EU-Vergleich Deutschland rückt bei Arbeitskosten auf Platz sechs vor

Wie viel müssen Firmen im Schnitt für eine Stunde Arbeitseinsatz berappen? Deutschland liegt bei diesen Kosten im EU-Schnitt nur im Mittelfeld. Doch es gibt eine Ausnahme: Besonders viel Geld kosten deutsche Industriearbeiter.
Arbeiter in einem Siemens-Werk

Arbeiter in einem Siemens-Werk

Foto: Matthias Rietschel/ ASSOCIATED PRESS

Der Einsatz des Produktionsfaktors Arbeit ist in der deutschen Wirtschaft teurer als im europäischen Durchschnitt. Im Schnitt kostete eine Arbeitsstunde 2017 34,50 Euro. Das geht aus der jährlichen Auswertung des Statistischen Bundesamtes hervor.

Im Mittel kostet eine Arbeitsstunde damit in Deutschland 31 Prozent mehr als im EU-Durchschnitt (26,30 Euro). Deutschland rangiert unter den 28 EU-Mitgliedern insgesamt im oberen Mittelfeld, auf Position sechs. Dänemark hatte mit 43,60 Euro die höchsten Arbeitskosten je Stunde, Bulgarien mit 4,90 Euro die niedrigsten.

Die vollständige Liste finden Sie auf Destatis.de .

Erfasst wurden Arbeitsplätze in der Industrie sowie in wirtschaftlichen Dienstleistungen, also ohne den öffentlichen Dienst. Besonders hoch waren die Arbeitskosten in der deutschen Industrie. Dort kostete eine Arbeitsstunde durchschnittlich 40,20 Euro. Das waren 49 Prozent mehr als im EU-Schnitt und Rang vier im Europa-Vergleich.

Allerdings sind sehr hohe Arbeitskosten nicht gleichbedeutend mit einer schlechteren Wettbewerbsfähigkeit. Sie können beispielsweise dadurch ausgeglichen werden, dass auch die Produktivität höher ausfällt.

Interessant ist auch die Entwicklung der Arbeitskosten in der EU im Zeitablauf. 2012 lag Deutschland im EU-Vergleich noch auf Platz acht. Das Wachstum der Arbeitskosten lag in Deutschland mit knapp 12 Prozent über fünf Jahre allerdings nur leicht über dem Plus im EU-Mittel (11,3 Prozent). Deutlicher fällt der Unterschied wiederum in der Industrie aus: Seit 2012 lag das Plus dort in Deutschland bei etwa 14 Prozent, EU-weit aber bei 9,5 Prozent.

Die Arbeitskosten setzen sich aus den Bruttoverdiensten und den Lohnnebenkosten zusammen, zu denen unter anderem die Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialversicherungen zählen. Im vergangenen Jahr zahlten die Arbeitgeber in der deutschen Privatwirtschaft auf 100 Euro Bruttoverdienst zusätzlich 28 Euro Lohnnebenkosten. Damit lagen die Lohnnebenkosten den Angaben zufolge unter dem EU-Schnitt von 31 Euro.

beb/dpa