
  • Metronom Eisenbahngesellschaft mbH
  • Mitteldeutsche Regiobahn
  • Nord-Ostsee-Bahn GmbH (NOB)
  • Nord-West-Bahn GmbH
  • Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft mbH (ODEG)
  • Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE)
  • Ostseeland Verkehr GmbH (OLA)
  • Prignitzer Eisenbahn, Betriebsteil NRW
  • vectus Verkehrsgesellschaft mbH
  • Veolia Verkehr Sachsen-Anhalt GmbH
  • Vogtlandbahn GmbH
  • Westfalenbahn GmbH

Der Deutsche-Bahn-Konkurrent Keolis ist nicht betroffen, da die GDL mit ihm bereits Verhandlungen führt. Auch die Deutsche Bahn wird ausgeklammert. In der vergangenen Woche hatten sich die Lokführer mit der Deutschen Bahn auf einen Bundesrahmentarifvertrag für 20.000 DB-Lokführer im Personen- und Güterverkehr geeinigt.

Die Privatbahnen hatten die Gespräche mit der GDL über einen Flächentarifvertrag für gescheitert erklärt und peilen nun Einzelabschlüsse für jedes Unternehmen an. Die GDL kritisiert das. Trotz wiederholter Streiks verweigerten die privaten Bahnunternehmen jegliches Angebot zu inhaltsgleichen Rahmentarifverträgen für Lokomotivführer und deren Verknüpfung mit den jeweiligen Haustarifverträgen, schreibt die Gewerkschaft.

Der Druck auf einzelne Lokomotivführer sei inzwischen hoch. Der Umgangston zwischen Unternehmensführungen und den rechtmäßig Streikenden werde zunehmend rabiater.

Der Tarifstreit zwischen GDL und Privatbahnen
Die Beteiligten des Tarifstreits
Die Lokführergewerkschaft GDL sitzt mehreren Vertretern der Arbeitgeberseite gegenüber. Zu den Verhandlungspartnern gehören sechs Privatbahnen des Personennahverkehrs: Abellio, Arriva, BeNEX, Hessische Landesbahn, Keolis und Veolia Verkehr.
Die Kernforderung der GDL
Die zentrale Forderung der GDL ist ein Flächentarifvertrag für alle 26.000 Lokführer in Deutschland, unabhängig davon, ob sie bei der Deutschen Bahn (DB) oder bei Privatbahnen arbeiten. Diese Vereinbarung soll für Lokführer im Fern, Nah- und Güterverkehr gelten. Dabei fordert die GDL ein einheitliches Einkommen auf dem Niveau des Marktführers DB plus fünf Prozent. Die teils bis zu 30 Prozent niedrigeren Entgelte bei Privatbahnen sollen stufenweise angeglichen werden.
Warum sich die Privatbahnen wehren
Die privaten Betreiber fürchten höhere Kosten durch Löhne, die auf DB-Standard liegen. Mittelständische Unternehmen könnten sich die Entgelte des Marktführers nicht leisten, sagen die Privatbahnen. Ihr Credo: Für unterschiedliche Tätigkeiten sollen unterschiedliche Entgelte gezahlt werden. Denn die privaten Anbieter sind im Regionalverkehr aktiv. Sie argumentieren etwa, dass Lokführer im Güterverkehr im Gegensatz zu ihren Kollegen im Nahverkehr oft Nachtfahrten haben. Die GDL argumentiert, solche Unterschiede könnten durch Zulagen ausgeglichen werden.
Die Stellung der GDL
Neben der GDL gibt es in der Bahnbranche auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die GDL vertritt nach eigenen Angaben drei Viertel aller Lokführer. Darum sieht sich die Gewerkschaft allein berechtigt, Tarifverträge für Lokführer abzuschließen. Bei der DB hat die GDL das alleinige Mandat, für die Lokführer des Unternehmens zu verhandeln. Bei den Privatbahnen dagegen beansprucht auch die EVG für sich, die Lokführer zu vertreten.
Die Rolle der Konkurrenzgewerkschaft EVG
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) als Konkurrenz zur GDL hat bereits einen Branchentarifvertrag mit der Deutschen Bahn und den sechs großen Privatbahnen abgeschlossen, allerdings nur für den Nahverkehr. Die GDL lehnt einen Anschluss an diesen Vertrag aber ab und kritisiert, dass sich die EVG gegen die Arbeitgeber nicht richtig habe durchsetzen können.
Weitere Forderungen der GDL
Neben einem Flächentarifvertrag besteht die GDL auf einer Reihe spezieller Regelungen für Lokführer, zum Beispiel auf einem erweiterten Kündigungsschutz bei Arbeitsunfähigkeit nach Unfällen.

ssu/dpa/Reuters

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